Der Auftakt zum Finale.... Charakterentwicklung voraus!
Als Theliel sichMichaels Grab näherte, verspürte er ein aufgeregtes Kribbeln in derMagengegend. Es war, als würde das unter dem Grab verborgeneHimmlische Feuer ihn rufen. Über seinen donnernden Herzschlag hinwegglaubte er, ein Flüstern wahrzunehmen, doch sobald Theliel die Luftanhielt, um zu lauschen, war es verschwunden.
Hier zu stehen undden weißen Marmorgrabstein zu betrachten, hatte etwas Endgültiges.Theliel fragte sich, ob er Michael gemocht hätte, wenn sie jemalsdie Chance erhalten hätten, einander kennenzulernen. Jeder, der mitMichael vertraut gewesen war, schien in Theliel Ähnliches zu sehen.Die Last dieses Erbes erdrückte den jungen Engel.
Einerseits warMichael ein Held gewesen; obwohl er Lucifer geliebt hatte, war ihmdie Treue zum Himmel wichtiger gewesen. Sein Verrat hätte durchausLucifers Todesurteil bedeuten können. Theliel konnte sichvorstellen, dass diese Entscheidung Michael nicht leicht gefallensein konnte.
Andererseits warMichael genau wie Lucifer selbst ein gebrochener Mann gewesen, derhatte leiden müssen, dennoch immer wieder gezwungen worden war,gegen den Mann zu kämpfen, den er liebte. Der Schmerz mussteüberwältigend gewesen sein, wenn Michael keinen anderen Ausweg alsden Tod gesehen hatte.
Theliel schluckte.Selbst in der kurzen Zeit, in der er Lucifer hatte kennenlernendürfen, war ihm der Höllenkönig sehr ans Herz gewachsen. Gegen ihnzu kämpfen oder ihm nach allem, was Theliel über ihn wusste,absichtlich noch mehr Schmerzen zuzufügen, erschien ihm schon alsGedanke unerträglich.
So sehr war Thelielin seinen Gedanken versunken gewesen, dass er nicht hörte, wiePachriel sich näherte, bis sie in ihrer strahlenden Rüstung direktvor ihm stand. Das Visier ihres Helmes stand offen, doch ihreGesichtsausdruck war nicht länger so unbekümmert wie üblich.Angesichts des bevorstehenden Kampfes gegen Lilith schien selbst ihrOptimismus einen Dämpfer erfahren zu haben.
„Der Herr hat michangewiesen, dir zur Seite zu stehen", erklärte sie leise. „Ichweiß nicht, was Er von dir erwartet, aber ich wünschte, Er würdees nicht tun."
„Es ist nichts,was ich nicht selbst wollen würde", murmelte Theliel, obwohl esnur die halbe Wahrheit war. „Bitte geh wieder. Ich möchte nicht,dass du verletzt wirst oder..." Oder Schlimmeres, aber das konnteer nicht aussprechen.
Pachriel plustertesich empört vor ihm auf und spreizte die Flügel so weit, dass siedoppelt so groß erschien.
„Ich bin hier dieElitesoldatin mit jahrzehntelanger Ausbildung!", beschwerte siesich. „Ich werde dafür sorgen, dass du heute Abend heil nach Hausegehst, nicht umgekehrt!"
Bei diesen Wortenmusste Theliel lächeln. Er ergriff Pachriels behandschuhte Hand unddrückte sie, doch das kühle Metall spendete ihm keinen Trost.Natürlich hatte sie Recht; er selbst konnte kaum ein Schwertschwingen, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten, während Pachrieles vermutlich sogar mit Lucifer aufnehmen könnte.
„Ich habe Angst,dass sich alle irren", sagte er mit gesenktem Blick. „Dass ichdas Himmlische Feuer vielleicht doch nicht kontrollieren kann und esLilith in die Hände fällt. Dann wäre es meine Schuld, wenn derHimmel Schaden nimmt."
„Es ist nichtdeine Schuld", entgegnete Pachriel bestimmt. „Ich weiß nicht,was der Herr sich dabei denkt, dich in einen Kampf gegen eine Dämoninziehen zu lassen. Du trägst nicht die Schuld daran, dass es hierzugekommen ist."
„Doch, das tueich. Ich habe mich in dem Moment hierzu verpflichtet, in dem ich indie Hölle gestiegen bin, um diese Tür zu öffnen. Der Herr hat mirdoch noch angeboten, mich da heraus zu halten, aber..." Er seufzte.
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LUCIFER - Morningstar
Fantasía[ABGESCHLOSSEN] Die Hölle hat den Krieg gegen den Himmel verloren. Lucifer ist in die Gefangenschaft Gottes geraten, als eine unerwartete Verbündete aus längst vergangen Zeiten sich erhebt und die Erfüllung ihres Paktes fordert. Während Theliel vers...
