Teil 11 -

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"Mara? Sag doch was .. Ich will dir doch helfen .. Und ich mein das ernst was ich gestern schon sagte - die Straße ist nichts für dich. Du musst zurück zu deiner Familie. Sie vermissen dich bestimm..." redete er mit ruhiger Stimme auf sie weiter ein. Sie schüttelte den Kopf.
"Nein - ich habe keine Familie" sagte sie mit kalter Stimme. Luke starrte sie an.
"Du meinst...? Was ist mit ihnen geschehen? Also ... wenn du reden willst..." - Mara schüttelte wieder den Kopf.
"Es tut nichts zur Sache was mit ihnen geschehen ist. Mein Vater hat meine Mutter vor meiner Geburt verlassen und ist seither unauffindbar."
"Und deine Mutter?"
"Die hat einen neuen."
"Also lebt sie?"
"Ja."
"Was machst du dann hier?"
Mara begann wieder zu zittern. Erinnerungen kamen hoch. Wie er sie packte. Gegen die Wand drückte. Auf das Bett...
Ihr kullerten ein paar Tränen über die Wange. Luke sah sie an und zog eine Packung Taschentücher aus der Hosentasche und reichte Mara eins. Diese nahm das Taschentuch leise schluchzend an und bedankte sich.
"Du musst nicht darüber reden wenn du nicht möchtest ... Ich kann es nur nicht wirklich verstehen dass ein hübsches Mädchen wie du lieber auf der Straße leben will als zu Hause bei ihrer Mutter..." redete Luke weiter "Du kannst solange hier wohnen, wenn du möchtest."
Mara sah ihn an. "Danke, kannst du mir bitte einfach den Weg zurück zum Bahnhof zeigen?"
Luke nickte. "Aber du kannst jederzeit zurückkommen, ja?"
Dabei sah er sie hoffnungsvoll an. Sie erwiderte dass sie noch nicht so recht wüsste was nun kommen würde, aber erst mal zurück zum Bahnhof wollte da sie da ihre Sache habe. Luke bot ihr an ihr auch am Bahnhof Gesellschaft zu leisten. Etwas beleidigt und trotzig sah sie ihn an.
"Ich brauche keinen Babysitter!"
Luke grinste unwillkürlich. "Natürlich nicht. Aber wie schon gesagt - du gehörst nicht auf die Straße. Du wärst jedem halbstarkem Möchtegern-Macker ausgeliefert!"
"Also auch dir?" murmelte sie leise.
"Hör mal... Wenn ich dir was Böses hätte antun wollen, meinst du nicht ich hätte das bereits tun können? Aber hab ich das? Nein." meinte er mit kalter und bestimmter Stimmer und blickte Mara dabei tief in die Augen. Sie biss sich verunsichert auf die Unterlippe.
"... Ja... Stimmt" stotterte sie zaghaft.
"Na siehst du. Also bist du immer noch dagegen dass ich dir ein bisschen Gesellschaft leiste?" fragte er lächelnd. Obwohl es ihr unangenehm war, schüttelte sie den Kopf. Luke strahlte förmlich.
"Sag mal, hast du eigentlich Freunde zu denen du könntest...? Versteh mich bitte nicht falsch - ein netter Mensch wie du hat sicher viele Freunde, aber ich meine solche Freunde zu denen du kannst ohne dass sie groß Fragen stellen und dass du nicht mehr auf einen öffentlichen Schlafplatz angewiesen wärst..."
Anders als von Luke erwartet schüttelte sie erneut den Kopf. Er zog überrascht die Augenbrauen hoch.
"Zumindest niemanden wo sie nicht suchen würden..." murmelte Mara. Lukes erst überraschter Blick wurde zu einer bemitleidenden Miene. Mara bemerkte das.
"He! Ich brauche kein Mitleid!" rief sie, doch senkte dabei den Blick. Plötzlich nahm Luke Maras Hand und zog sie auf den Gehweg. Erst zuckte sie erschrocken zusammen, doch folgte Lukes Bewegungen ohne großen Widerstand.

MissbrauchtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt