Es ist schon lange dunkel draußen, doch ich sitze immer noch hier. Mit einem Rotweinglas in der Hand und schaue ins schwarze Nichts.
Die Einsamkeit umschließt mich wie einen Mantel, doch es ist keiner der wärmt. Es ist kalt.
Ich kann es nicht erklären, wieso ich das ganze tue. Ich kann nicht mal erklären, was ich tue, denn ich weiß es selber nicht.
Der Zeiger schiebt sich langsam auf die zwei zu und doch bleibe ich regungslos.
Wieso sitze ich immer noch hier, warte ich und wenn ja, auf was?
Ich habe es vergessen.
Mein Blick fällt auf einen Muffin mit einer Kerze, die schon komplett runtergebrannt ist. Nur noch der Wachs klebt am Muffin, ist an ihm runtergelaufen und hat einen kleinen Ring am Boden gebildet.
Er sieht traurig und verlassen aus, dieser kleine Muffin auf dem Tisch.
Jetzt fällt es mir wieder ein. Ich habe ihn am Nachmittag geschenkt bekommen. Natürlich habe ich mich bedankt und nett gelächelt. Ich glaube, ich hab mich wirklich gefreut, doch nun steht er da. Nur die Kerze habe ich angezündet, doch das war vor Stunden.
Ich weiß auch wieder, warum ich hier sitze. Ich warte.
Wie so oft in letzter Zeit.
Ich sitze Stundenlang herum und warte, tue nichts.
Doch wieso tue ich das?
Beim warten vergesse ich die Zeit, schweife komplett ab.
Vergesse wo ich bin.
Vergesse wer ich bin.
Vergesse was ich will.
Denke nicht nach, bin einfach.
Es wird langsam hell.
Ich kann eine helle Linie am Horizont sehen. Noch ist alles Blau, doch bald werden sich die anderen Farben dazu mischen.
Nach und Nach, Farbe für Farbe, ganz langsam.
Ich schaue immer noch gebannt auf den Horizont, als sich dein Bild in meinen Kopf schiebt.
Fast hätte ich es nicht mitbekommen, doch da ist es, dieses Bild.
Vor meinem inneren Auge, sehe ich dich. Du schaust mich nicht an, du bist zu beschäftigt mit etwas anderem. Wie so oft. Ich kann nicht sehen was dich ablenkt, aber du lächelst.
Und da überkommt mich eine Erinnerung, etwas was ich lange verdrängt habe. Ich wollte mich nicht wieder daran erinnern.
Der Grund für mein warten.
Der Grund für diese seltsame Unruhe und Lustlosigkeit, die ich schon den ganzen Tag über verspüre.
Der Grund, weshalb ich meinen Geburtstag nicht mehr mag.
Der Grund bist du.
Wie konntest du mir das antun?
Du hast mich verletzt, wie niemand anders und das an meinem Geburtstag!
Aber ich hasse dich nicht dafür.
Ich kann es nicht, egal wie sehr ich es will und glaub mir, ich hab es versucht.
Ich war am Boden zerstört.
Hättest du dir nicht einen anderen Tag raus suchen können, wieso mein Geburtstag?
Es sollte ein schöner Tag werden, es war schon alles Vorbereitet. Es fing alles so gut an.
Es tat so verdammt weh.
Und wieso sie?
Es hätte jeder sein können, wieso sie? Wolltest du, dass es noch mehr schmerzt? Ich versteh es nicht, bitte erklär es mir.
Reicht es dir nicht, was du getan hast? Musste es auch noch sie sein, damit auch ja mehr als nur eine Beziehung kaputt geht.
Mittlerweile laufen mir leise Tränen übers Gesicht.
Dennoch ist es egal.
Auch wenn ich jetzt wieder alles weiß, sitze ich hier und warte.
Warte bis in die Morgenstunden und noch länger.
Warten bis in die Unendlichkeit.
Und mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen flüstere ich ein:
"Happy Birthday "
in die Dunkelheit, welches kaum zu hören ist.
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Little Beauty
Short StoryMomente. Klein, fein und so bedeutungsvoll. ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤ In diesem Buch sind die kurzen Moment aus dem Leben verschiedener Personen dargestellt. Dabei geht es mir darum, die Gefühlswelt des Charakters darzustellen. Alter, Geschle...
