Lucifer reagierteals Erster. Aus dem Augenwinkel konnte Theliel beobachten, wieBewegung in den Dämon kam. Mit gezogenen Schwertern stürzte er sichauf die Vanth, die keinen Zentimeter von der Stelle wich. Stattdessenschnellte Lilith vor, um seinen Schlag mit ihrem nackten Armabzufangen. Die Klinge machte kein Geräusch, als sie in zwei Teilebrach.
Im nächsten Momentspürte Theliel den Luftzug, als Pachriel sich mit einem Kampfschreizwischen ihn und Lilith stellte, die sich züngelnd zu dem kleinenEngel umwandte. Ein brennendes Gefühl breitete sich in seinerMagengegend aus.
Wie unberührt vondem Spektakel um sie herum schritt die Vanth an den Kämpfendenvorbei. Pachriels aufgeregte Flügelschläge, mit denen sie sichgegenüber der Dämonenmutter aufplusterte, ließen ihre blondenLocken flattern. Ihr Blick war ins Leere gerichtet, als sie vor demGrabstein in die Hocke ging, eine Hand auf den Stein legte und dieAugen schloss.
Das brennende Gefühlwurde unerträglich. Ohne es zu merken, schrie Theliel auf, pressteeine Hand auf seinen Bauch und wollte die Vanth aufhalten. Imnächsten Moment verschwamm sein Sichtfeld in wabernder Hitze undlodernden Flammen.
Das Himmlische Feuerwuchs einfach aus den kleinen Kinderhänden der Vanth heraus wie einePflanze. In langen, brennenden Ranken wand es sich an den magerenArmen hinauf, bis es ihre Schultern erreichte. Innerhalb von Sekundenstanden ihre grauen Flügel in Flammen, ohne jedoch Schadenanzurichten.
Sowohl Lucifer, alsauch Lilith hielten inne, um diesen Anblick zu bewundern. Eingehülltin Flammen wirkte die Vanth größer, als sie eigentlich war. Selbstihre Augen schienen zu brennen, während der Rest ihres Körpers sichzunehmend in Flammen hüllte. Die Vanth sonderte eine unangenehmeHitze, die grade an der Grenze zum Schmerzhaften lag, ab, doch dieBlumen und Gräser um sie herum wurden nicht von den Flammenversengt.
„Theliel!", rissPachriel den eingeschüchterten Engel aus seiner erstarrtenEhrfurcht. „Du musst ihr das Himmlische Feuer abjagen, bevor sie eseinsetzen kann!"
Ihr Befehlstonschnitt ihm ins Fleisch. Blinzelnd rief er sich seine Aufgabe vorAugen. Im Gegensatz zu den übrigen Anwesenden erschien ihm dasHimmlische Feuer weniger bedrohlich, sondern vielmehr wie ein scheuesTier, dessen Vertrauen es zu erschleichen galt.
Zischend undzüngelnd baute sich Lilith neben ihm auf. Sie schob Pachriel miteiner Hand zur Seite, als wäre sie aus Rauch, der sie zwar umhüllen,aber nicht berühren konnte. Ihr in einem Widerhaken mündenderSchweif tanzte wie eine Schlange hinter ihrem Rücken.
„Vanth, meinLiebes", schnurrte sie mit einem Lispeln. „Das Himmlische Feuerhat dich als seine Meisterin akzeptiert; lass es jetzt auf den Himmello-"
Lucifer warschneller. Er stieß seine Schwertklinge von hinten in LilithsKörper, sodass sie mit kurzem Widerstand in ihrem Fleisch versank.Auf der anderen Seite kam die Spitze der Klinge kurz unterhalb desBrustkorbs wieder aus der Dämonenmutter heraus. Fassungslos starrtensowohl Theliel als auch die Vanth auf die durchbohrte Dämonin, dieeinen zischenden Schlangenlaut von sich gab, bevor sie sichherumdrehte und den Höllenkönig mit rot glühenden Augen musterte.
„Du bist festentschlossen, für diesen alten Trottel zu kämpfen", stellte siein höhnischem Tonfall fest.
Theliel schluckteschwer, ballte die Hände zu Fäusten und trat auf die desorientierteVanth zu. Die geflügelte Dämonin wich vor ihm zurück und hob dieArme schützend vor ihr Gesicht, als wollte sie sich gegen einenbevorstehenden Schlag wappnen.
Das brennende Gefühlin Theliels Magen breitete sich mit jedem Schritt, den er auf dasHimmlische Feuer zu machte, weiter in seinem Körper aus, bis er vonden Zehenspitzen bis zum Haaransatz mit Hitze durchflutet war.
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LUCIFER - Morningstar
Fantasy[ABGESCHLOSSEN] Die Hölle hat den Krieg gegen den Himmel verloren. Lucifer ist in die Gefangenschaft Gottes geraten, als eine unerwartete Verbündete aus längst vergangen Zeiten sich erhebt und die Erfüllung ihres Paktes fordert. Während Theliel vers...
