Astronomieturm

41 1 5
                                        

Es war seltsam still, als Felix durch die Gänge des Schlosses eilte.
Der Orden war informiert und bereitete sich gerade vor, aber die Schule ahnte noch nichts von dem drohenden Unheil. Er zog die Taschenuhr unter seinem Umhang hervor. Eine Stunde blieb ihm noch, um Malfoy zu kontaktieren. Das würde locker reichen.
Er kam fast ein wenig außer Atem vor dem Büro seiner ehemaligen Hauslehrerin an und klopfte energisch dagegen. Ein Mal. Zwei Mal.
Erst beim dritten Mal hörte er es auf der anderen Seite der Tür leise fluchen.
„Bei Merlin, ja doch!"
Ruckvoll schwang sie auf und Professor McGonagall starrte ihn durch ihren Kneifer hindurch so an, als wäre er ein Gespenst.

„Mr. Lewis? Was tun Sie denn hier?"
„Sie warnen, Hogwarts wird heute angegriffen", platzte es aus ihm heraus. „Wir müssen zu Dumbledore, der Orden ist bereits informiert!"
Die Frau erbleichte. Doch dann trat sie zu ihm auf den Gang und setzte sich so schnell in Bewegung, dass Felix kaum mithalten konnte. Zielstrebig steuerte McGonagall durch die Gänge und ignorierte all die heulenden Geister und plappernden Gemälde, bis sie vor dem Büro des Schulleiters zum Stehen kam.
„Pfefferkobold!", stieß die Schottin hervor und zu zweit eilten sie den Stufen hinauf.
Unverhohlen musterte Felix die Lehrerin von der Seite. Jetzt bekam er vielleicht die Gelegenheit, sich in dem Büro des Schulleiters umzuschauen. Und würde er nicht fündig werden, würde er danach in die Bibliothek gehen.

Professor McGonagall stieß die Tür zum Büro des Schulleiters auf. Und hielt abrupt inne. Es war leer.
Albus Dumbledore war nicht zu sehen und nach einigen kurzen Augenblicken schoss McGonagalls Blick zur Seite.
„Er ist noch nicht zurückgekehrt? Ausgerechnet!"
Sie wirbelte zu Felix herum.
„Wann kommen sie?"
Felix zog scharf Luft ein.
„Lange haben wir nicht mehr, wahrscheinlich noch in dieser Stunde. Aber Kingsley ist informiert, er und die anderen müssten auch bald hier sein."
Professor McGonagall nickte verbissen.
„Dann suche ich noch jetzt das Kollegium auf. Informieren Sie in der Zwischenzeit die Aurorenzentrale. Es können nicht genug von uns sein."

Felix nickte, aber da hatte sie schon eilenden Schrittes das Büro verlassen. Felix zog sofort erneut die Taschenuhr hervor. Die Zeit reichte locker für dieses Büro.
Erst wurde er es durchsuchen, dann die Auroren informieren, dann den Todessern die Nachricht senden, dass zu viele Mitglieder des Ordens vor Ort waren.
Der Schreibtisch Dumbledores war die erste Anlaufstelle. Die Portraits der Schulleiter hängte er vorher zwar mit einem einfachen Zauberstabwink ab, Fawks allerdings reckte sich und beäugte ihn dann misstrauisch, als Felix die erste Schublade aufzog.
„Ich muss nur etwas finden, es ist wirklich wichtig", murmelte der fast entschuldigend und hoffte, dass das Tier ihn nicht vertrieb.
Er hatte Glück, ruhig blieb es auf seiner Stange sitzen, während er den Schreibtisch von oben bis unten durchsuchte. Sogar nach geheimen Fächern hielt er Ausschau. Aber nichts.

„Also gut. Dann vielleicht die Schränke."
Aber weder diese noch die unzähligen Vitrinen beinhalteten etwas Nützliches.
Als Felix das Denkarium erreichte, riss er die Türchen auf, die zu den Erinnerungen führten. Leise klirrten die Fläschchen, als er eines nach dem anderen herumdrehte, die Beschriftung auf den vergilbten Papieren las und sie dann zur Seite schob.
Gerade hier musste doch so etwas unglaublich Wichtiges wie Voldemorts Geheimnis der Unsterblichkeit liegen!
Aber entweder beschrieben die Beschriftungen völlig andere Vorkommnisse oder aber sie waren viel zu nichtssagend. Er konnte nicht einfach ziellos ins Jahr (er drehte eines der Fläschchen) 1942 reisen. Die Gefahr war viel zu groß, dass er seine wertvolle Zeit verschwendete.

Fluchend wandte er sich schließlich von dem Teil des Büros ab und schritt auf den hinteren zu. Vorsichtig stieg er einer goldenen Wendeltreppe nach oben, öffnete die Tür am Ende der Stufen und fiel regelrecht in ein weiträumiges Schlafzimmer. Albus Dumbledores Schlafzimmer.
Ein riesiges Himmelbett stand auf der linken Seite des Raumes. Große Schränke an den Wänden wechselten sich mit aufgehängten Bildern und einer Uhr mit zwölf Zeigern ab und an der Decke schwebten unzählige kleine Lichter. Als hätte der Bewohner Glühwürmchen aufgehängt. Der ganze Raum wurde jedoch von dem mittlerweile dumpfer werdenden Licht erhellt, welches durch zwei große, gebogene Fenster fiel.

Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt