Der erste Tag, den Felix für seinen Auftrag hatte, verging, ohne dass er weiter an seiner Erfüllung arbeitete. Wie auch?
Lee war bis zum Abend nicht wiedergekommen und als er dann doch durch die Tür trat, verschwand er ohne ein weiteres Wort im Schlafzimmer.
Felix stand lange davor, klopfte an der Tür und bat ihn, einfach rauszukommen und mit ihm darüber zu reden.
Ohne Erfolg. Und Felix konnte ihm das nicht einmal übel nehmen. Er machte sich doch auch Sorgen, er wollte nichts lieber, als Lee zu beschützen.
Und trotzdem war das alles nicht so einfach. Er konnte nicht einfach nichts tun und auch wenn Lee nicht wusste, was Felix sich von Voldemort erhoffte, so musste er doch wenigstens verstehen, dass er gegen viel mehr ankämpfte. Viel mehr, als Felix ihm sagte.
Als Lee am zweiten Tag das Haus verließ, um arbeiten zu gehen (Felix bezweifelte, dass er direkt danach wiederkoen würde, was ihm das Herz brach), konnte er sich noch immer nicht überwinden. Erst in der darauffolgenden Woche setzte er sich dann doch an den Fluch. Er konnte es nicht ewig herauszögern.
Wenn er nicht alles auf einmal verlieren wollte, musste er Voldemort zufrieden stellen. Und ja, er würde Fehler einbauen. Kleine Schwächen, die kaum auffielen. Eine Zeitverzögerung in der Aufnahme und Weitergabe der magischen Spuren, die sich durch mehr gewirkte Magie vergrößerte. An sich war sie dennoch nur gering, aber selbst wenige Sekunden konnten entscheidend sein. Und sollte es irgendwann doch einmal auffallen, war es leicht mit einem Resonanzaufbau technischer Natur zu erklären. Mit dem Aufbau der Bindung zwischen den einzelnen Knoten, welcher unweigerlich anfallen musste. Gerade bei mehreren gewirkten großen Zaubern.
Auch nutzte er für das Netzwerk keine Runen als Ankerpunkte für die einzelnen Orte, wie er es ursprünglich überlegt hatte. Nein, er schrieb einzelne Sigillen auf. Kleine Schriftzeichen, die emotional viel gebunder waren. An den Zauberer, der sie nutzte und an ihn selbst gebunden. Voldemort würde erst merken, dass das ganze Netzwerk mit ihm stand und fiel, wenn es zu spät war.
Während Felix die einzelnen Knoten auf einen Pergamentbogen niederschrieb, dachte er über diese Absurdität nach. Sein ganzes Leben hing an Voldemort, wenn man so wollte. Und dennoch würde dieses Netzwerk nur durch ihn richtig funktionieren können. Und sobald er verletzt oder...er schluckte, verdrängte den Gedanken und schrieb schnell weiter. So oder so, ohne ihn konnte das System nicht funktionieren.
Nur bedeutete das auch, dass erst recht nur durch ihn die Kontrolle stattfinden würde. Und Felix wusste noch im selben Augenblick, dass er doch eine Rune einbauen würde. Unauffällig und erst sichtbar, wenn er sie wirkte. Und wenn er das tat, würde das ganze Netzwerk stillstehen.
Und mehr konnte er für den Orden in dieser Sache nicht tun, wenn er nicht wollte, dass Voldemort misstrauisch wurde. Dieses Netzwerk der Kontrolle musste funktionieren. Er musste nur dafür garantieren, dass es das auf unzuverlässige Weise tat.
Tief einatmend legte er die Feder beiseite und besah sich das Geschriebene. Diese Schriftzeichen müssten ihren Zweck erfüllen und langsam richtete er seinen Zauberstab auf sie. Jetzt musste er sie nur noch aufeinander konditionieren. Und wenn das Netzwerk erst einmal bestand, konnte er es auf das ausrichten, was es filtern sollte.
„Retis", flüsterte er zuerst und die Tinte schien kurz zu flackern.
Er beschrieb einen weiteren Bogen mit dem Zauberstab.
„Dominatius."
Das zweite Wort und ein weiteres Flackern, schon deutlicher, machte sich bemerkbar. Gut! Jetzt würde sich gleich herausstellen, ob er Erfolg hatte.
„Retis Dominatius!"
Er hielt den Atem an, als die Tinte erhellte, regelrecht leuchtete...und erlosch. Seine Schultern sackten zusammen.
„Was? Warum?"
Er wollte sich gerade näher über das Pergament beugen, als er das Schloss der Haustür hörte. Sein Blick flog zu der Wanduhr und ihm stockte der Atem. Scheiße!
Er hatte tatsächlich den ganzen Tag an dem Zauber gesessen. Und wenn Lee ihn so erwischte, würde er alles andere als gut drauf sein.
Felix sprang auf. Mit einem Zauberstabwink verschwanden alle Notizen, Bücher und Hefte im nächsten Schrank. Fest verschloss er ihn, dann hechtete er schnell in die Küche und riss den ersten Schrank auf.
Gerade rechtzeitig! Lee öffnete die Tür auf der anderen Seite und hielt inne.
„Oh. Du bereitest schon alles vor", kam es knapp von ihm.
Langsam erhob sich Felix, den Blick auf ihn gerichtet. Sein Freund sah müde aus. Als wäre die Arbeit heute anstrengend gewesen.
„Ich dachte, ich koche dir was, damit du nicht erst noch den Zauberstab schwingen musst."
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Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)
FanfictionDumbledore fuhr sich über die Augen. „Felix, was willst du ihm denn sagen? Niemand ändert seine Meinung so schnell." „Wie wär's, wenn ich ihm einfach sage, dass ich es leid bin, mich zu verstecken, dass ich wohl oder übel auf ihn angewiesen bin oder...
