Kapitel 22

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Mona

Ich weiß nicht, wie ich mich bei Tobio entschuldigen soll. Es war nicht meine Absicht seine Nachricht und Anrufe zu ignorieren. Ich fühlte mich einfach nicht in der Lage dazu, besser gesagt, ich habe mich selber unter Druck gesetzt.

Und jetzt, sitze ich im Klassenzimmer und versuche aufmerksam dem Lehrer zuzuhören, was mir mehr oder weniger gelingt. Davon mal abgesehen hat sich die Riesen Pommes heute nicht einmal umgedreht, um mir einen dämlichen Spruch rein zudrücken. Was ziemlich, ziemlich suspekt ist. Vielleicht liegt es daran, dass sie gegen Aobajohsai verloren haben. Wie es wohl Tobio damit geht? Seufzend, stütze ich meinen Kopf auf meine Hand ab und hole heimlich mein Handy raus. Heute früh, habe ich Tobio eine Nachricht geschrieben, mit dem Inhalt, ob er Lust hat in der Freistunde - die heute alle Klassen im ersten Jahrgang haben, für Englisch zulernen. Die Prüfungen stehen nämlich an und Tobio hat es wirklich nötig, sonst fällt er durch und dann heißt es tschüss Volleyball. Meine Nachricht hat er gelesen, es sind nämlich zwei Haken an meiner abgesendeten Nachricht zusehen. Er ignoriert mich also.. Was ich sogar nachvollziehen kann. Ich hätte vielleicht doch gestern, zu seinem Spiel gehen sollen. Mein Handy lege ich auf meinen Tisch und lasse diesmal einen lauteren Seufzer raus. Die Pommes vor mir zuckt leicht zusammen, aber umdrehen tut er sich jedoch nicht. Eigentlich müsste er sich jetzt beschweren, doch es kommt nichts.

Plötzlich vibriert mein Handy. Schnell schaue ich zum Lehrer, ob er was bemerkt hat, was zu meinem Glück nicht der Fall ist. Erleichtert, nehme ich sofort mein Handy zur Hand, in der Hoffnung, dass es Tobio ist. Die jedoch zerstört wird, als ich sehe, dass es nicht Tobio, sondern Yachi ist.

HY: 'Muss dir nach der Schule was erzählen. Habe mega coole Neuigkeiten!' -13:09
Neuigkeiten also? Ich bin gespannt, was es für welche sind.

Die Freistunde hat angefangen und alle meine Klassenkameraden, inklusive Pommes und Yamaguchi sind rausgegangen. Sie genießen bestimmt alle, das schöne warme Wetter. Na ja und ich warte immer noch auf Tobio. Gemeldet hat er sich auf Line nicht. Oh man, ich habe es wirklich verkackt bei ihm! Er wird nicht kommen.. Warum auch? Etwas betrübt lege ich meinen Kopf und Arme auf den Tisch. Ich kaue nachdenklich auf meine Oberlippe. Vielleicht sollte ich die Stunde einfach schlafen und später mit ihm, bevor sein Training anfängt, reden. Ja genau! Das ist eine gute Idee! Langsam schließen sich meine Augen, doch bevor ich einschlafe, vernehme ich einen sanften Druck auf meinen Kopf. Sofort bewege ich meinen Kopf nach oben, was dazu führt, dass ein stechender Schmerz sich in meinen Nacken ausbreitet. Doch dieser vergeht als meine Augen auf seine Treffen. Seine blauen Augen ziehen mich sofort in eine Art Trance hinein. Unglaublich schön.. "Tobio?", frage ich verwirrt. Er nimmt einen Stuhl zur Hand, schiebt ihn zu meinen Tisch und setzt sich gegenüber mich. "Warum schaust du so verdutzt?" Weil ich dachte du ignorierst mich und würdest nicht mehr hierher kommen. "Na ja, ich dachte du-" "Wollten wir nicht für Englisch lernen?" Ich nicke leicht eingeschüchtert von seinem scharfen und doch monotonen Frage. Er ist definitiv sauer auf mich, das merke ich sofort, an seiner angespannten Körperhaltung.

"Wer zur Hölle braucht schon Englisch? Wir leben in Japan, also reicht mein Japanisch vollkommen aus!", murmelt Tobio leicht passiv aggressive. Hach, er sieht wirklich süß aus, wenn er versucht sich anzustrengen. Es sind gut 30 Minuten vergangen, doch die angespannte Stimmung zwischen uns vergeht einfach nicht! Was soll ich nur dagegen tun? Sollte ich als erstes die Initiative ergreifen und mich einfach entschuldigen? Das ist doch, dass mindeste was ich tun kann, nach meinem inakzeptablen Verhalten in den letzten Wochen, auch wenn das alles einen Grund hat. Er ist gerade beschäftigt, Vokabeln in seinem Heft zuschreiben. Ich glaube, das wäre eine gute Möglichkeit. "Tobio", setzte ich mit fester Stimme an. Sein Blick wandert fragend zu mir. Ich atme tief ein. "Tobio, ich.. Ich wollte mich entsch-" "Hör auf!" Erschrocken von seiner harschen Aufforderung, nehme ich etwas Abstand zu ihm. "Hör auf! Hör einfach auf!" Er holt tief Luft. "Sag mir Mona, warum warst du gestern nicht da? Wieso hast du meine Anrufe und Nachricht ignoriert? Wieso? Wieso hast du mich alleine gelassen?" Sein Blick wirkt verzweifelt und doch so erdrückend. "Mona, antworte doch!" Ich habe Angst. Angst davor dir die Wahrheit zu sagen.. "Tobio.. Tobio, wir haben verloren." Oh Gott, warum bin ich so ein Feigling? "Oh", bringt er nur hervor. Er wirkt irgendwie erleichtert, aber warum? "Ich dachte schon, du wolltest die Schule wechseln, Mona.." Was? "Was?", gebe ich lauter von mir. Er schaut kurz zu mir, doch wendet seinen Blick sofort ab und schaut nun stur auf sein Blatt. "Ich hatte schon Angst, dass du.. Dass du mich auch verlassen würdest", flüstert er leise. Tobio.. Oh Gott, was habe ich nur getan? Ich weiß doch, wie schwer das für ihn ist, alleine zu sein, er braucht die Wärme! Wie konnte ich nur? Ich will mir garnicht vorstellen, was in ihm vorging, als er gegen Seijoh verloren hat.

If not us, who then?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt