Ich sitze im Biologie Unterricht und kritzle etwas auf meinen Block, heute ist es mit Abstand die langweiligste Stunde die wir jemals hatten und Mr.Brown redet und redet immer weiter, so als ob kein Ende in Sicht wäre. Alle warten auf den Gong und da ertönt er. Endlich! Ein erleichterstes stöhnen geht durch den Raum. Ich packe meine Sachen zusammen und verlasse das Klassenzimmer. Heute regnet es in strömen und ich habe meinen Regenschirm zu Hause vergessen Typisch Ich. Der Himmel ist von dunklen Wolken zugezogen und in weiter Entfernung hörte man den Donner. Ich sehe wie die anderen Schüler zu ihren Autos eilen und ich vermisse unweigerlich mein eigenes Auto. Ich bin so in meine Gedanken vertieft das ich nicht mitbekomme wie der Bus kommt und ohne mich davon fährt. Als ich es bemerke ist es auch schön zu spät und ich stehe alleine im Regen. Eigentlich mag ich regen, doch nur wenn ich zu Hause in meinem Bett eingekuschelt ein Buch lesen kann und nicht raus muss, was jetzt nicht der Fall ist. Langsam merke ich wie mein Pulli durchnässt und beginne los zu laufen. Mir steht ein 40 Minütiger Fußweg bevor und jetzt merke ich schon es wird mir keinen Spaß machen, zwar liebe ich es draußen zu sein und zu spazieren, aber definitiv nicht bei diesem Wetter. Kein Mensch ist auf der Straße und solangsam verfluche ich meinen Vater. Jetzt da ich so lange Zeit zum Nachdenken habe, denke ich noch einmal an die Situation in die uns mein Vater gebracht hat. Monatelang hat er anscheinend Überstunden gemacht und ist immer später aus seiner Anwaltskanzlei gekommen, bis Mum ihm eines Tages ein kleines Abendessen vorbei bringen wollte. Sie hat meinen Vater mit seiner Assistentin Olivia auf dem Schreibtisch seines Büros entdeckt. Auf dem Schreibtisch! Für Mum ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen. Dad meinte es sein anders als es aussah, doch wer hat ihm das bitte in diesem Moment geglaubt? Wir waren eine kleine perfekte Familie. Doch er musste es mit dieser Schlampe zerstören.
Der Regen vermischt sich mit meinen Tränen die mir über die Wangen laufen. Warum wir? Warum meine Familie und ich? Diese Frage kann mir keiner beantworten. Ich werde Dad niemals verzeihen was er getan hat, er hat mich als seine Tochter endgültig verloren. Ich hatte schon länger die Vermutung das mein Dad ein Geheimnis vor uns versteckt, doch ich habe nicht geahnt das es ein solches Ausmaß haben wird, geschweige den das meine Familie wie eine Glaskugel zerplatzen wird, in ganz viele kleine Splitter an denen man sich schneiden wird, die sich in den Finger bohren und unglaublich schmerzhaft sind. Welche die man nicht einfach wieder hinausziehen kann. Ein Schmerz der für immer bleibt. Meine Familie ist das wichtigste für mich da ich sonst keine Freunde habe. Ich bin eine Einzelgängerin. Zu meinem eigenen Schutz.
Als ich zu Hause ankomme bin ich von unten bis oben klitsch nass. Schon nachdem ich die Wohnungstür aufgeschlossen habe kommt mir ein kleines 8-jähriges Mädchen entgegen. Sie hat einen braunen Lockenkopf und strahlend blau-graue Augen.
"Angellllll!", sie kommt auf mich zu gerannt und will mich gerade umarmen, doch als sie bemerkt wie nass ich bin schüttelt sie bloß den Kopf und rümpft die Nase. Ich muss lächeln.
"Na Emy, wie war dein Tag?", frage ich meine Cousine während ich mir ein Handtuch aus dem Badezimmer hole.
"Ganz gut, wenigstens bin ich nicht so nass geworden wie du.", Emy grinst mich an, dreht sich um und verschwindet in der Küche. Emy ist die Tochter meines Onkels und ab und zu passe ich nach der Schule auf sie auf. Sie und ich sind ein Herz und eine Seele.
Ich gehe kurz in mein Zimmer, um mir etwas trockenes anzuziehen, danach gehe ich auch in die Küche. Emy sitzt am Tisch und malt etwas und Mum wäscht Geschirr ab. Ich hole mir ein Glas aus dem Küchenschrank und setze mich an unseren Esstisch. Da piept mein Handy.
Theboynextdoor: Ich habe nachgedacht was für Tipps ich haben möchte und bin auf den Schluss gekommen das ich einmal alles wissen muss =) Ich mache zwar gerne Fotos aber ich kenne mich nicht wirklich aus.
Ich tippe eine Antwort und schreibe auf was er beim fotografieren achten muss und Bearbeitungsprogramme die ich empfehle. Kurze Zeit später kommt auch schon die Antwort.
Theboynextdoor: Danke für die Tipps ich werde versuchen sie umzusetzen. Wie kann man nur so positiv eingestellt sein?
Dream: Das bin ich ganz und gar nicht. Wenn du mich im echten Leben kennen würdest, würdest du nicht sagen das ich positiv bin.
Theboynextdoor: Echt? Das kann ich mir nicht vorstellen. Du warst so hilfsbereit.
Dream: Hier schon, im echten Leben bin ich unauffällig und niemand beachtet mich, aber genau das finde ich gut.
Warum erzähle ich einer wildfremden Person davon? Ich kenne ihn doch gar nicht. Doch mein Bauchgefühl sagt mir das es richtig ist mit ihm zu schreiben.
Theboynextdoor: Ach, ich wünschte manchmal auch das mir die Menschen weniger Beachtung schenken würden, doch das klappt nicht.
Dream: Glaub mir, du willst nicht durch machen müssen was ich gerade durch machen muss.
Theboynextdoor: Alles okay bei dir?
Dream: Nicht wirklich, aber mehr werde ich erstmal nicht sagen.
Mit diesen Worten lege ich mein Handy zur Seite und schenke Emy meine volle Aufmerksamkeit. Wir malen gemeinsam und dann ist auch schon die Zeit gekommen in der Onkel Daniel kommt, um sie abzuholen. Meine Cousine umarmt mich noch einmal und Mum redet mit Daniel. Auch ihn hat die Nachricht das Dad Mum betrogen hat tief erschüttert. Er und Dad waren die besten Schwager die man sich vorstellen kann, mit Football schauen und allem drum und dran, doch jetzt hat auch Daniel den Kontakt zu meinem Dad abgebrochen, er kann nicht glauben was er mit seiner Schwester abgezogen hat.
Nachdem die beiden weg sind setze ich mich mit einem Buch auf mein Bett und beginne zu lesen. Ich bin ein Fan von Romanen, habe aber auch nichts gegen einen guten Krimi oder einen Thriller. Doch da piept mein Handy schon wieder. Ich nehme es von einem Nachttisch und öffne meine Nachrichten. Schon wieder hat Theboynextdoor geschrieben.
Theboynextdoor: Okay, du musst es ja nicht schrieben wenn du nicht möchtest. Wenn du so weit bist kannst du mir davon erzählen ich hab immer ein offenes Ohr.
Warum sollte ich diesem Typen vertrauen? Er kennt mich nicht und ich ihn nicht. Wobei das garnicht so schlecht wäre. Mich einfach mal bei jemandem ausheulen, der mich garnicht kennt und ich ihm dabei nicht in die Augen schauen muss. Einer Person von meinen Problemen erzählen die mir im echten Leben niemals über den Weg laufen wird. Dieser Gedanke geht mir schon durch den Kopf seit dieser Typ mich angeschrieben hat.
Deam: Warum sollte ich dir vertrauen. Ich kenne dich doch garnicht.
Theboynextdoor: Dann stelle ich mich mal kurz vor. Meinen Namen kennst du ja bereits ; ) Ich bin 18 Jahre alt , männlich und habe eine große Schwester. Ich höre gerne Musik und spiele selbst Klavier. Außerdem habe ich einen Hund.
Dream: Okay..., jetzt kenne ich dich bisschen besser. Dann erzähle ich dir mal etwas über mich. Überraschend aber ich liebe es Fotos zu machen und zu lesen. Ich bin 17 Jahre alt, weiblich und habe keine Geschwister. Außerdem habe ich mit sehr vielen Problemen zu kämpfen.
Es tut gut mit jemandem so locker zu reden ohne überlegen zu müssen was die andere Person von einem hält. Nicht immer darauf achten zu müssen keinen Fehler zu machen, das alle wieder etwas zu lästern haben. Einfach ich selbst sein.
Theboynextdoor: Na dann kennen wir uns jetzt schon mal ein bisschen besser ; )
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The shadow that I am
RomanceAngel ist das Mädchen das nur ausgenutzt wird und nicht wirklich Freunde hat. Was auch daran liegt das sie sich stark von allen distanziert, woran nicht ganz ihre Vergangenheit unschuldig ist. Sie ist für andere bloß ein Schatten, der zwar existiert...