The devil inside me is torn

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„Krieg machte mich zu einem Mörder. Ich lasse nicht zu, dass ihnen das selbe passiert.“ Ihr mitleidiger Blick traf mich hart und mein inneres wurde von innen nach außen gekehrt. So offen hatte ich noch nie mit jemandem über meine Ansicht über mich selbst gesprochen. Nicht seit dem ich zurück war. Und ich ging hart mit mir ins Gericht. „Wir alle tragen unsere eigenen Dämonen mit uns herum. Wir selbst sind dafür verantwortlich was geschieht, wenn sie heraus kommen.“ 

Ich machte wenige schritte auf sie zu während ich sprach. Es faszinierte mich, dass sie mich nicht mit dem selben argwönischen und angewiderten Blick betrachtete wie all die anderen, als könnten sie das warme, dickflüssige Blut förmlich noch auf meinen Händen sehen. Als wäre ich eingedeckt in rot und dem Dreck der Wüste. Als würden sie mir in die Augen sehen und sehen was ich getan hatte. Als wäre ich gebrandmarkt. Was ich schließlich und letztendlich auch war. 

Und es war meine eigene Schuld. Unausweichlich. 

Schuld war nichts rationales. Schuld war eine Last, die jeden früher oder später erdrückte. Ob man es verdiente oder nicht. Ich war der Auffassung, dass ich es verdiente. Mehr als irgendjemand sonst. 

Sie musterte mich immer noch und ihre Augen wurden glasig. Ich wusste so gut wie nichts von ihr und doch sagte mir etwas, dass sie meine Lage kannte. Sie verstand. Als wär sie eine von uns. 

Sie war bei einem unserer treffen. Nicht nur als Stütze und seelischer Beistand. Sie musste es selbst miterlebt haben… Ich atmete tief ein. Meine Brust hob und senkte sich unter meiner imaginären last als sie den Abstand zwischen uns überbrückte und mein Dogtag in die Hand nahm. Sie beobachtete mich, vorsichtig. Als wäre ich ein wildes Tier in einem Käfig, fähig sie auseinander zu reißen wenn ich wollte und doch vertraute sie mir genug um meinen Arm zu berühren. Eine kurze flüchtige Geste, die für mich unsagbar lange nachhallte. Wie ein zahmer Wolf stand ich da und sie wie das junge Mädchen, unwissend und naiv. Zu naiv um zu wissen, welche Gefahr von mir aus ging. In diesem Moment verschwand jeglicher Selbsthass.

Ich wollte sie lediglich vor mir beschützen. Wenn ich schon niemanden sonst beschützen konnte, noch nicht mal mich selbst. Ich sah auf sie hinab während sie immer noch meine Hundemarke studierte. obwohl sie sie längst gelesen haben muss, hing ihr Blick fest daran. Und meiner lag auf ihr. 

„So ist es nicht ganz. Jemand sagte mir immer, wenn du Böse sein musst, dann aus einem guten Grund. Sonst wirst du Vergebung niemals verdienen.“ Ihre Augen bewegten sich von meiner Kette zu mir hoch. Nur eine Sekunde lang verstand ich was sie meinte und war dankbar. In der nächsten aber wendete ich meinen Kopf ab.

Das Monster in mir war entzwei und wusste weder nach links noch nach rechts. Es hatte die Orientierung verloren und alles in mir schrie den Moment zu nutzen. Bevor ich wieder der Mörder war. Eiskalt und verklebt mit imaginären Blut, in welches ich mich selbst tränkte. Sie hatte meinem Monster direkt in die Augen gesehen und es hatte zuerst geblinzelt. Erstarrt in diesem Moment spürte ich Ihre Haut wieder auf meiner, ihre Finger verschränkten sich mit meinen. Sie konnte etwas, was schon lange niemand mehr getan hatte, noch nicht einmal Tess… Ich spürte die Wärme ihrer Haut und nahm alles um mich herum noch intensiver war. Deutlich spürte ich das Adrenalin in mir, jedoch anders als bei meinen täglichen Panikattacken. Es war still um uns herum, jedoch hallte in meinen Ohren ein furchtbares Rauschen. 

Ein bestimmtes Bild ging mir immer wieder durch den Kopf; Ihres. Sie wie sie blutete, am Boden lag, verprügelt, geschunden, verletzt. Ihr Körper voll mit einem Kilo Blei oder Stahl. Je nachdem ob ich zuerst mein Messer oder meine Waffe zu greifen bekam. Ich riss mich los, der Moment von gerade war verflogen, die innere Dunkelheit die stets aus mir sprach war zurückgekehrt, kräftiger als je zuvor und sie würde sich nicht noch einmal so schnell ablenken lassen. „Es tut mir leid, ich muss gehen.“ Murmelte ich benommen und kehrte ihr den Rücken zu. Ich verschwand und was ich zurück ließ war eine Frau, wohl die einzige die gewillt war die Waffe zu heben und mein inneres zu töten. Nur um mich zurück zu holen. Nicht mich, den Soldaten der im Krieg verschwand… Der würde nie wieder zurückkehren. Aber Jason, der einst Sohn war. Onkel, Bruder und Freund. Etwas, besser jemand, der ich lange nicht mehr war.

Some last words?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt