Kapitel 10

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«Warte, das heisst, während ich und...Issa...bei Conroy gefangen gehalten wurden, hast du einfach einen versteckten Gang, welcher von Avosea nach Ditond führt, sowie auch Rypide, gefunden. Du bist der Auserwählte und Conroy wollte, dass du mit ihm zusammenarbeitest, um die Könige und Königinnen zu töten. Habe ich das richtig verstanden?» wenn er das so ausdrückt, klingt es irgendwie unglaubwürdig. «Im Grunde ja, aber es ist schwierig zu erklären. Ich meine, allem voran dieses Gespräch mit Conroy. Er wirkte freundlich und doch hat er davon gesprochen, dass er die Königsfamilien töten will, um das Land wieder in Frieden zu vereinen. Ich meine, ich weiss, es herrschte zwischen Onelan und Dravesia nie die beste Stimmung, aber mit Bavenia, Ditond und Avosea hat sich das Königreich doch immer gut verstanden. Wieso sollte jemand von Dravesia ihn in Bavenia angreifen? Es klingt so...unwirklich, weisst du? Und dass er dann das mit dir und, und Issa getan hat. Dass er sie einfach ohne Emotionen in den Tod schicken konnte. Und ich stand nur da. Ich habe nicht mal irgendetwas versucht zu unternehmen.» Beim letzten Satz brach schliesslich meine Stimme und wurde zu einem flüstern.

«Was hättest du denn tun wollen? Die Wache angreifen, damit du, Issa und diese Wache sterben würden? Mich hier alleine, vielleicht zum Sterben, zurücklassen?» «Nein! Ich könnte dich nie einfach so zurücklassen, das weisst du doch. Aber vielleicht hätte ich sie retten können, weisst du? Vielleicht hätte ich Conroys Angebot annehmen sollen, dann hätte er euch nichts getan...» mein bester Freund sah mich mit einem wehmütigen Blick an. In seinen Augen sah ich den gleichen Schmerz aufblitzen, welchen ich verspürte. Schliesslich hatte auch er seine eigene enge Verbindung zu Issa aufgebaut. «Wieso musst du dir immer selbst die Schuld für alles Schlechte geben? Du hast schon so viel Gutes getan, aber nur für das Schlechte fühlst du dich verantwortlich. Weisst du noch damals, als mein Vater so schwer verletzt worden war, so dass wir nicht wussten, ob wir ihn jemals wieder lebend sehen würden? Du bist, trotz deines eigenen Schmerzes, deiner eigenen Trauer, deiner eignen Angst und Verzweiflung, stark und optimistisch geblieben und hast gesagt, ich zitiere: Weisst du, es ist wie die Sache mit den Blumen. Wenn du auf ein Feld gehst, um eine Blume zu pflücken und eine wunderschöne, blühende Blume und eine, die schon am Verwelken ist siehst, nimmst du die wunderschöne, oder nicht? Und als ich dann zugestimmt hatte, fuhrst du fort: genauso ist es mit den Menschen. Die Gottheiten dort oben nehmen immer die, die so wunderschön im inneren sind. Sie geben ihnen die härtesten Prüfungen. Aber nicht, weil sie sie brechen und zum Verwelken bringen wollen, sondern weil sie sie stärker machen wollen, weil sie wissen, sie werden daran nicht zerbrechen, sondern können damit umgehen, wachsen. Und ich denke, du bist ein guter, wundervoller Mensch.»

Ich hatte schon fast vergessen, dass ich das mal gesagt habe. Aber ob ich wirklich so gut sein kann, wenn ich jemanden den ich liebe opfern kann? Sicher, damals hatte ich recht, denn Rey und seine Familie sind definitiv wunderbare Menschen. So wie Clarissa auch war. «Gerade wenn ich denke, dass ich dich genug aufgemuntert habe, zerstören diene Gedanken meinen ganzen Erfolg wieder. Kannst du die nicht abschalten?» Ach Rey, wenn ich nur wüsste wie. «Nun. Leider bin ich nicht so hochbegabt wie du. Daher kann ich nicht auf Knopfdruck einfach nichts mehr denken.» er schlug mir daraufhin spielerisch auf die Schulter. Jedoch schlich sich wieder ein leichtes Lächeln auf sein und auch mein Gesicht. «Hast du mich gerade auf nette Weise einen Idioten genannt?» «Nein, du hast dich gerade einen Idioten genannt. Ich habe es nur gedacht, aber nicht gesagt.» «Dann hast du mich unterschwellig einen Idioten genannt!» Und trotz dessen, dass sich bei dieser gewohnten, unnötigen Diskussion etwas Glück in mir auszubreiten begann, hatte ich einfach nicht die Kraft, um diese weiterzuführen. Denn im letzten Jahr hatte sich immer eine dritte Partei mit eingemischt. Und es erinnerte mich auch an dieses Loch, welches jetzt für eine Zeit lang da sein wird, wo Clarissa war.

Als ich auf seine Aussage nicht mehr antwortete, seufzte er nur. Wahrscheinlich hatte er akzeptiert, dass ich darauf nicht eingehen werde, egal, wie sehr er es versucht. «Kannst du mir wenigstes verraten, wohin genau wir gehen? Ich bin leider keine wandelnde Landkarte, daher habe ich keine Ahnung, wo wir uns gerade befinden.» «Wir gehen nach Bavenia. Nun, jedenfalls in ein Dorf, welches dort mal existiert hatte.» daraufhin sah er mich erwartungsvoll an. Nun, innerlich war ich leicht belustigt über seine Reaktion, da ich genau wiess, wie neugierig er sein kann. Äusserlich tat ich jedoch so, als wäre das alles, was ich ihm sagen wollte. Was ihn unglaublich nervte. «Komm schon, dein Ernst? Du kannst mir nicht einfach so etwas sagen und erwarten, dass ich keine Fragen stelle. Wie: Warum sollten wir in ein Dorf in Bavenia gehen? Was will Conroy dort?» Einen kleinen Augenblick genoss ich noch, wie verzweifelt nach Antworten er aussah, bevor ich ihn erlöste.

Light in the darkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt