Wisla 2 - 16./17.11.2018

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„Halt, halt haaalt!" schrie ich auf einmal wie am Spieß und blieb abrupt stehen, um dem verdutzten Blick meines Gegenübers zu sehen.
„Ich geh nicht einfach mit Möchtegern-Machos mit. Sich von Fremden in einem anderen Land durch ein Dörfchen entführen zu lassen zählt definitiv nicht zu meinen Hobbys. Wenn du mir nicht sofort deinen Namen erzählst, brüll ich nochmal!"
Anscheinend beunruhigte ihn diese Drohung kein bisschen, musste ich zu meinem Bedauern feststellen. Aber das kommt mir gerade noch in die Tüte! Ein Mann der mich nicht ernst nimmt. Verzweifelt durchwühlte ich meinen Kopf nach brauchbaren Gedanken. Doch Emilias-Superbrain war mal wieder null Komma null zu gebrauchen. Also auf ein Neues...
„Ich jag meinen Hund auf dich." Motzte ich ihn eher schon patzig an. Seine Reaktion war erneut wieder einmal nicht, dass gewünschte Ergebnis und bevor ich jetzt noch anfing zu heulen – das gehörte nämlich zur nächsten Stufe meiner Stufen der Emotionen – war mein Gehirn dann doch mal zu etwas nutze.
„DANN RUFE ICH DIE POLIZEI!" prahlte ich triumphierend und war kurz davor einen Luftsprung zu machen.
„Ich frage mich zwar wie du das mit deiner nicht vorhandenen Orts- und Sprachenkenntnis anstellen willst..." erwiderte er schelmisch, aber ich merkte ihm deutlich an, dass ich ihn ein wenig in die Zwickmühle gebracht hatte. Eigentlich war er doch relativ leicht durchschaubar: Seine Augen, die mich starr fokussierte, um herauszufinden, ob ich aus meinen Drohungen Realität machen würde, sein Harre, die er angeregt durch die Nervosität doch heftig verwuschelte, seine ganze Körperhaltung...
Ich wusste gar nicht, was an einem Namen so Mysteriöses war, aber irgendwas gab ihm da zu denken. Da ich aufgrund meiner schroffen Art doch ein wenig reumütig geworden war, empfand ich plötzlich Mitleid mit ihm. Etwas war da und egal was es war, es machte ihm zu schaffen. Also kam ich ihm netterweise ein wenig entgegen.
„Ich heiße Emilia." Das sollte wohl vorerst mal reichen. Bevor er nicht irgendeinen Buchstaben seines Namens rausrücken würde, würde er weder meinen Nachnamen, meinen Geburtstag oder Adresse bekommen.
„Stopp mal, wieso sollte er das überhaupt wissen wollen." Murmelte ich etwas verwirrt zu mir selbst. Da ich die letzten 10 Minuten ein gefühltes Selbstgespräch geführt hatte, war es doch längst mal an der Zeit Mr. Ich-Mach-Einen-Auf-Pantomime aus seinem Winterschlaf zu wecken. Um nicht schon wieder das Wort zu ergreifen, musterte ich ihn nur scharf in der Hoffnung er würde den Wink verstehen und sich nicht ganz so dämlich wie die restliche Männerwelt anstellen.
Dumm war er auf jeden Fall nicht, denn meine Körpersprache schien zu funktionieren.
„Ich bin M..." er hielt inne. „...arcel Kraft." Brachte er dann doch schließlich noch heraus.
„Na siehst du. Schwierige Geburt, aber du hast es ja doch geschafft. Toll gemacht!" sagte ich leicht ironisch und tätschelte dabei seine Wange. Einen kurzen Augenblick hielt ich inne, schüttelte dann leicht den Kopf und verwarf alle Gedanken, die soeben durch meinen Kopf geströmt waren. Um etwas davon abzulenken, fragte ich neugierig:
„Bist du irgendwie mit dem Ski-Springer Stefan Kraft verwandt. Ich mein... Wisla liegt 5 Min. Fußmarsch..." ich schaute mich um und gab resigniert zu „... okay eventuell doch etwas länger von hier entfernt. Da ist morgen so ein Springen. Außerdem sprichst du Deutsch oder Österreichisch oder wie man das nennt."
Einen Hauch einer Sekunde bildete ich mir ein, Furcht durch seine Augen blitzen zu sehen, aber im nächsten Moment war davon schon gar nichts mehr zu sehen. Wahrscheinlich einfach nur Einbildung.
Schmunzelnd blickte er zu mir und antwortete. „Obwohl ich deine ganzen Annäherungsversuche sehr wertschätze, muss ich dich leider enttäuschen, ich bin leider nur Fan. Auch wenn mein athletischer Körper da was ganz anderes sagt."
Ich wollte schon protestieren, aber auf einmal kam aus Marcel so viel heraus wie schon die ganzen letzten 20 Minuten nicht. Er schien langsam Gefallen an der ganzen Situation zu finden. Und nur weil ich gewissermaßen Abhängig von ihm war, ließ ich auch so mit mir umgehen.
„Willst du jetzt zur Apotheke oder nicht: Wenn du weiterhin so viel redest und mit mir flirten willst, dann gerne, aber gesund wirst du durch mein wundervolles Antlitz leider nicht." Bei diesen Worten marschierte er los und ich musste ihm nach, ob ich wollte oder nicht.

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