Verschwitzt wachte ich auf. Die Haare klebten mir auf der Stirn und das dünne Lacken hatte sich um meine Beine verheddert. Dieses strampelte ich energisch zur Seite und stand auf. Dabei fuhr ich mir nachdenklich durch die Haare, ehe ich kurzer Hand unter die Dusche stieg. Ich hatte das Wasser relativ kalt gestellt. So, dass ich nun Gänsehaut bekam, als es mir den Rücken hinunter lief. Einige Zeit stand ich einfach nur da. In Gedanken vertieft und kaum mehr anwesend in dieser Welt. Ich lehnte mich gegen die fliesen, die im Vergleich zum Wasser, wiederum warm waren.
"Merkt euch folgende Sätze." Rief der Ausbilder während er an den Reihen
stillstehender Soldaten entlang lief. "Ich dachte er hat eine Waffe. Ich wollte meine Kameraden schützen. Ich fürchtete um mein leben. Diese Sätze werden euch den Arsch retten, solltet ihr dämlichen Arschgeigen jemals vor's Kriegsgericht geschleift werden. Egal ob wegen einem beschissenen Fingerzucken im falschen Moment oder weil ihr einen Schuss verantworten müsst." Ich war unter all diesen Männern nur einer unter vielen. Nur ein weiterer in grün. Ich starrte wie jeder andere hier auch in die Luft. "Blick frei gerade aus" sagten wir dazu. Die Arme eng an den Körper gedrückt, die Handflächen nach innen zeigend. Selbstverständlich war der Rücken immer durch gestreckt und die Schultern zurück gelehnt.
Man erkannte einen Soldaten ganz klassisch an seiner Haltung. Leider hatte das auch den Nebeneffekt, schnell mal als arrogant bezeichnet und abgestempelt zu werden. Tja... Einmal Soldat, immer Soldat. Das hieß dann wohl Semper fi, für den Rest meines eh schon erbärmlichen Lebens.
Ich lief die Straße gerade hinunter, wie gewohnt bog ich nach der 2. Kreuzung auf die 3rd Avenue ab, passierte das Altersheim und eine Reihe von kleineren Läden. Wie immer verschwand ich in einem von ihnen, besorgte Kerzen und lief bis zum Ende der Straße, wo sich ein großes Gelände erstreckte. Eine weiße Mauer umgab das Grundstück, welches ich durch ein großes Tor betrat. Wie jeden Sonntag lief ich strickt auf das Grab von Keith Dylan zu. Wie jeden verdammten Sonntag seit damals zündete ich Kerzen an, saß Stunden lang einfach da und nahm die alten abgebrannten Kerzen dann wieder mit.
"Erinnerst du dich an die Frau und das kleine Mädchen mit der zerrissenen grünen Jacke? Natürlich tust du das, du warst dabei." meinte ich nachdenklich während ich meine Finger knetete. "Ich hab sie erschossen. Wer weiß ob das Kind einen Vater hat. Oder überhaupt noch Familie. Ich erinnere mich wie sie zu ihrer toten Mutter gelaufen ist. Sie geschüttelt hat..." ich wischte mir mit der rechten Hand über die Augen, da sich langsam Tränen bildeten. Ja.. Das waren die Gedanken die mich nachts verfolgten. Nicht die Opferzahl an Schuldigen, als mehr die Menschen die ich unschuldig getötet hatte. Aus Angst. Meine Hände begannen zu zittern und meine Stimme versagte. Der Schmerz schnürte mir die Brust zu. Ich kauerte mich zusammen und legte eine Hand auf den Grabstein. "Ich wünschte ich wäre an deiner Stelle.." flüsterte ich verzweifelt und fuhr mir durch die Haare. Egal wie sehr ich mich bemühte, ich konnte nicht vergessen. Es zerfraß mich von innen. Wie dumm wir früher waren. Mit der Waffe in der Hand fühlten wir uns unbesiegbar. Und dann? Dann starb einer nach dem anderen... Ich kam hier her um Zuflucht zu finden. Ein Ort an dem die lebenden schwiegen und die toten schrien. Die Geister meiner Opfer verfolgten mich unaufhörlich. Und ich war allein. Allein im Gefecht. Allein mit meinen Schatten und Ängsten. Allein an der Front. Wir kämpften zusammen doch starben allein. Und ich starb jeden tag ein bisschen mehr. Tatsache war, das keiner etwas dagegen tun konnte. Keiner konnte die Bilder in meinem Kopf vertreiben, die düsteren Gedanken oder den Schmerz.
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Vorab, ich bin nicht sonderlich zufrieden mit dem Kapitel. Werde es wahrscheinlich auch nochmal über arbeiten. Aber hier die Lieder ;)
Sound the Bugle - Bryan Adams
Hero of war - cover von Rise Against
If I die young - Sam Tsui
Safe and sound - Sam Tsui + Kurt Schneider
Und sämtliche Lieder von Toše Proeski, da ich nunmal Kroatin bin und auch hin und wieder gern Kroatisch höre ;)
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Some last words?
RomanceTiefe Schatten stellten die Augenringe dar, welche Folge von unzähligen schlaflosen Nächten waren. Augen, welche ihr letztes erblickt hatten und lange nicht mehr das Tor zu seiner von Finsternis umhüllten Seele waren, waren verschleiert und kalt. Se...
