Das Manor war still. Viel zu still. So still als wäre jedes Leben auch aus dem letzten Rest der Mauern gezogen worden.
Felix wusste, an wem das lag und mit jedem Schritt, der ihn näher zu ihm brachte, wurde das Kribbeln in seinem Nacken stärker. Von dem Brennen in seinem Arm ganz zu schweigen.
Es hörte erst auf, als er die letzte marmorne Fließe hinter sich gebracht hatte und in den Salon des Anwesens trat.
Lord Voldemort erwartete ihn bereits, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Die Augen waren so stechend wie eh und je.
Schluckend ging Felix auf die Knie und hoffte, das würde kein Treffen werden, in welchem er sich rechtfertigen musste, mit Draco noch nicht den Auftrag erfüllt zu haben. Allerdings konnte er sich auch nichts anderes vorstellen, was in irgendeiner Weise besser wäre.
„Komm zu mir!", hallte es bis in seine Knochen und schnell erhob er sich.
Die roten Augen lösten sich nicht einmal von ihm, während er den Raum durchquerte und als er endlich vor dem dunklen Magier stand, begann dieser, gemütlich um ihn herumzugehen.
„Ich habe dich gerufen, um deine Kreativität in Anspruch zu nehmen", begann er dabei langsam.
Es schien nicht um Draco und Dumbledores Stab zu gehen. Vorsichtig sah Felix auf und mit glitzernden Augen blieb Voldemort wieder vor ihm stehen.
„Du wirst für mich einen Fluch entwickeln. Einen Fluch, welcher es mir ermöglicht, ein Netzwerk zu formen. Einen Verbund, um Energien, Ereignisse und Magie miteinander zu verknüpfen und zu empfangen."
Felix' Stirn zog sich in tiefe Falten.
„Ein...ein Netzwerk, sagt Ihr? Wie genau meint Ihr das?", wagte er, dennoch zögerlich, zu fragen.
Lord Voldemort bleckte die Zähne.
„Nun, das wirst du herausfinden. Du wirst es mir ermöglichen, die verschiedensten Orte miteinander zu verknüpfen. Unauffindbar und unüberwindbar. Du wirst es mir ermöglichen, von großen, magischen Schutzzaubern zu erfahren oder sogar individuelle magische Spuren eines Zauberers aufzudecken, sollte er sich in der Nähe des Netzwerkes aufhalten."
Da ging Felix ein Licht auf und ihm wurde direkt übel. Jetzt hatte er keinen Hunger mehr.
„Ich...ich verstehe", sagte er leise. „Mehrere verbundene Punkte, welche Magie aufnehmen und unter sich weiterleiten. Ein...Kontrollsystem."
Voldemort lächelte. Es war dieses kalte, grausame Lächeln, was Felix einen Schauer über den Rücken jagte.
„Ganz recht. Ein wachsendes Individuum, welches mit jedem weiteren Punkt stärker und damit nahezu unverwundbar wird."
Felix starrte ihn an. Flüsterte:
„Aufteilen, um unzerstörbar zu werden."
Unzerstörbar...
Die Luft im Raum veränderte sich und Felix zuckte zusammen, als die eisigen, langen Finger um ihn herumgriffen und er sich im nächsten Augenblick an Voldemorts Seite befand. Seine Kehle verengte sich.
„Ein ganz schlaues Bürschchen habe ich da in dir", flüsterte es leise. Würde Felix nicht glauben, sich zu irren, hätte es fast den Eindruck gemacht, als würde er ihm drohen wollen.
Er hielt es für besser, nichts darauf zu antworten. Er hielt den Blick stattdessen lieber stur geradeaus gerichtet, um diesem gefährlich scharfen Lächeln nicht begegnen zu müssen. Diesem plötzlich auftretenden prüfenden Blick.
„Du denkst allerdings zu viel", fuhr Voldemort fort. „Kontrolle ist keine Frage der Teilung. Was geteilt ist, ist schwach, wenn es nicht denselben Willen trägt. Und doch plapperst du nicht einfach so über Macht wie ein Malfoy oder Nott. Nein, du versuchst, die wahre Struktur hinter ihr zu ergründen."
Jetzt sah Felix doch auf.
„Die einzige Macht, die ich begehre, ist die Macht über das Leben und den Tod. Und selbst diese Macht liegt noch immer bei Euch, Herr, weil...weil Ihr es seid, der sie mir zuteil werden lässt. Weil der Tod nicht mir, sondern Euch gehorcht."
Und wieder musterte Voldemort ihn mit dieser Intensität, die sein Herz viel zu schnell schlagen ließ. Ob er es spürte? Vielleicht sogar hörte?
„Weil der Tod mir gehorcht", wiederholte er schließlich leise.
Felix konnte nicht sagen, ob er verspottet wurde oder Voldemort fasziniert war. Das Funkeln in den Augen sprach für ersteres.
„Ein kluger Satz. Zu klug, wenn man bedenkt, wie wenig du doch begreifst. Du irrst, wenn du glaubst, dass ich diese Macht gewähre. Ich gestatte, dass du an ihr teilhast."
Felix öffnete seinen Mund, aber mit einem einzelnen wartenden Blick brachte Voldemort ihn wieder zum Schweigen.
„Du wirst die Tiefe über diese Dinge begreifen, wenn ich es will. Dein Durst nach diesem Wissen ehrt dich, Dalius, sollte er nicht von Angst gelenkt werden. Aber Durst ohne Geduld ist tödlich."
Die kalten Finger strichen über seinen Nacken und bei dem folgenden Schlucken schien der Kloß in Felix' Kehle noch größer zu werden.
„Ich werde dich lehren, sobald die Zeit reif ist", hauchte Voldemort. „Und bis dahin wirst du gehorchen und lernen, zu warten. Ich bin nicht wie dieser alte, senile Mann, der deine Hoffnungen zerstört. Oh nein, ich nehme mir deine Hoffnungen und richte sie auf etwas aus, was noch größer ist. Etwas, was viel größer ist als nur ein kurzzeitiges Nachlassen von Angst und Schmerz. Ich werde dir Ruhe schenken. Befreiung. Die Gegenleistung, welche ich von dir erwarte, ist nichts weiter als das, was sich gebührt."
Gegenleistung.
Felix sah zur Seite.
„Ihr wisst, dass ich euch treu bin."
Der dunkle Magier lächelte.
„Deine Treue besitze ich. Nein, nein. Ich spreche von deinem Leben. Du verdankst es allein meiner Gnade, es ist nur folgerichtig, dass es mir gehört. Eine logische Konsequenz."
Felix' schien diesmal seine Gefühle nicht richtig verbergen zu können. Voldemort setzte sich in Bewegung und ihm blieb nichts anderes übrig, als ihm bis an das große Fenster zu folgen. Er sah leider nichts, außer ihrer eigenen Spiegelung im Glas. Felix wollte das nicht sehen.
„Dein Leben ist kein Opfer", flüsterte Voldemort. „Nur Gleichgewicht. Du erhältst, was du gibst."
„Gleichgewicht", wiederholte Felix.
Das Wort schmeckte komisch auf der Zunge. Wie etwas, was man in einem Lehrbuch fand. Eine sachliche Definition, völlig fern von Gefühlen und trotzdem nagte es in ihm.
Die Logik dieser Worte war...makellos. So makellos, dass es Felix wütend machte. Wieder einmal brodelte es in ihm.
Leben als Konsequenz. Eigentum als Ordnung.
Was war das nur für eine verfluchte und doch zusammenpassende Scheiße, wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtete?
Für einen Augenblick war er nahe dran, alle Vorsicht fallen zu lassen. Zu widersprechen. Zu schreien, dass er kein Besitz war.
Doch als er wieder aufsah, sah er nur ihre Silhouetten im Fensterglas. Zwei Gestalten, verschmolzen zu einer.
Und in ihm keimte diese nagende Angst, dass es vielleicht schon zu spät sein könnte, dieses Gleichgewicht zu stören. Er spürte die Kälte. Die Kälte der Worte Voldemorts, die fast schon die Gewissheit beinhalteten, dass sein Leben nicht mehr ihm selbst gehörte. Es war nicht direkt eine Drohung, trotzdem fühlte es sich genauso an.
Gleichzeitig drängte sich eine Frage in seine Gedanken.
„Und...und wie lange hat es...Bestand? Dieses Gleichgewicht."
„Bestand?" Voldemort lächelte, als würde ihm das Wort gefallen. „Es existiert solange, wie ich es zulasse. Es ist ein Prinzip. Unverrückbar, solange es der Wille trägt. Mein Wille", fügte er hinzu.
Felix wollte etwas hinzugefügen, als sich plötzlich die große Tür öffnete. Er war drauf und dran, sich umzudrehen, aber Voldemort ließ ihn nicht los und gefangen in dem Griff blieb ihm nur die Spiegelung des Fensters. Und die folgende näselnde Stimms.
„Mein Lord."
Jetzt erst trat Voldemort endlich weg und drehte sich lächelnd zu Snape.
„Severus, so pünktlich wie eh und je. Setz dich doch."
Der Slytherin deutete eine Verbeugung an und folgte der Aufforderung seines Herrn, während sich dieser ein letztes Mal an Felix wandte.
„Du hast bis Ende des nächsten Monats, Dalius. Enttäusche mich nicht."
Hastig nickte Felix, noch immer in Gedanken bei dem Gespräch.
„Natürlich, Herr!"
Sein Blick blieb für einen Moment an der Silhouette Voldemorts haften, und ein Schauer zog ihm über den Rücken.
Dann drehte sich der Dunkle Lord zu Snape, als wäre nichts geschehen.
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Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)
FanfictionDumbledore fuhr sich über die Augen. „Felix, was willst du ihm denn sagen? Niemand ändert seine Meinung so schnell." „Wie wär's, wenn ich ihm einfach sage, dass ich es leid bin, mich zu verstecken, dass ich wohl oder übel auf ihn angewiesen bin oder...
