Ja, Severus Snape war anders, als all die Leute, die ich bisher in meinem Leben kennengelernt hatte. Er wirkte in gewisser Weise unnahbar, doch er faszinierte mich auf eine Art, wie ich es zuvor nie kennengelernt hatte.
Seine samtige Stimme schien den Saal gänzlich zu erfüllen, wenn er sprach und ich nahm nur ihn wahr. Der Rest der lächerlich perfiden Gesellschaft wurde ausgeblendet und seine Worte erfüllten mich. Sie zeugten von Intellekt und hatten eine solche Tiefe in sich, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn dafür zu bewundern.
„Sie sind Lehrer?", fragte ich bemüht, beiläufig zu klingen, doch es brannte mir auf der Zunge, ihn mit Fragen nach Hogwarts zu durchlöchern.
Vielleicht war Hogwarts doch nicht so schlecht, wie ich dachte. Ich war schließlich nur Durmstrang gewohnt, eine große festliche Burg im Norden, doch von Hogwarts hatte ich nicht den leisesten Schimmer, wie es dort zuging. Ich wusste nur, dass Hogwarts ein Schloss in Schottland war und man in sogenannte Häuser eingeteilt wurde.
Wie diese Auswahl von statten ging hatte ich allerdings nie erfahren. Auch wusste ich, dass man die dunklen Künste dort nicht praktizierte, anders als in Durmstang, wo das Fach Dunkle Künste auf dem Stundenplan jeden Schülers gestanden hatte. Grindelwald selbst war einst auf meine alte Schule gegangen und ich war stolz darauf. Natürlich wusste ich in einem gewissen Rahmen über die Hogwarts-Häuser Bescheid, da mein Vater es nicht lassen konnte mit seinem Haus zu prahlen. Slytherin.
Merlin selbst sollte diesem Haus angehört haben und später auch Voldemort. Natürlich war meine ganze Familie dort gewesen, meine Eltern und Draco eingeschlossen.
Ein guter Grund also, in dieses Haus gewählt zu werden, wie ich fand. Denn die Erziehung hatte auch mich beeinflusst. Ich war mit dem Glauben aufgewachsen, dass Voldemort der mächtigste Zauberer der Welt sei und es nur eine Frage der Zeit war, bis er zurückkehrte. Was ich keineswegs bestritt, denn ich war mir sicher. Dann würde meine Familie wieder aufsteigen und Voldemort würde meinen Vater in seinen vertrautesten Kreis aufnehmen und man würde der Familie Malfoy noch mehr Respekt und Ehrerbietung entgegenbringen, als dieser Tage eh schon.
Severus Snape nahm einen tiefen Schluck aus seinem mit Elfenwein gefüllten Kelch und fasste mich scharf ins Auge.
„Ja, ich bin der Professor für Zaubertränke in Hogwarts, Miss Malfoy", sagte er und musterte mein Profil.
Ich ließ mir nicht anmerken, wie nervös ich war und nickte lediglich. Wir schwiegen und ich war stets darauf bedacht, keine hektischen Bewegungen zu machen, sondern mich elegant und anmutig zu bewegen.
„Tanzen Sie, Professor?", fragte ich nach einer Weile, denn ich war des Schweigens leid und versuchte ihn aus der Reserve zu locken.
Doch ich war vernünftig genug einzusehen, dass ein Mann von knapp fünfunddreißig Jahren die Zeit der überschwänglichen Gefühle und ausschweifenden Amüsements wohl bereits hinter sich gelassen hatte.
„Oh nein, ich tanze nicht", sagte er und der Blick seiner obsidianschwarzen Augen durchbohrte mich aufs Neue.
Er nahm einen weiteren Schluck Wein und widmete sich schließlich der neusten Ausgabe des Abendpropheten, die mein Vater auf dem Beistelltisch neben seinem Sessel hatte liegen gelassen.
Enttäuscht wandte ich mich von dem Professor ab und ließ den Blick durch die Schar tanzender und in Konversationen vertiefter Leute gleiten. Meine Augen wurden schmal, als ich Draco auf mich zuschreiten sah. Was hatte er hier verloren?
„Guten Abend, Professor", grüßte er Snape und prostete ihm zu.
Wie vertraut waren die beiden denn? In mir flammte wieder einmal die Eifersucht auf, denn mein Bruder, der nun mal ein Junge war, stand stets an erster Stelle und ich drückte mich im Schatten seiner Persönlichkeit herum.
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Isabella Malfoy
FanfictionIsabella Malfoy ist eine Schande für ihre hochangesehene Familie, als sie aus Durmstrang verwiesen wird und nach Hogwarts wechseln muss. In den Augen ihres Vaters, der sie Augenblicke zuvor noch auf Händen trägt, hat sie versagt. Mit unerbitterliche...
