Er ging den langen dunklen, spärlich beleuchteten Gang entlang. Am Ende jenes Gangs befanden sich die Zellen. Tief unter dem Schloss, wo niemand etwas hören konnte und niemand fliehen konnte. Für ihre Untaten müssen sie rechtmäßig bestraft werden. Die große schwere Eisentür tat sich vor ihm auf. Mit einem Zeichen öffnete ein Soldat die Tür und ließ ihn eintreten. Die zwei Gefangenen saßen unten auf dem Boden.
"Es ist erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Soldaten euch finden. Aber, ich muss gestehen, um euch geht es mir gar nicht. Ihr seid zwar mit diesem Unmensch verbündet, und somit zum Tode verurteilt; aber vielleicht lasse ich mich überreden, und ihr gebt mir ihn und meinen Sohn. Dann mag euch vielleicht der Tod verschont bleiben."
Justin und Thaddeus blickten sich beide fragend an. Sollen sie einen solchen Deal eingehen? Würde er nicht nur mit ihnen spielen, sie ausfragen und erpressen, um dann alle drei zu hängen? Viele Fragen schwirrten in den Köpfen von Justin und Thaddeus.
"Ihr sagt mir, wo sich dieser Luca aufhält, und wo er meinen Sohn gefangen hält, und ihr seid frei. Nun ja, vielleicht nicht ganz, aber frei vom Tod." Seine Stimme wirkte sanft und vertraulich. Doch Justin lies nicht mit sich spielen.
"Niemals werden wir sagen wo er sich aufhält. Nachher hängen...", doch er wurde von Thaddeus unterbrochen.
"Sie befinden sich im Mittelwald. In der Nähe des Flusses. Von der kleinen Holzbrücke aus, sind es nur wenig Meter bis man an der Hütte ankommt."
"Taddl, wie kannst du?!", rief Justin aus. Er konnte nicht fassen das Thaddeus ihn verrät. "Justin, egal ob wir es ihm sagen oder nicht. Egal ob dieser Mistkerl lügt oder nicht: wir werden gehängt."
"Vielen Dank für die Information. Ich werde über mein Angebot nachdenken. Vielleicht wird auch nur einer gehängt, und einer ganz verschont.", lachte er während er aus dem Kerker ging. Draußen angekommen zeigte er seinen Wachen, dass es losging. Und gemeinsam ritten sie in den Wald zu besagter Hütte.
"Dich werde ich kriegen.", rief der König während er mit seinem Pferd den Hof des Schlosses, Richtung Wald ritt.
~ In der Hütte ~
Wir packten alles, was wir benötigten. Es waren nur weniger Stunden bis es so weit war. Ich stellte mich. Für Max. Auch wenn es meinen Tod bedeutete, so sterbe ich mit reinem Gewissen. Immer weglaufen und sich verstecken; ich war es leid. Und genau jetzt, nachdem ich den Prinzen entführt hatte, würde ich nirgendwo unterkommen.
"Hast du alles eingepackt?", fragte mich Max. Ich schaute mich ein letztes Mal um. Es war wirklich ein Trauermoment für mich. Die Hütte, in der ich Jahre gelebt hatte, jetzt einfach zu verlassen.
"Ja, ich denke ich habe alles. Eigentlich, brauche ich nur mein Schwert. Ich will es deinem Vater als ein Zeichen meiner Niederlage überlassen."
"Luca, du musst das nicht so machen. Wir finden doch sicher noch einen anderen Weg." Max Stimmte drang in meinen Kopf ein. Und ich wusste, dass er Recht hatte. Wir hätten eine andere Idee haben können. Aber keiner von uns hatte eine.
"Nun ist es so. Ich will es endlich schaffen. Meinen Plan durchzuziehen."
Wir brachen auf und gingen am Fluss entlang bis wir an der hinteren Stadtmauer ankamen. Es waren zwei Stunden die wir unterwegs gewesen sind. Es war mittlerweile später am Nachmittag geworden. Die Sonne stand tief und in wenigen Stunden würde es dunkel werden. Wir wollten am Hintereingang der Stadt, welcher direkt am Schloss liegt, ins Schloss eindringen. Aber nicht um jemand zu entführen, sondern um jemanden zurückzubringen. Es tat mir weh im Herzen. Ich würde Max nie wieder sehen. Aber es war für alle das Beste, wenn Max sein Leben und ich mein Leben lebe. Manchmal kreuzen sich Wege, aber man sollte nicht stehen bleiben, denn man weiß nie was auf dem Weg vor einem liegt.
~ An der Hütte ~
Der König kam mit seinen Soldaten an geritten. Sie waren laut. Jeder konnte sie hören. Einige freiwillige Bauern und Stadtbewohner sind mitgekommen. Vor der zerfallenen alten Hütte blieben alle stehen. Der König winkte einigen Soldaten zu. Diese stiegen von ihren Pferden und gingen vor die Tür der Hütte. Mit einem lauten Geschrei stürmten sie in das Haus. Nun stieg auch der König ab, doch noch bevor er ganz da war, um sich alles selbst anzusehen, kam einer der Soldaten raus und berichtete etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte.
"Es ist niemand in dem Haus."
Das konnte nicht sein. Der König lief in das Haus und rannte durch jedes Zimmer.
"Sucht nach verstecken Räumen. Nehmt von mir aus das ganze Haus auseinander.", rief er und lief weiter durch jedes Zimmer. Er suchte alles ab, jede kleinste Ecke, jede Wand prüfte er auf versteckte Türen ab. Nichts war zu finden.
"Sie haben gelogen. Das ist ihr Tod. Sie werden sterben. Noch heute!" Der König sprang zurück auf sein Pferd und ritt den Fluss entlang zum Hintereingang des Schlosses. Er wusste, heute wird jemand sterben.
~ Am Hintereingang ~
"Max, ich weiß es wird schwer sein, aber bitte, lass mich wenn wir rein gehen voran gehen. Ich will nicht, dass dein Vater denkt, ich würde dich vorführen. Lieber laufe ich in sein Messer, als dass ich dich vorschiebe." Seine Worte taten mir weh. Ich wollte, dass er gar nicht stirbt. Auch Justin und Taddl hatten es nicht verdient.
"Ich werde trotzdem versuchen alles für dich zu tun. Luca, ich liebe dich." Meine Worte klangen so seltsam, dass ich mir nicht sicher war, ob ich es wirklich selbst sagte. Er kam auf mich zu und legte seine Arme um meine Hüfte.
"Ich dich auch, Max. Und ich weiß das zu schätzen. Danke." Seine Lippen spitzten sich leicht und er lehnte sich zu mir. Ich schloss meine Augen und lies mich einfach von meinem Herz führen. Plötzlich berührten sich unsere Lippen und es war, als ob ein Feuerwerk explodieren würde. Seine zarten Lippen und seine weiche Haut. Ich würde sie das letzte Mal spüren. Er löste sich von dem Kuss und schaute mir in die Augen.
"Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal in jemand verlieben kann, ohne dass ich gezwungen werde." Ich hätte ihn geheiratet. Sofort, auf der Stelle. Ich weiß das ich Saraphine versprochen war, aber ich könnte sie niemals so lieben, wie ich Luca liebe.
Plötzlich hörte ich Stimmen. Pferdetraben war zu hören und das Klappern von Rüstung wurde immer lauter.
"Was? Max?! Bist du das?", kam eine Stimme aus dem Wald. Ich konnte nicht erkennen wer es war. "Max!!", rief die Stimme, "Soldaten, fasst ihn."
Und dann ging alles rasend schnell. Plötzlich waren wir umzingelt von Soldaten die mit Schwertern auf uns zeigten. Sie waren von der königlichen Garde. Und da zwischen ihnen kam er hervor. Mein Vater.
"Max, ist alles in Ordnung? Keine Sorge, wir haben alles unter Kontrolle. Dieser wird dir kein Haar mehr krümmen."
Er zeigte mit seinem Schwert auf Luca. Dieser bleib ganz still stehen. Einige Soldaten stiegen von ihren Pferden und gingen auf ihn zu. Sie hielten ihn fest und legten ihm Fesseln an. In seinem Gesicht konnte man eine Träne erkennen. Und auch mir kamen die Tränen. Plötzlich griff mich jemand von hinten und zog mich weg. Weg von Luca.
"Luca! Es tut mir Leid.", war das letzte was ich rufen konnte, bevor ich ihn aus den Augen verlor. Ich konnte das Lachen meines Vaters hören, und das Quietschen und klappern der Rüstungen.Plötzlich begann mein Vater ganz laut und fies an zu lachen. "Endlich habe ich dich. Ich lasse nicht mehr mit mir spielen. Das war dein Schicksal mit dem du gespielt hast. Noch heute wirst du gehängt."
Nein. Luca.
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Der Dieb
FanfictionLuca ist ein Dieb. Er hat es aber nicht auf Gold, Edelsteine oder Besitztum abgesehen, sondern auf Leid. Er will den König leiden sehen. Aber nicht aus Habgier oder Macht, sondern weil er ihm und seiner Familie Land genommen hat. Er hat ihre Existen...