Der Streit

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Freitag - 29.09.2017

Am Ende des Unterrichtstages rief mich dann Mrs. Sharp doch noch zu sich und alle anderen durften schon gehen, nur ich musste warten.

„Riley." sprach sie mich dann an und ich trat sofort einen Schritt auf sie zu.

„Ich weiß was sie getan haben." Unterbrach ich meine Klassenlehrerin. „Das Jugendamt war gestern bei mir und Henry hat mir gesagt das sie ihn gebeten haben, dass er mich ansprechen soll." Knurrte ich leise.

„Riley, ich habe es dem Jugendamt nicht gesagt um dir zu schaden, aber die letzten Wochen." Versuchte sie es mir zu erklären. „Seit den Sommerferien merke ich sehr stark dass etwas nicht stimmt. Ich musste es dem Jugendamt melden, weil deine Mutter, sie interessiert es nicht wirklich."

Kurz war ich von den Worten der Älteren wirklich verwundert. „Sie haben mit meiner Mutter gesprochen?" fragte ich wahrlich überrascht.

„Sicher, warum sollte ich mich nicht zuerst mit ihr unterhalten?"

„Nur hatte das Gespräch mit ihr nicht den gewünschten Effekt?" fragte ich knurrend mit einem leicht bitteren Unterton in der Stimme. Es schmerzte zu hören, dass sie zuerst mit meiner Mutter gesprochen hatte, denn ich wusste sehr gut, dass sie nichts getan hatte, gar nichts. Mum hatte nicht einmal mit mir gesprochen. „Was haben sie ihr denn gesagt? Das ich rauche? Das ich nicht mehr zur Schule komme? Was für ein ungezogener Junge ich doch bin?" meine Stimme triefte geradezu vor Bitterkeit, wo meine Haltung meiner Lehrerin gegenüber jedoch noch immer feindlich war. Ich hatte die Hände zu Fäusten geballt, blickte sie mit einem finsteren Blick an.

„Riley, was spielt es für eine Rolle was meine Worte waren? Ich habe ihr nicht verraten dass du rauchst, wenn sie es selbst nicht herausfindet, ist sie selbst Schuld. Aber deine Veränderung. Sicherlich warst du niemals so wie die anderen Jungs, aber du hast gekämpft, die letzten Monate vor den Ferien waren schon hart, aber nach dem Sommer. Was willst du aus dir machen, wenn du nicht einmal mehr zur Schule kommst?" fragte sie mich dann direkt.

„Es geht sie einen feuchten Dreck an was ich mit meinem Leben vorhabe, oder nicht! Was verstehen sie schon davon und was soll mir das Ganze bringen? Nichts, gar nichts, warum sollte ich mich in der Schule anstrengen, wenn eh alle am Ende denken das ich es zu nichts bringe! Mischen sie sich also nicht in meine Angelegenheiten ein! Wenn ich mein verfluchtes Leben hasse, dann ist es meine Entscheidung!" schnauzte ich dann einfach Mrs. Sharp an und in ihrem Blick konnte ich deutlich sehen das sie überrascht und zu gleich auch schockiert war. Dass ich ihr so etwas verbal an den Kopf werfen könnte, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie brachte nicht einmal ein Wort heraus und ich wandte mein Gesicht von ihr ab. Was hatte Mutter mir vorgeworfen, ich würde meinem Vater immer ähnlicher werden? Dies war genau wieder ein solcher Moment, ich konnte mich nicht beherrschen und sprach das aus was ich gerade dachte. Innerlich wusste ich, dass meine Klassenlehrerin mir nur helfen wollte, sie war vielleicht der einzige Mensch dem es auffiel, wie tief ich schon gefallen war. Aber was war die Option? Ihr zu erzählen wie ich mich fühlte? Wie sehr mich die Worte meiner eigenen Mutter verletzt hatten und das ich unfähig war einfach weiter zu kämpfen. Dass ich wirklich aufgegeben hatte, dass ich alles nur noch so hinnahm wie es war? Ich unterdrückte meine Gefühle, vergrub meine Sehnsüchte ganz tief in mir und würde sie niemanden jemals erfahren lassen. So etwas konnte nicht gesund sein, aber wer war ich schon? Riley Montgomery der Sohn von Hannah Montgomery – die auch niemals etwas zustande bekommen hatte – ich konnte alles genau so gut im Alkohol ertränken wie sie und genau das würde ich tun. Wünsche und Sehnsüchte waren für Menschen die es sich erlauben konnten, ich zählte aber nicht zu diesen.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, steuerte ich die Tür an. Hinter mir hörte ich die Blonde meinen Namen rufen, aber ich blieb nicht stehen, ich wusste dass sie weiter reden wollte. Dass sie mir im Grunde nur helfen wollte, aber solange ich keine Hilfe wollte, würde Mrs. Sharp mir auch nicht helfen können. Laut schlug ich die Tür hinter mir zu und dann sah ich in das Gesicht von Henry. Er wollte sich mit mir nach der Schule treffen und hatte wirklich gewartet.

Riley - im dunklen Zwielicht #IceSplinters18Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt