Kapitel 13

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Unsicher blieb ich einfach im Türrahmen stehen und wusste keine Antwort auf seine einfache Frage. Zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher. Woher wusste er meinen Namen? Woher wusste er, in welcher Suite ich nächtigte?

Und warum genau stand er vor meiner Tür? Ich wusste auf keine dieser Fragen eine Antwort, konnte mir keinen Reim aus ihm und seinem Verhalten machen. Immerhin hatte er ja eben noch mit Madame Arroganz geflirtet und sich von ihr betatschen lassen.



Warum also genau war er jetzt bei mir und wollte, dass ich ihn hereinließ?


Er räusperte sich leise und mein Blick flog zu ihm nach oben, ich sah ihm direkt in seine blauen Augen und wünschte mir inständig, er würde einfach seine Maske abnehmen, damit wir beide mit offenen Karten spielten. Allerdings hatte ich wenig Hoffnung, dass er mir diesen Gefallen tun würde.


Verlegen nickte ich und ging ihm ein Stück aus dem Weg, damit er problemlos an mir vorbeikommen würde. Leise schloss ich die Tür und blieb achtsam vor dieser stehen. Beobachtete ihn bei jedem seiner Schritte, sog jede seiner Bewegungen in mir auf. Er entfernte sich nicht weit von mir, drehte sich um und musterte mich. Von oben bis unten.

Irritiert schaute ich an mir herunter und erinnerte mich daran, dass ich nur mein Nachthemd anhatte. Schlagartig fühlte ich mich nackt vor um und suchte möglichst unauffällig nach etwas, womit ich meine Blöße bedecken konnte. Natürlich war da nichts.



"Ich beiße nicht, Alika. Komm zu mir." Er streckte seinen Arm nach mir aus und hielt mir seine Hand hin. Argwöhnisch ergirff ich seine Hand, wurde plötzlich herumgewirbelt und landete mit dem Rücken an der Wand.

Lautlos entfuhr mir ein Keuchen, als mir die Luft aufgrund des Aufpralls aus den Lungen gepresst wurde. Es war nicht schmerzhaft, aber auch nicht angenehm. Ich konnte ihn dicht vor mir spüren, stellte fest, dass zwischen unseren Körpern vielleicht noch eine handbreit Abstand war. So nah.

Seine Hände hatte er an meiner Hüfte platziert, ohne dass es mir sofort aufgefallen war. Meine Haut kribbelte, ich wünschte mir, der störende Stoff meines Nachthemdes würde sich einfach in Luft auflösen. Doch natürlich tat er es nicht. Aufgeregt und nervös hob ich meinen Blick und traf auf seine aufmerksamen Augen, die mich zu durchdringen drohten. Zitternd hob ich meine Hand und wollte ihm die Maske abnehmen, doch er hinderte mich daran, wich meinen Fingern aus und verschränkte dann unsere Hände miteinander, presste sich noch ein bisschen dichter an meinen Körper und hielt mich in dieser Position gefangen.



Sein Gesicht kam meinem immer näher und ich hoffte, nein ich betete, dass diesmal nichts dazwischen kam. Dass niemand stören würde. Ich wollte ihn so dringend endlich küssen. Wollte so dringend seine Lippen spüren, wollte wissen, wie sie sich anfühlen würden.

Ich traute mich nicht zu atmen, traute mich nicht, mich zu bewegen. Es schien, als würde die Zeit stillstehen und die Welt hätte aufgehört sich zu drehen.

Ein Feuerwerk durchfuhr mich, als er schließlich ungezügelt seine Lippen auf meine presste, mich mit seinem linken Arm umfasste und an der Hüfte noch näher an sich zog und seine rechte Hand in meinen Nacken legte und mir somit jede Möglichkeit nahm, mich von ihm zu lösen.
Ein Keuchen entfuhr mir, meine Lippen öffneten sich von allein einen Spalt breit und sofort ergriff er die Chance und drang mit seiner Zunge vorsichtig, jedoch bestimmend in meinen Mund ein.

Ich war im Himmel. Sein Bart kratzte minimal an meiner Haut, doch genau so hatte ich es mir vorgestellt. Genau so wollte ich von ihm geküsst werden. Genau so wollte ich von ihm gehalten werden, wollte, dass er mich nie wieder losließ.

Meine Hände lagen auf seiner Brust, den Rücken durchgedrückt versuchte ich beinahe mich in ihm zu verkriechen, die Gänsehaut, welche sich in dem Moment gebildet hatte, als er mich küsste, verschwand einfach nicht.

Atemlos löste er sich nach endloser Zeit von mir und lehnte seine Stirn gegen meine, dabei konnte ich den Rand seiner Maske an meinem Gesicht spüren. Noch immer hatte ich den Drang in mir, sie ihm abzunehmen, jedoch unterdrückte ich ihn.

„Das wollte ich vom ersten Moment an tun, als ich dich heute Abend auf dieser Empore gesehen habe." Seine Worte waren nur ein Flüstern, und doch dröhnten sie in meinen Ohren. Sie waren wie Musik.

„Als ich dich dort oben gesehen habe", hauchte er und drückte einen federleichten Kuss auf meine linke Schläfe, „wollte ich, dass du mir gehörst."
Meine Augen waren geschlossen, so sehr genoss ich seine Stimme und das, was er da von sich gab.

Ein Kuss auf die rechte Seite folgte und er fuhr mit noch tieferer Stimme fort: „Jedes Mal, wenn ich dich kurz aus den Augen verloren hatte, jedes Mal, wenn ein anderer Dir zu nahe kam..." Er beendete den Satz nicht, sondern presste wieder seine Lippen auf meinen Mund.

„Alika..." Mein Name klang so wundervoll, wenn er ihn aussprach. Eine kleine, skeptische Stimme, tief vergraben in meinem Kopf, wunderte sich noch immer über die Tatsache, dass er ihn kannte, doch ich wollte nicht darüber nachdenken.
Ich wollte mir nicht selbst im Weg stehen. Nicht heute. Nicht mit ihm.

Seine rechte Hand spielte an dem Saum meines Nachthemdes, seine Finger kitzelten über meine nackte Haut und hoben den Stoff ein kleines bisschen an, um mehr von dieser freizulegen. Ich wusste genau, wohin unsere Handlungen führen würden und ich konnte es nicht erwarten, dass wir endlich in meinem Schlafzimmer landeten.

Und genau dann klopfte es natürlich an der Tür. Ein Fluchen verließ meinen Mund und voller Groll warf ich einen Blick zum Eingang der Suite.
Er tat es mir nach und knurrte gefährlich leise, wartete jedoch offenbar meine Reaktion und meinen nächsten Schritt ab.
Noch einmal hörten wir ein zaghaftes Klopfen, dann eine Stimme. „Zimmerservice" flötete eine Dame und ich erinnerte mich plötzlich dunkel an meine Bestellung. Nur widerwillig löste ich mich von ihm und spürte an seiner Körperhaltung, dass er mich eigentlich auch nicht gehen lassen wollte, doch er tat es.

Als ich am Spiegel vorbeilief konnte ich einen kleinen Seitenblick auf mein Gesicht erhaschen und meine geröteten Wangen sehen. Meine Lippen waren leicht angeschwollen, Spuren seines Bartes waren auf meiner Haut zu sehen.

Weniger elegant öffnete ich die Tür und musste einen so genervten Eindruck dabei machen, dass die junge Frau vor mir einen Schritt nach hinten machte. Sofort meldete sich mein schlechtes Gewissen. Sie konnte ja nicht wissen, dass sie mich gerade in einem der schönsten Momente meines Lebens unterbrochen hatte.

Ohne sie noch einmal zu Wort kommen zu lassen nahm ich ihr die Tasse mit der heißen Milch ab, bedankte mich wortkarg und knallte der armen Frau die Tür vor der Nase wieder zu.
Achtlos stellte ich die heiße Milch auf der Kommode ab und wandte mich wieder ihm zu. Dies schien er als unausgesprochene Aufforderung verstanden zu haben und er packte mich, hob mich kurz unterhalb meines Hinterns an und hob mich hoch, sodass ich nun auf ihn herunterschauen konnte.

Sofort vergrub ich meine Hände in seinen Haaren, fing wild und ungezügelt an ihn zu küssen, was er mit der gleichen Leidenschaft erwiderte. Offenbar war er mit der Raumaufteilung dieser Suite betraut, denn zielsicher machte er sich mit mir auf den Weg ins Schlafzimmer.
Dort angekommen ließ er mich langsam herunter, setzte mich sanft auf der Bettkante ab und sah mich, nachdem wir unsere Lippen voneinander gelöst hatten, an. Das Zimmer selbst war dunkel, nur die Lampen im Wohnbereich spendeten minimales Licht, durch welches ich gerade noch so seine Silhouette erkennen konnte. 

Quälend langsam entledigt er sich seines Jacketts und knöpfte danach sein Hemd auf. Ungeduldig fuhr ich mit meinen Händen über seine nun freilegende Haut und konnte spüren, wie er bei der Berührung kurz die Luft anhielt. Sein Bauch war hart, jedoch nicht zu sehr und ich konnte erahnen, dass er sich sportlich betätigte.

Mich überkam eine noch nie dagewesene Form des Mutes und begann an seinem Gürtel herumzunesteln, doch er hielt meine Hände fest.
Wieder hob er mich hoch und legte mich auf dem Bett ab, blieb über mir und bedeckte meinen Hals mit federleichten Küssen.
Ein Stöhnen entwich meiner Kehle und ich bog mich ihm entgegen, wollte mehr von seinen Berührungen, wollte mehr von seinen Lippen. Seine Hände gingen auf Wanderschaft und erkundeten meinen Körper. Wieder schon er mein Nachthemd ein bisschen nach oben und plötzlich war es mir nicht mehr ganz so unangenehm, dass ich keine Wäsche darunter anhatte.

Ich war mir sehr sicher, dass ich diese Nacht nicht bereuen würde...

Maskenball - Nur ein Augenblick - ABGESCHLOSSEN-Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt