Während Fran bereits die Kapelle verlässt, gehe ich noch einmal auf das Grab meines Großvaters zu.
Sein Name. Matteo Luca Lucchase.
Ich. Matteo Valentin Lucchase.
,,Was ist das nur?" frage ich und fahre über den Schriftzug seines Namens ganz langsam mit meinem Finger.
Sein Geburstag und sein Todestag sind darauf eingraviert.
Sein Todestag, der Geburtstag von Fran und mir. Mit diesem Tag war ich besiedelt als Vize Don zu einem späteren Zeitpunkt.
Man sah es als ein Zeichen, dass ich der erste war der geboren wurde, kurz darauf war mein Großvater Tod.
Ich denke an das Messer zurück und ziehe es aus meiner Hosentasche heraus.
Auf der einen Seite ist mein Name und mein Geburtstag eingraviert.
Um zu sehen, was auf der anderen Seite ist, drehe ich es um.
,,Matteo Luca Lucchase" sage ich leise, ,,Gestorben an meinem Geburstag."
Ich drücke es fest in meiner Hand und schließe für einen Moment meine Augen.
Es war also von meiner Geburt an bestimmt. Alle war geplant und ich konnte nichts daran hindern, nur zu sehen.
Ich schnaufe und verlasse ebenfalls die Kapelle. In mir löst sich Unbehagen. Ich bin nicht weiter gekommen.
Francescos Wut auf mich ist noch ein Stückchen größer geworden.
Da Fran nun Bescheid weiß, ist meine einzige Hoffnung, er würde es für sich behalten.
Ich weiß nicht, wie die anderen darauf reagieren würden. Grade ein solcher Thomàs, der meinen Platz sowieso anfeindet. Für ihn wäre es gefundenes Fressen.
Doch ich kann diesen Platz nicht aufgeben. Ich habe diese Verpflichtung in mir und ich habe sie geschworen.
An meinem Wagen, sehe ich das auch Fran dort drinnen sitz. Gut.
Während der Fahrt zurück bleibt es ruhig zwischen uns, bis Fran irgendwann das Schweigen bricht.
,,Ich werde Niemanden etwas sagen" beruht er und schaut aus seinem Fenster. Ich schaue ihn einen Augenblick an. Er wirkt so menschlich für einen Moment, so nachdenklich und so verletzt.
,,Omertà. Schon vergessen?" fragt er mich, sieht mich dabei eindringlich an und hebt seine Augenbrauen, ,,Unsere Omertà" fügt er noch leise hinzu.
Ich nicke.
Wir waren eine Einheit, nicht dafür bestimmt zerstritten zu sein. Genauso wie nicht bestimmt voneinander getrennt zu sein.
,,Ich liebe dich, Bruder" sage ich und halte den Wagen, doch Fran nickt mir nur zu, ehe er den Wagen verlässt und in den Garten schlendert.
Wahrscheinlich geht er wieder schießen, seinen Frust der letzten Stunden abbauen.
Die letzten Stunden haben sich angefühlt wie Tage. Ich bin ausgelaugt und brauche Schlaf, doch den bekomme ich nicht.
Schon, als ich nur die Villa betrete, liegen alle Augen auf mich. Ich fühle mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht.
Es sind noch so viele Menschen unserer Familie bei uns und sie alle fressen mich mit ihren Blicken.
Ich sehe wie sich einer seinen Weg durch mit durch bahnt und einen Theo der danach zielstrebig auf mich zu kommt.
,,Dein Vater braucht dich jetzt" flüstert mir Theo zu und drück sanft meine Schulter mit seiner daraufliegenden Hand.
Ich nicke. Natürlich nicke ich. Ich habe keine andere Wahl, als meinem Oberst zu gehorchen.
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Omertà & Pentito
Ficção AdolescenteOmertà. Das dunkle Gesetzt das zu schweigen verpflichtet. Vize-Anführer zu sein, die Last zu tragen einmal Anführer zu werden, das macht ihn aus. Es ist das einzige, wozu er bestimmt ist, die einzige Konstante in seinem Leben. Das und noch viel weni...
