Feiertage

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Rau knisterte es, als sich Felix zurücklehnte und schnell zog er das Geschenkpapier hervor. Lee hatte dafür nur ein Grinsen übrig und reichte ihm aber immerhin ein Glas mit warmen Eierpunsch. Dann setzte er sich zu ihm.„Danke, dass du mitgekommen bist."
Leise lachte Felix.
„Im Ernst? Du bist der, mit dem ich den Weihnachtsabend verbringen wollte. Und deine Eltern kenne ich doch bereits, die sind echt klasse."
Sein Freund warf einen Blick in den Flur und senkte, aufgrund der offenen Küchentür, die Stimme:
„Mag schon sein, aber Tante Josy ist manchmal ein wenig...na ja, du weißt, was ich meine."

Wie auf Knopfdruck drang ein gackerndes Lachen zu ihnen und mit einem breiten Schmunzeln zog Felix Lee zu sich heran.
„Fe, der Punsch!"
Aber nichts passierte und Felix lehnte seinen Kopf gegen den des jungen Mannes.
„Für dich würde ich auch mit hunderten Josys zu Abend essen."
Ein Prusten antwortete ihm, dann beugte sich Lee weg, um sein Glas abzustellen.
„Wie aufopferungsvoll."
Felix nickte mit einem abgehobenen Brummen.
„So bin ich eben."
Schon wurde er von Lee in die Seite geknufft, bevor der sich wieder an ihn herankuschelte. Diesmal richtig.

Mit einem unglaublich wunderbar warmen Gefühl in der Brust schloss Felix die Augen. Das Prasseln des Feuers mischte sich unter die leisen Gespräche von Lees Eltern und seiner Tante und unter die leisen Weihnachtslieder, welche aus dem Radio klangen. Die Düfte in der Luft machten das perfekt. Lebkuchen, der Rest des Abendessens, die Nadeln des Mistelzweiges...und natürlich Lee neben ihm.
Eigentlich wären das die perfekten Bedinungen gewesen, hier und jetzt einzunicken, aber dann erhob er die Stimme.
„Hast du schon Pläne für die Feiertage?"
„Hm? Nein, noch nicht. Erst Silvester wieder, da feiern wir mit ein paar Leuten aus dem Orden rein. Wir können das also nicht."

Lees Hand schloss sich um seinen Oberarm und ein Lächeln huschte über Felix' Gesicht, als er mit seinem Daumen sanfte Kreise zog.
„Kein Problem. Dann werde ich dich einfach für die Tage bis dahin beanspruchen. Ich kann dir ein wenig die Gegend zeigen, wir haben hier echt schöne Plätze."
„Das Angebot nehme ich nur zu gerne an."
Lee wollte zu einer Erwiderung ansetzen, als eine kleine, pummelige Frau in der Tür erschien.
„Na, wenn das mal nicht meine zwei Turteltäubchen sind!", quietschte sie und schnell verbarg Felix sein kläglich Lächeln hustend hinter vorgehaltener Hand.

~

Felix wünschte sich für die gesamte folgende Woche, dass er die Zeit anhalten könnte. Wenn es nach ihm ginge, dann hätte er diese Tag mit Lee bis in alle Ewigkeit verbracht. Sie gingen spazieren und wenn sie müde und durchfroren, aber gut gelaunt bei Lees Eltern ankamen, setzten sie sich vor den Kamin, tranken heißen Kakao und spielten zu viert allerhand Brettspiele.
Selten fühlte sich Felix so zufrieden und während der Stunden vergaß er seine Sorgen völlig.
Und wenn sie Nachts einmal zurückkamen und wieder lauter wurden, lag Lee an seiner Seite. War bei ihm und hielt ihn fest.

Aber viel zu schnell war das Neujahr herangerückt und schon war Felix dabei, sich von Mr und Mrs Jordan und – vorübergehend – von Lee zu verabschieden.
„Wir sehen uns. Wann bist du morgen Zuhause?", flüsterte Felix, als er ihn in eine Umarmung schloss.
„Erst gegen Abend. Ich bin morgen für die zweite Schicht vorgesehen."
„Ich warte auf dich."
Lee strich ihm über den Hinterkopf.
„Musst du nicht."
Felix grinste. „Will ich aber."
Schnell drückte er ihm einen Kuss auf den Lippen, dann lösten sie sich voneinander und mit glühenden Wangen wandte sich Felix ab und stieg in den Kamin der Familie.

~

Es war sein ehemaliger Lehrer und jetziger Freund, der ihn empfing.
„Remus, kam es rechtzeitig?", stieß Felix sofort hervor. Er hatte, abgesehen von dem geschickten Weihnachtsgeschenk, nichts weiter von ihm gehört.
Aber jetzt legte der Mann seine Hände auf Felix' Schultern ab und strahlte ihn an. Seine Augen glitzerten.
„Du bist eine Wucht, Junge!"
„Also hast du es erhalten!"
Felix' Herz machte einen Satz und Remus strahlte direkt noch breiter.
„Das war eines der besten Weihnachtsfeste. Tatze an meiner Seite und unter der Wirkung des Wolfbanntrankes...ich danke dir, Felix."

Mittlerweile doch etwas verlegen, winkte der junge Gryffindor ab.
„Für dich mache ich das gerne. Du bist doch mein Freund."
„Ach, Felix. Du bist wirklich ganz der Sohn deiner Mutter."
Er stockte. Dieser Satz kam so unvermittelt, dass er seinen Kopf leerfegte. Remus bemerkte, dass er nicht wusste, wie er reagieren sollte, weshalb er mit einem warmen Lächeln seinen Arm um ihn legte und mit sich zog.
„Sie war genauso gütig, wie du es bist. Komm, gehen wir zu den Anderen. Die Zwillinge warten schon ungeduldig."
Gütig.
So fühlte Felix sich bei Weitem nicht. Fehler beging er. Einen nach dem anderen. Und wenn Remus wüsste, wie viel Angst er eigentlich hatte und was er alles deswegen tat...er wäre sicher enttäuscht, würde er erfahren, dass er die Seiten des Buches las und zurückhielt.

„Aber entschuldige bitte, wie war dein Weihnachtsfest?", riss ihn Remus' Stimme aus den Gedanken.
„Gut, danke. Ich war bei Lee und wir haben echt tolle Tage miteinander verbracht. Haben die Feiertage ein senkt verbummelt."
„Das klingt ganz fantastisch. Und...gesundheitlich ist bei dir alles in Ordnung?"
Nein. War es nicht.
Felix lächelte. „Klar. Sieh mich doch einmal an, das blühende Leben."
Dafür handelte er sich einen leisen Lacher ein. Bevor Remus weitere Fragen stellen konnte, fragte er aber:
„Und bei dir ist auch alles klar? Wie läuft es denn mit Tonks?"
„Danke, ist es. Aber Tonks? Was meinst du damit?"

Auf Felix' Blick hin seufzte er.
„Es ist ein wenig kompliziert, aber sie beruhigt sich schon wieder. So etwas geht vorbei."
Felix hob seine Augenbrauen.
„Ist klar. Und du? Wie fühlst du?"
Remus blieb stehen und starrte den Flur hinab. So sie er aussah, wünschte er sich bereits zu den anderen.
„Ach, Felix."
Das sagte er heute schon zum zweiten Mal. So langsam keimte in ihm der Verdacht auf, dass es dem Mann nicht so gut ging, wie er vorgab.
„Darum geht es doch gar nicht, das ist völlig egal."
„Wie bitte?"
„Du kennst mich gut genug. Glaubst du wirklich, ich setze jemanden einer solchen Ächtung aus? Wie stellst du dir das denn vor?"

Felix packte seine Schultern und drehte ihn zu sich herum.
„Das kann doch nicht dein Ernst sein! Niemand wird durch dich geächtet. Wer meint, dir irgendwie blöd zu kommen, ist ein Arschloch und sieht nicht, dass das Problem voll und ganz bei ihm liegt. Und sieh mich nicht so an!"
Remus schob seine Hände weg und schloss die Augen.
„Danke für die lieben Worte. Aber wir wissen doch beide, dass..."
„Wehe, du sprichst jetzt weiter!", unterbrach Felix ihn. „Erzähl keinen Unsinn, du bist doch sonst immer so schlau. Versprich mir lieber, dass du das klärst. Ohne deine odere ihre Gefühle zu verletzen."
„Ich bin doch sonst immer so schlau?"
„Oh ja, benimm dich auch so."
„Na, weil du es bist."
Mit einem Lächeln, welches Felix nicht so recht überzeugte, verpasste Remus ihm einen sanften Fauststoß gegen die Schulter und sie setzten ihren Weg fort.

~

„Fe, endlich!"
„Hast du gepennt oder wollte Lee dich nicht gehen lassen?"
„Ich freue mich auch, euch wiederzusehen, Jungs", erwiderte Felix.
Etwas krächzend, weil er von ihren Umarmungen fast erdrückt wurde. Aber das Grinsen wollte trotzdem nicht von seinen Lippen verschwinden.
„Scheiße, wie lange haben wir uns jetzt nicht mehr gesehen?"
Endlich wurde er losgelassen und er nahm einen tiefen Atemzug.
„Viel zu lange."
Fred stemmte seine Fäuste in die Hüften und prompt tat es ihm sein Bruder nach, beide betrachteten sie ihn tadelnd.
„In nächster Zeit schaust du gefälligst öfter bei uns vorbei."

Felix legte eine Hand auf seine Brust und hob die andere.
„Ich schwöre."
„Vorsicht, Junge, pass auf, was du so schwörst."
Sirius!
Der Black sah erst so aus, als ob er ihn ebenfalls zur Begrüßung umarmen wollte, dann fuhr er Felix aber einfach nur grinsend durch die Haare und zerstörte seine Frisur.
„Gut siehst du aus."
„Du auch", erwiderte Felix grinsend und ordnete schnell seine Haare.
„Was machst du jetzt eigentlich?"
„Erst habe ich mich als Auror beworben, wurde aber abgelehnt", meint er mit einem säuerlich Gesichtsausdruck. „Deshalb helfe ich jetzt, wenn ich nicht gerade für den Orden unterwegs bin, Bill ab und zu in seiner Tätigkeit. Zu zweit hat man es da oft ein wenig einfacher."

Felix gab ein Brummen von sich.
„Ist ja echt scheiße."
Sirius wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ach, es geht. Aber helfen wir den anderen bei den Vorbereitungen für heute Nacht. Molly verflucht mich, wenn ich dich hier festhalte und ihr drei junge Helfer vorenthalte."
Sofort setzten die Zwillinge ein klägliches Gesicht auf.
„Tut uns ja echt leid, aber wenn alles glatt gehen soll ..."
„... müssen wir uns noch einmal die Raketen und Knaller anschauen."
Felix starrte sie an. „Ihr...ihr kümmert euch um das Feuerwerk?"
„Tja, hättest du uns besucht, wüsstest du, was auf dich zukommt."
Und damit verschwanden sie und ließen ihn mit einem äußerst flauen Magengefühl zurück. Sogar Sirius' Kehlkopf wippte kurz, trotz der funkelnden Augen.

Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt