Kapitel 8

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Ich trat zur Höhle hinaus ins Freie. Dort sah ich mich dann um. Wenn ich Conroy finden will, muss ich irgendwo beginnen. Und da Clarissa und Reymond beim letzten Lager, welches wir aufgeschlagen hatten, entführt wurden, musste Conroy aus einer Ähnlichen Richtung kommen, aus welcher ich hochgekommen war. Und mir fällt nur ein Weg ein, auf welchem er hergekommen sein könnte.

westlich von Avosea lag Ditond. Dieses wurde vor ein paar Jahren schon von Conroy eingenommen, da es direkt neben seinem Heimat Königreich Bavenia liegt. Und dort gab es einen geheimen Weg, welcher direkt zu den Klippen führt. So sagen es jedenfalls die Geschichten. Und von hier aus liegt Dravesia im Norden.

Ich drehte mich etwas nach links. Ja, ungefähr in dieser Richtung müsste ich den besagten Weg finden. Also setzte ich mich in Bewegung. Was mache ich eigentlich, wenn ich Issa und Rey bei Conroy finde? Einfach...mitnehmen? Sie werden die beiden sicher irgendwie fesseln oder auf eine andere Art und Weise Gefangenhalten. Dementsprechend muss ich mir also unbemerkt einen Überblick über die Lage verschaffen und mir dann einen Plan zu ihrer Befreiung überlegen.

Ich musterte die Felswand, an welcher ich gerade vorbeilief. Warum musste hier auch alles gleich aussehen? Jetzt, da ich Rypide habe, habe ich kein Leuchten mehr und damit auch keinen Orientierungspunkt mehr. Und...was ist das? Leuchtet dieser Felsen? Ich schloss meine Augen, zählte auf fünf und öffnete sie wieder. Doch dieses sanfte Licht, welches mir aufgefallen war, war weiterhin da. Ich streckte meine Hand nach der Wand aus. Doch als ich sie berühren sollte, versank sie in der Wand. Ungläubig zog ich sie weder zurück, nur um dasselbe nochmals zu machen. Aber es hatte den gleichen Effekt. Ich sah zu den anderen Felsen und Felswänden um mich herum, immer noch eine Hand in der Wand haltend. Doch die anderen Wände sahen ganz normal aus. Nur von dieser schien ein Leuchten auszugehen. Ich wandte mich wieder der Felswand zu. Ich lehnte mich vorsichtig etwas weiter nach vorne. Dabei beobachtete ich, wie auch immer mehr von meinem Arm in der Felswand verschwand. War das etwa...

Ich machte einen Schritt nach vorne, doch entgegen aller Gesetzte der Physik glitt auch mein Fuss durch die Wand. War das ein geheimer, gut versteckter Gang?

Mit neuer Entschlossenheit trat ich weitere zwei Schritte vor. Dabei landete ich in einer Art langem Steingang, welcher von vielen Fackeln, die in gleichmässigen Abständen an den Wänden platziert waren, erleuchtet wurde. Der Gang selbst sah ziemlich alt aus. Wahrscheinlich liegt das aber nur daran, dass überall Staub liegt und sich unzählige Spinnweben an der Decke befinden. Hoffentlich aber keine der achtbeinigen Krabbeltiere. Ich hasse diese Dinger. Und falls ich einer Spinne begegnen sollte, hat es in diesem Gang nicht mal viel Platz zum Ausweichen.

Nun, wenn es mich zu meinen Freunden führt, dann nehme ich sogar dieses Ungeziefer namens Spinnen in Kauf.

Also lief ich den Gang entlang. Hatte das ein Zauberer in der Vergangenheit geschaffen? Denn so wie er durch all dieses Gestein führt, wäre die logischste Schlussfolgerung.

Wie sollte ich Conroy eigentlich entgegentreten? In den ganzen 30 Minuten, während ich den Weg entlanggelaufen bin, habe ich mich das noch nicht gefragt. Dabei besteht sogar die Chance, dass ich Conroy schon hier drinnen begegne. Ich meine, schwinge ich einfach Rypide auf ihn zu und hoffe, dass ich ihn dabei schwer verletze und er meine Freunde tötet? Versuche ich mich an ihn heranzuschleichen und ihn zu töten? Kann ich ihn töten? Ich meine, ich habe schon Blut in meinem Leben gesehen, aber angenommen, ich kann ihn niederringen und am Boden halten, könnte ich ihn töten und ihm beim Sterben zusehen? Klar, ich hasse ihn, aber auch Bösewichte haben ihre Motive und Überzeugungen. Vielleicht ist er nur eine fehlgeleitete Seele, die nie die Unterstützung bekam, die sie brauchte und daher einen falschen Weg eingeschlagen hat?

Und doch sagt mir mein Gefühl, dass es für ihn zu spät ist, ihn zu retten. Er hat schon so vielen Menschen geschadet und noch so viele mehr getötet. Er ist rücksichtslos und grausam. Aber trotz allem noch ein Mensch.

Light in the darkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt