Aufräumen

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Es hatte gefühlt Stunden gedauert, aus der Menschenmasse herauszukommen. Die Polizisten des BPD hatten zwar doch erstaunlich wenige Fragen gestellt, aber als es wieder sicher zur sein schien waren von allen Seiten Zivilisten herangeströmt; die meisten von ihnen aus den umliegenden Büros und Wohnhäusern. Wie zu erwarten war hatten auch die Medien schnell Wind von der Sache bekommen und waren mit Kameras und Mikrofonen hergeeilt. Jetzt, mehr als zuvor, hatten die Polizisten alle Hände voll damit zu tun die Reporter und Journalisten vom Schauplatz fern zu halten, aber sie strömten aus allen Richtungen heran und schienen sich stetig exponentiell zu vermehren.
Ein Monster in der Innenstadt von Boston lockte nun einmal alles an, sei es ein Hobbyfotograf, ein Nachrichtensprecher oder ein Verschwörungstheoretiker.
Zumindest konnten die Polizisten all den Neugierigen und Schaulustigen mitteilen, dass die Zahl der Verletzten – ganz im Gegensatz zum Sachschaden – erstaunlich gering war und es im Moment auch so aussehe, als wäre niemand in Lebensgefahr. Das war schon sehr viel Wert, ein sehr glücklicher Zufall. Blieb nur zu hoffen, dass die Reparatur der Gebäude, Straßen, Leitungen und sonstigen Schäden in einem bezahlbaren Rahmen blieb. Doch das war Sache der Stadtverwaltung, sobald das tote Biest entfernt und ein Gutachten über den Schaden erstellt worden war

„Das war ja ein Abenteuer", meinte Frost und nippte an seinem Kaffee.
„Und das auch nocch so früh morgens", Jane gähnte.
„Geht's dir eigentlich schon besser?", fragte Piers an Korsak gewandt, der mit ihnen gekommen war.
„Wollte ich dich gerade auch fragen", sagte der Älteste.
Zu fünft hatten sie sich nach dem Ansturm der Presse in ein Café ein paar Straßen weiter gesetzt. Jetzt war so langsam die Zeit zu der die meisten üblicherweise zur Arbeit gingen – also der perfekte Zeitpunkt für den zweiten Kaffee. Vor allem, wenn man die Nacht zuvor durchgearbeitet hatte.
Auch wenn alle ziemlich müde waren musste eine kurze Lagebesprechung sein. Die Ergebnisse der vergangenen Tage wurden noch einmal zusammengefasst und die letzten nötigen Schritte besprochen:
Alles hatte angefangen mit einem vermeintlichen Toten im Theater, der allerdings Dank eines bestimmten Virus noch herumlief und zum Glück für die anderen von Piers erschossen wurde, bevor er weiteren Schaden anrichten konnte. Auf dem Weg zur Lösung des Falls hatten die Ermittlungen sie schließlich auf den Schwarzmarkt geführt, auf dem trotz Kontrollen und Überwachung auch mit biologischen Waffen gehandelt wurde. Als wenn das noch nicht genug war waren die Vertreiber der biologischen Waffen nicht nur einfach Händler gewesen, sondern hatten sich anscheinend gegen etwas oder jemanden verschworen. Derjenige, den sie schließlich im Verhörraum hatten hatte ihnen eine Predigt aus fehlgeleitetem Idealismus und Gehirnwäsche gehalten, bevor er seinen großen Plan selbst ausgeführt hatte. Eine vermutlich weiterentwickelte Variante des Virus hatte aus ihm eine B.O.W – eine bioorganische Waffe – gemacht und er hatte daraufhin als übergroßes Monster Gebäude und Straße verwüstet, bis die Ermittler ihm den Garaus gemacht hatten.
Danach gab es einen Aufmarsch der Reporter und die heiß ersehnte und wohl verdiente Kaffeepause, die nur leider nicht mehr im Division One Café stattfinden konnte.
Was nun noch zu tun war, was das Beseitigen der Überreste durch einen Aufräumtrupp der BSAA, die Reparatur der Schäden durch die Stadt und – am allerwichtigsten – man musste die Reporter loswerden und dafür sorgen, dass die Medien die Story nicht zu weit pushten und alle Menschen damit verrückt machten.
Die Nachricht, die rausgehen sollte, war „Alles ist wieder sicher. Die Gefahr ist gebannt und niemand ist gestorben." Es war die Aufgabe der Polizisten dafür zu sorgen, dass diese Nachricht gesendet wurde und keine Fehlinformationen sich verbreiten konnten.
Piers hatte auf dem Weg zum Café schon versucht das HQ über Handy zu erreichen, aber so früh saß noch keiner in der Verwaltung und da man davon ausgehen konnte, dass die Polizisten auch ein Auge auf die tote B.O.W hatten, hatte er nicht das Bedürfnis seine Kollegen aus dem Bereitschaftsdienst wachzuklingeln.

Nun sah man sich an. Die Blicke wanderten forschend hin und her, versuchten herauszufinden ob noch jemand etwas loswerden wollte.
Da dem nicht so schien ging Frost rüber zum Tresen um zu bezahlen. Jane schaute ihm nach und als es doch zu still wurde fragte Maura noch etwas: „Also ist die Sache jetzt für uns erledigt?"
„Für euch, ja. Ich denke schon", meinte Piers.
Er schaute auf sein Handy.
„Ich sorge dafür, dass der Rest von dem Biest fachgerecht entsorgt wird. Und jetzt müsste ich auch langsam jemanden erreichen."
„Gut, also dann...", begann Jane und ließ es erwartungsvoll ausklingen.
Piers grinste: „Ich bin ja schon weg."
Zum Telefonieren ging er hinaus, die wenig befahrene Straße war ruhiger.
Die Ermittler blieben noch ein wenig sitzen. Maura schaute hinaus aus dem Fenster, durch das inzwischen die Morgensonne fiel und dachte noch einmal zurück. Der Notfall im Labor war ihr besonders im Gedächtnis geblieben; als ein Moment der Angst.
Auch Jane dachte zurück. In einem Augenblick war in ihr ebenfalls Panik aufgestiegen. Es war der Angriff des ersten Untoten gewesen. Der hätte sie beinahe erwischt...
Nach Frosts Meinung war die Bestie am erschreckendsten gewesen und er fand es wurde auch dringend Zeit mal darüber zu reden. Nicht, dass nachher jemand an PTBS litt. Sie hatten zwar alle schon so einiges erlebt, aber das hier war doch mehr als ein spezialgelagerter Sonderfall gewesen.
Dass Frost bezahlt hatte hieß zum Glück nicht gleich, dass sie das Café jetzt verließen. Sie wollten auf Piers und das Ergebnis seines Anrufes warten, also machte Frost direkt seinen Vorschlag und begann die Unterhaltung über die teils wirklich schockierenden Ereignisse der letzten Tage. Nur Korsak hielt sich dabei etwas zurück und schaute hin und wieder geistesabwesend auf seine leere Tasse.
Vielleicht hatte ihn dieser fall am meisten mitgenommen, vielleicht war er aber auch einfach nur müde, das konnte man so genau nicht sagen.
Offen über die Sache zu sprechen tat den Ermittlern jedoch gut. Und wenn sie es schon nicht aller Welt erzählen durften taten sie es wenigstens unter sich.

Piers kam wieder zu den anderen ins Café. Das Handy verschwand gerade in seiner Hosentasche, als sie zu ihm herüberschauten.
„Und?"
„Das Echo-Team ist in zwei Stunden hier. Dann ist auch mein Job erledigt, wie es aussieht."
„Dann lasst uns zurück gehen", schlug Maura vor.
Wo sie jetzt untätig herumsaßen macht eigentlich keinen Unterschied, aber Maura wollte sich unbedingt noch das tote Biest genauer anschauen.
Auch wenn sie darüber nichts veröffentlichen durfte war sie doch unheimlich neugierig und wollte sich diese einzigartige Chance nicht entgehen lassen. Ein Virus, dass so etwas Drastisches auslösen konnte war die Forschung allemal wert und die Chancen standen gering, dass so etwas noch einmal geschah. Natürlich war so ein Angriff nicht wünschenswert und trotzdem gab es kaum etwas Spannenderes für Forscher und dergleichen. Maura befürchtete nur, dass niemand ihr erlauben würde eine Probe zu entnehmen...
Sollte sie es heimlich tun? Und konnte sie das überhaupt mit ihrem Gewissen vereinbaren? Denn eigentlich war sie ja äußerst rechtschaffen und selbst von der kleinsten Notlüge bekam sie Ausschlag. Dabei wollte sie sich das Gewebe und Blut der großen Kreatur unbedingt genauer ansehen.
Jane sah es in ihren Augen und konnte förmlich die Gedanken ihrer Freundin lesen, als ich Blick zu dem toten Körper huschte. Sie gingen nur leider direkt daran vorbei und weiter zu einer Bank vor dem Revier. Allerdings gingen sie so dich vorbei, dass man es hätte anfassen können...


Der Lärm erstarb, als der Helikopter landete, ebenso wieder der Wind. Die Rotoren hörten auf sich zu drehen und nacheinander stiegen einige Mitglieder der BSAA aus und liefen ein Stück auf ihren Kollegen zu, der schon auf sie gewartet hatte.
Piers stand mitten auf der noch gesperrten Straße vor dem BPD und wartete darauf, dass die anderen zu ihm kamen. Die Polizisten und Ermittler waren auf Abstand geblieben und konnten nun aus der ersten Reihe beobachten, wie das Team aus Soldaten, Forschern und anderen Sicherheitsbeamen der BSAA die Überreste der B.O.W zu beseitigen.
In zweiter Reihe standen nach wie vor Reporter, Journalisten, Fotografen und Kammermänner, die zu allen großen und kleinen Sendern und Zeitungen der Umgebung gehörten. Hinter ihnen die Schaulustigen und Neugierigen, die sich noch nicht hatten vertreiben lassen.
Nachdem Piers seinen Kollegen berichtet hatte, was es zu berichten gab und bei dem Gröbsten mitgeholfen hatte ging er noch einmal auf das Gebäude des BPD zu. Dort saßen noch immer Korsak und Jane. Frost hatte das vorherige Warten langweilig genug gefunden, um nach oben ins Gebäude zu gehen und aufzuräumen. Maura war ins Labor gegangen um zu schauen, wie die Lage dort aussah und ob etwas beschädigt worden war.
Jane und Korsak hoben mit fragendem Blick die Köpfe.
„Hey. Die Sache ist so gut wie abgeschlossen, es läuft nach Plan. Aber ich muss darauf hinweisen, dass mein Gewehr immer noch unten am Schießstand eingesperrt ist und ich es nur äußerst ungern hierlassen würde", meinte Piers mit einem entspannten Lächeln im Gesicht.
Korsak, der einen der Schlüssel zum Schießstand besaß, erhob sich on den Stufen vor dem Eingang: „Heißt das, du verlässt uns?"
„Ja, aber das liegt nicht daran, dass ich mich vor Aufräumen drücken will. Ich habe vorhin einen neuen Befehl vom Hauptquartier bekommen. Aber ich muss noch sagen, dass ich gern mit euch gearbeitet habe."
„Danke für deine Hilfe", sagte Korsak, als sie nach unten gingen, „Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder. Unter anderen Umständen."
„Das will ich doch hoffen", sagte Piers und grinste.
Jetzt schaute er genauso drein, wie an dem Tag, an dem er zum ersten Mal in das Büro der Mordkommission gekommen war.
Jane, die mit den beiden gegangen war, lächelte nun auch: „Ich wünsch dir alles Gute für den nächsten Einsatz."
„Danke, ich euch auch", der Scharfschütze lächelte wieder sanft.
Von Jane musste er sich jetzt schon verabschieden, denn während er mit Korsak zum Schießstand ging, bog Jane ab zum Labor der Kriminaltechnik.

„Hey, Maura! Ich habe noch etwas für dich", grinsend zog sie einen kleinen Beweismittelbeutel aus ihrer Jackentasche.
Der Inhalt schimmerte rötlich.




So, damit ist diese Crossover durch! ^^ Ich hoffe es war nicht zu absurd und hat euch gefallen!

Ich möchte alle, die bis hier hin gelesen haben, bitten "Boop Boop" in die Kommentare zu schreiben! :]


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