Nachdem ich das Büro meines Vaters verlasse, merke ich, dass Niemand mehr daheim ist. Alle sind unterwegs und ausgeschwärmt.
Theos Frau ist eine der einzigen, die sich noch im Haus befindet. Sie kümmert sich fürsorglich um unseren kleinen verletzten Mattia.
Fran wird mit einem unserer Cousins am Haus der Paisleys siin und dies beschatten.
Ich atme tief aus und merke wie die Luft aus meinem Körper schwindet. Nun habe ich ein bisschen Zeit nur für mich.
Ich schnappe mir also meine Schlüssel vom Wagen und laufe drauf zu. Draußen ist es bereits dunkel und kalt.
Es ist diese unangenehme winterliche Kälte.
Während ich in das Zentrum der Stadt fahre, überlege ich, wie ich das alles angehen soll. Wie biege ich die Dinge wieder richtig?
Es ist mir schleierhaft. Denn ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung.
Wie soll ich ihr erklären, dass ihr Vater lebt und sie dazu auch noch benutzt wird in diesem Psycho Spiel?
Dass ihre Identität geklaut und missbraucht wurde.
Achja und das meine Familie mit ihrer im Krieg steht und es zu einem vernichtenden Ende kommen wird...kommen muss, weil wir alle der Mafia angehören.
Sie ist so zerbrechlich gewesen neulich. Sie ist so menschlich. So ganz anders als wir und doch fühle ich mich bei ihr verstanden.
Ich habe Angst, sie noch mehr zu zerstören durch diese Nachrichten. Angst, es ist ihr zu viel.
Desto näher ich dem Haus komme, desto größer wird dieses Gefühl in mir. Ich kann es nicht beschreiben. Es ist ein derart großes Gefühl.
Am liebsten würde ich sie mitnehmen und sie hier weg schaffen. Am besten, sie würde gar nichts mitbekommen und in dem Glauben leben, ihr Vater wäre Tod. Eine alberne Träumerei.
Etwas, was in meiner Welt nicht vorhanden sein darf. Irgendwie jetzt auch ihre Welt.
Es wird sie noch früh genug mit sich reißen und sie wird dran ersticken. Ich denke, dass sie das tun wird.
Ich stelle den Motor aus und stehe ein Stück entfernt von dem Haus, indem sie sich jetzt befindet. Bei ihrer besten Freundin.
Ich atme aus und lehne mein Kopf gegen das Lenkrad. Was soll ich bloß tun?
Ich bin völlig ratlos, habe absolut keinen Plan. Das erste mal, seit langem. Eigentlich ist es einer meiner Stärken immer einen klaren Kopf zu wahren.
Ich steige aus und sehe beim vorbei laufen die Familie des Hauses.
Sie alle sitzen am Fernseher. Lachen, unterhalten sich und genießen die Zeit.
Dieses Bild brennt sich tief in die Festplatte meines Hirns. Solche Erinnerungen kenne ich nicht, so etwas habe ich nie erleben dürfen.
Noch etwas, was es bei uns nicht gibt.
Wir haben einen wahnsinnigen Familien Zusammenhalt, auch mit familienmitgliedern die uns unbekannt sich.
Jedoch gibt es diese Art von Zärtlichkeit nicht. Jedenfalls nicht mehr. Mutter hat immer versucht uns zu vermenschlichen, obwohl Sie genau wie wir, in dieses Leben geboren wurde.
Sie kannte es nicht anders, wollte uns Kinder aber anders erziehen.
Als sie aber vor ein paar Wochen starb, starb dieser Teil wieder mit ihr.
Bevor ich weiter gehe, sehe ich mich um.
Nichts Verdächtiges.
Niemand den ich sehen kann und ich hoffe, dass niemand mich sieht.
Also klettere ich über den kleinen Zaun in den Garten und schleiche an jeglichen Fenstern vorbei.
Eine dünne Feuertreppe taucht vor mir auf. Also schleiche ich diese so leise wie möglich hoch.
,,Matteo" höre ich ein flüstern.
Völlig überrascht sehe ich auf und erkenne Mariell über mir auf dem Boden des Geländers sitzen.
,,Mariell" sage ich und bleibe wie angewurzelt stehen.
Ich erkenne, wie sie zittert. Wie ihre Lippen bereits ganz blau sind.
Wie ihre Jacke geöffnet ist und sich darunter nur ein Tshirt befindet.
Ich sehe, wie ihre Beine durch das Geländer geschlungen sind und runter baumeln.
,,Was tust du hier?" fragt sie mich nach einigen Augenblicken.
Ein bisschen ertappt schaue ich in die Richtung, in die sie starrt.
Ein wahnsinns Ausblick.
Total unvorstellbar.
Es reicht so weit, dass man denken mag die Welt wäre wirklich eine Scheibe.
Ich lehne mich gegen die Wand und tu so, als wäre dies alles völlig normal.
Plötzlich spüre ich ihren Blick wieder auf mir liegen. Ihren intensiven Blick.
Den Blick den sie mir bereits letztes Mal geschenkt hatte.
Ich atme aus und spüre wie er abgehakt aus mir kommt. Noch bevor sie mich erneut ansprechen kann, gehe ich auch noch die restlichen Stufen zu ihr rauf.
Als ich oben ankomme ist der Ausblick noch viel schöner. Genauso wie sie.
Es ist kaum Licht hier oben. Nur ein schwaches Licht einer alten campingleuchte. Doch auch in diesem Licht erkenne ich ihre sanften Züge.
Ihre geschwungenen Lippen. Und keine Narbe die über die Wange reicht. Sie war es nicht. Ein Hagel an Steinen die von meinem Herzen fallen und mich erleichtern.
,,Matteo" höre ich wieder aus ihrem Mund und verfalle dem fast. Mein Name aus ihrem Mund. Musik in meinen Ohren. Eine liebliche Melodie.
...
Ich atme erneut bewusst aus. Als nächstes setzte ich mich zu ihr. Meine Beine ebenfalls runter hängend.
Zwischen uns ein guter Abstand. Distanz die wir brauchen.
,,Ich weiß garnicht was ich sagen soll" kommt es nur so aus meinem Mund, ehe ich weiß was ich sage.
,,Nein, vergess das" sage ich schnell und sehe weg. Ich kann sie nicht ansehen.
,,Was vergessen?" fragt sie, während auch sie sich wieder dem Ausblick widmet. Doch ich antworte nicht. Ich weiß nicht was.
,,Was tust du hier?" kommt es nach einigen Augenblicken von ihren Lippen.
,,Mariell" sage ich und sehe sie wieder an. Sie tut es ebenfalls.
Dieser Blick.
Dieser verdammte Blick.
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Omertà & Pentito
Teen FictionOmertà. Das dunkle Gesetzt das zu schweigen verpflichtet. Vize-Anführer zu sein, die Last zu tragen einmal Anführer zu werden, das macht ihn aus. Es ist das einzige, wozu er bestimmt ist, die einzige Konstante in seinem Leben. Das und noch viel weni...
