Wir betraten den Raum wieder und ich hatte das Gefühl angestarrt zu werden. Als ich nach der Quelle des Gefühls suchte, bemerkte ich Thranduils stechenden Blick. Er zog eine Augenbraue hoch und musterte erst mich und dann Legolas. Ich stieß Legolas leicht an und deutete ihm unauffällig an, in die Richtung des Elbenkönigs zu schauen. Der Blick des Prinzen und der seines Vaters trafen sich und Thranduil gab ihm mit einer Kopfbewegung zu verstehen ihm zu folgen. "Ich bin müde. Ich werde schlafen gehen.", sagte ich lächelnd und Legolas nickte. "Gute Nacht, träum schön.", antwortete er und in seinen Augen konnte ich erkennen, dass er mich zu gerne geküsst hätte, doch noch immer lag der Blick seines Vaters auf ihm. "Geh schon.", murmelte ich und nickte in Richtung Thranduil. Legolas lächelte mich noch einmal an und verschwand dann in der Menge. Ich derweil suchte nach Aragorn und fand ihn zusammen mit Gimli und Gandalf in einer Ecke des Saals. "Da bist du ja.", sagte Gimli und sein verkniffener Gesichtsausdruck verriet, dass er immer noch nicht über seine Niederlage beim Wetten hinweg war. "Wo ist denn Legolas? Dem Elb muss ich nochmal einschärfen, dass wenn er dich verletzt sein letztes Stündlein geschlagen hat." Gimli grummelte nur so vor sich hin und ich musste darüber lächeln. "Er bespricht etwas mit seinem Vater", erklärte ich und mein Gesichtsausdruck wurde ernster. "Aineoena. Du bist eine Königin. Du magst jung und unerfahren sein, aber du bist klug und stark. Mach dir nicht so viele Sorgen. Thranduil wird dich akzeptieren lernen.", sagte Aragorn und legte seine Hand auf meine Schulter. "Hannon le, Aragorn." (Danke dir, Aragorn), sagte ich und gähnte. Es war ein aufregender Tag gewesen und ich war wirklich müde. "Du solltest schlafen, Neo.", sagte Gandalf und ich nickte zustimmend. "Na dann bringe ich die Dame mal wieder auf ihr Zimmer.", sagte Gimli. Gandalf und Aragorn wünschten mir eine gute Nacht und so brachte mich Gimli zu meinem Gemach. "Bist du öfter hier?", fragte ich ihn interessiert. "Ja, warum?", antwortete er verwundert. "Du kennst dich im Palast aus. Ich glaube ich bräuchte Jahre, um mir die ganzen Gänge merken zu können." Gimli lächelte. "Naja, weißt du... Trotz allem Elben-Zwergen-Konflikt ist Legolas mir ein guter Freund geworden." Wir waren an meinem Zimmer angekommen. "Gute Nacht.", sagte Gimli. "Gute Nacht Gimli.", antwortete ich und betrat den Raum.
Ich fluchte leise. Das aufwendig geschnürte Kleid war nicht so einfach auszuziehen. Die Korsetartigen Bänder am Rücken machten dies nicht leichter. Irgendwann schaffte ich es dann doch, das Kleid zu lockern und hinauszusteigen. Ich legte das schöne Kleidungsstück sorgsam auf mein Bett und ging ins Bad. Ich ließ heißes Wasser ein und auch meine Unterwäsche viel zu Boden. Langsam ließ ich mich in das Wasser hineingleiten und schloss die Augen. Der Abend war ein Chaos der Gefühle gewesen. Ich musste immer noch grinsen, wenn ich über Legolas Gesicht nachdachte als er mir erklärt hatte warum alle mich so anstarren. "Paarungszeit". Damit hatte ich wohl am allerwenigsten gerechnet. Dann natürlich der Tanz und... Der Kuss. Wenn ich nur darüber nachdachte stieg mir das Blut in die Wangen. Es war wunderschön gewesen. Natürlich hatten wir uns bereits zuvor geküsst, aber dieser Kuss war nicht echt gewesen. Der Moment heute Abend war einfach nur magisch. Ich lachte leise als ich an Gimlis Gesicht dachte. Wie schlecht gelaunt er nach der verlorenen Wette gewesen war und wie überrascht bei der Frage, ob er öfter hier sei. Ich wünschte ihm von ganzem Herzen, dass er jemanden findet, der ihn genauso liebt wie er ist. Aber Zwergenfrauen waren wohl selten. Zumindest hatte ich das aus den Erzählungen gehört. Ich hatte bisher nur Menschen, Elben, Zauberer und männliche Zwerge gesehen. Ich wusste, dass dort draußen noch mehr Wesen waren und ich konnte garnicht darauf warten sie kennenzulernen. Meine Gandanken schweiften wieder zu Legolas. Was sein Vater wohl von ihm wollte. Hoffentlich war er nicht wütend auf ihn oder so etwas in der Art. Plötzlich merkte ich, dass das Wasser bereits kalt geworden war und eine Gänsehaut meine Arme überzog. Schnell stieg ich aus dem Wasser und trocknete mich ab. Dann schnappte ich mir mein Nachtkleid, das locker meinen Körper entlang fiel. Meine Haare flocht ich zu einem Zopf und legte mich schnell ins Bett. Ich wollte für morgen ausgeschlafen sein. Und so glitt ich langsam ins Reich der Träume.
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Legolas - Aineoena's Geschichte
FantasyAineoena fühlt sich noch nicht richtig bereit, als sie mit ihren jungen achtzehn Jahren zur Königin von Arthedain gekrönt wird. Unverhofft stößt sie während der Zeremonie auf einen äußerst gutaussehenden Elben... Einige Orte und Figuren stammen aus...