Kapitel 6: Noch mehr Regen

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"Manu! Hallo! Manu!" Beide seiner Freunde fuchtelten vor dem Gesicht des Angesprochen herum. Dennoch ließ er sich nur widerwillig aus seiner Gedankenwelt zurück auf die Hofpause holen. Er hatte die ganze Zeit einfach in irgendeine Richtung gestarrt, während die drei bei ihrem Stammplatz unter einer alten Kiefer standen. An den Meisten Ställen hingen die Äste mit den Nadeln so tief, das man kaum erkennen konnte wer unter dem Baum stand. Von der Hofseite sah man lediglich die Füße und die Beine. Von der Anderen Seite war gleich das große Gebäude. So standen sie eigentlich perfekt. So Ungestört.

"Mhh?" Verträumt hatte er seinen Blick endlich auf die Jungs vor ihm gerichtet. Dabei hatte er sich doch gerade wieder in der Zeit von heute Morgen, auf dem Motorrad, befunden.

Es war irgendwie angenehm gewesen so nah an dem größeren zu sein. Er kannte ihn nicht, aber mochte ihn trotz allem schon. Bei ihm, einem fast komplett fremden, schien ihm irgendwie ziemlich viel egal. Er hatte zugelassen das der Ältere ihm ziemlich nahe kam, seine Gedanken sich um ihn kreisten und er ist sogar auf ein Motorrad gestiegen.

"An was denkst du? Die ganzen letzten Zehn Minuten hast du einfach in die Gegend gestarrt." Wenn er sich nicht irrte klang der Blondschopf fast schon ein bisschen besorgt. Dabei gab es ja kaum einen Grund dazu. Obwohl wenn die beiden wüssten das Patrick bei ihm war und er ihn heute sogar zur schule mitgebracht hatte, da würden die beiden wahrscheinlich wieder durchdrehen. Sie wirken ja schon komisch wenn sie nur seinen Namen hörten. Den Grund wusste Manu immernoch nicht, irgendwie würde er dies aber schon noch rausbekommen. Er wollte wissen was seine Freunde und auch seinen Bruder so sehr an dem Älteren störte.

"An nichts." Er wollte nicht darüber reden, irgendwie hielt er es für eine bessere Idee das Thema unter Verschwiegenheit zu halten.

Seine Freunde nickten nur, sie wussten genau, daß wenn Manu nicht reden wollte, er es ganz einfach nicht tat. Man konnte ihn noch nie zwingen seine Gedanken frei in der Welt umher zu werfen. Neben seiner Schüchternheit ist er eben auch ein gewaltiger Sturkopf.

"Na dann kommt wir haben ja jetzt Bio, Test..." Michel und Maurice seufzten beide bevor sie mit Manu im Schlepptau zu den Eingängen liefen. Es war immer ein riesen Gedrängel, die erste große Hofpause hatten alle Klassenstufen zusammen. Die zweite, sprich die Essenspause, war aufgeteilt weil das sonst zu voll werden würde in der Cafeteria. Das wären dann unterschiedliche Zeiten in denen immer jeweils die Unterstufe und danach die Oberstufe essen ging.

Manus Blick hob sich schnell als sein Arm den eines Anderen Streifte. Das passierte in solchen Menschenmengen, die alle zu den Eingängen strömten, nicht selten. Doch auch der größere schaute gegen wen er da schon wieder gestoßen war. Die Blicke der Beiden kreuzten sich abermals, wurden jedoch unterbrochen als andere Schüler sich zwischen Patrick und Manuel durchdrängelten und letzterer am Arm von seinen Freunden mitgezogen wurde.

...

"Ach ne!" Manu seufzte und ließ den Kopf hängen als er am Haupteingang angekommen war. Der Regen der in der Hofpause gestoppt hatte, kam jetzt in doppelter Menge wieder.

"Na? Wieder eine Mitfahrgelegenheit?" Grinsend tauchte Patrick neben dem Brünetten auf. Seinen Arm hatte er auf der Schulter des Jüngeren gestützt und schaute ebenfalls durch die Glastür. Schüchtern schaute Manu zu dem größeren auf. Es war fast einschüchternd,  wie er hier einfach so neben ihm stand und nach draußen schaute. Sie waren so gegensätzlich, der eine offen, mit erhobenem Kopf und der andere zurückgezogen und den Blick zu Boden gerichtet.

"Also?" nun senkte sich Patricks Blick damit er Manu in die Augen Schauen konnte. Er war eben doch ein Stück größer, allerdings könnte das in ein bis zwei Jahren anders aussehen. Manu wuchs schließlich noch.

Zaghaft nickte Manu. "Manu!" Er nahm die Stimmen von weiter hinten nicht wirklich war. Als er einen Flüchtigen Blick nach hinten warf, standen einige Meter entfernt Micha und Maurice. Die beiden starrten völlig entsetzt in die Richtung ihres Kumpels. Bevor sie sich noch weiter anschauen konnten, erhaschte Patrick Manus aufmerksam wieder.

"Na los. Der Regen wird nicht weniger." Lachte jener und zog Manu am Handgelenk durch die Glastüren, die er mit dem Fuß aufgestoßen hatte. Die Kapuze zog Der Jüngere wieder über seine Haare, wie heute morgen. Nur das seine beiden Freunde ihn nicht mit Patrick gesehen hatten. Aber was ist da schon schlimm dran. So lange sie ihn nicht verraten was sie gegen ihn haben, kann er ja weiter seine eigene Meinung behalten. Und bis jetzt war er doch ganz nett.

Und los ging es. Genau wie heute morgen, setzte sich Manu dicht hinter den Großen und schlang seine Arme um dessen Bauch. Sofort verschwand die Kälte die die beiden umgab und Manu wurde warm. Er genoss es in vollen Zügen. Ganz konnte er sich nicht erklären warum er sich so wohl bei dem Jungen fühlte, aber Fakt war das er es tat. Er kannte ihn ein paar Tage, ja, und trotzdem bewunderte er ihn schon. Vielleicht weil Patrick eben so anders war, als er selbst.

"Gut festhalten, kennst das ja schon." Grinsend hatte Patrick seinen Kopf nochmals umgedreht bevor er auch schon den Motor startete und durch den Regen vom Schulgelände fuhr.

Während die Landschaft so an den Beiden vorbeizog, sah Manu auch seine beiden Freunde auf dem Bürgersteig Laufen. Ein bisschen schlecht fühlte er sich ja schon. Er hatte sie einfach versetzt. Sie wollten heute wieder zusammen gehen und alle zu Manu nach Hause. Es konnte sein das seine Freunde trotzdem noch kamen, jedoch war das noch ungewiss.

So in Gedanken, schmiegte er seinen Kopf weiter an den Größeren an. Seitlich lag sein Kopf an den Schultern von Patrick angelehnt und er schaute einfach nur starr auf die Häuser.

Die Maschine stoppte vor Manus haus. Er stieg ab und setzte auch seinen Helm wieder ab. Den Haargummi löste er aus seinen Haaren und schüttelte einmal seinen Kopf, sodass seine Haare wieder glatt herunter hingen. Wieder biss sich der Ältere auf die Lippe, das hatte er heute Morgen schon getan, man konnte es seinen Lippen ansehen das sie heute schon gelitten hatten. Manu streckte ihm den Helm wieder entgegen. Patrick lächelte als sie sich wieder in die Augen schauten und Manu den Blick schnell wieder zu Boden fallen ließ.

"Danke fürs Mitnehmen." Schüchtern spielte er wieder mit seinen Händen. Seine Haare waren nach diesen paar Minuten im Regen schon ganz nass. Es brachte jetzt auch nichts mehr sich die Kapuze aufzusetzen.

"Klar. Bis dann." Und schon war der Motor wieder angeworfen und das Gefährt in Bewegung. Manu schaute ihm noch ein bisschen hinterher, bevor er schnell zum Eingang rannte und die Klingel betätigte. Seine Mutter müsste eh schon da sein, das Auto stand zumindest in der Einfahrt. Also brauchte er sich ja nicht die Mühe zu machen und diesen Schlüssel jetzt von ganz unten in seinem Rucksack raus zu suchen.

Nicht lange und die Tür wurde schon geöffnet. "Gleich ins Bad mit dir!" Waren die ersten Worte die Manu zu hören bekam. Schnurstracks lief er, die Schuhe schon ausgezogen in das Bad im Erdgeschoss.

"Ach du auch?" Rafael und Sebastian standen beide Oberkörperfrei, der Älteste auch ohne Hose, im Bad herum. Sebbi trocknete gerade seine ebenfalls triefenden Haare und Rafael zog sich ein Trockenes Shirt über. Manu tat es ihnen gleich und versuchte seine Mähne wieder trocken zu bekommen. Wegen seiner Haarlänge brauchte er viel länger als seine Brüder. Er war der einzige mit längeren Haaren, natürlich Mutter und Schwester ausgeschlossen. Alle anderen hatten einen kurzen oder mittellangen 'Jungsschnitt'. Diese ganz Typischen Frisuren halt.

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Gibt es einen Song der euch eins zu eins widerspiegelt? Ich finde sowas immer interessant ^-^

Auf mich zum Beispiel trifft "Stand Out Fit In" von "ONE OK ROCK" ganz gut zu.

Zufallsglück // KürbistumorWo Geschichten leben. Entdecke jetzt