Kapitel 31 - Eine Seefahrt, Die Ist Lustig, Eine Seefahrt, Die Ist Schön
Lillys Sicht
„Verzeihung, aber Ihr seid wohl aus der Seestadt?“, fragte Balin vorsichtig und mit behutsam erhobenen Händen um den Fremden nicht noch unnötig zu provozieren. „Dieser Kahn den Ihr da habt, ist der nicht zufällig zu mieten?“
Der Bogenschütze musterte Balin eingehend. Sein scharfer Blick wanderte über das verhärmte und geschundene Gesicht bis hin zu seiner nassen und verfranzten Kleidung. Ich fürchte im Moment sahen wir alle nicht ganz vertrauenswürdig aus.
„Wie kommt ihr darauf dass ich Euch helfen würde?“, fragte er, während er begann die Fässer in seinen Kahn zu laden, jedoch bemerkte ich, dass er aus dem Augenwinkel jeden von uns wachsam beobachtete. Er traute uns keinen Meter über den Weg, aber wer konnte ihm das verübeln?
„Nun, Eure Stiefel haben schon bessere Tage gesehen, wie auch euer Mantel und zweifellos müsst ihr hungrige Mäuler stopfen“, begann Balin sachlich über den Sachverhalt zu sprechen. „Wie viele Bälger sind es?“
„Ein Junge und zwei Mädchen“, antwortete der Bogenschütze ohne aufzusehen.
„Und eure Frau ist, so denke ich mir, wohl eine Schönheit“
Der Bogenschütze hielt in seiner Bewegung inne und sah mit einem schmerzlichen Ausdruck in den Augen auf. „Ja, das war sie“, sagte er tonlos und drehte sich um.
Bumm, das war wohl ein Eigentor
Balin schien seinen Fehler zu bereuen, denn auf seinem Gesicht spiegelte sich eine mitleidende Miene. „Verzeiht, das war nicht meine Absicht“, sagte der alte Zwerg und blickte peinlich berührt zu Boden.
„Ooh komm hör auf, Schluss mit den Höflichkeiten“, rief Dwalin ruppig dazwischen und verschränkte die Arme.
„Warum denn so eilig?“, fragte der Fremde und zog seine Augenbrauen argwöhnisch nach oben. Ich biss mir auf die Lippe. Der Mann, der hier vor uns stand war aufgeweckter, als man es ihm im ersten Moment zutraute.
„Was geht euch das an?“, schoss Dwalin mit einem finsteren Gesichtsausdruck zurück, den ich nur allzu gut kannte.
„Ich wüsste gerne wer Ihr seid und woher Ihr kommt“, fragte der Bogenschütze und ging vor Balin in die Hocke um mit ihm auf Kopfhöhe zu sein, während er ihn scharf zu musterte.
„Wir sind einfach Kaufleute aus den Blauen Bergen und auf dem Weg zu unseren Verwandten in den Eisenbergen“, antwortete dieser gelassen und lächelte den Bogenschützen unschuldig an.
„Genau“, murrte Sam neben mir und sah an sich hinunter. „So wie wir im Moment aussehen, sind wir ganz bestimmt reiche Kaufleute“
„Wir brauchen Essen, Vorräte, Waffen! Könnt ihr uns helfen?“, meldete sich Thorin nun zum ersten Mal zu Wort.
Der Fremde erhob sich wieder und ging zurück auf sein Boot. „Ich weiß nicht, was ihr mit den Elben zu schaffen hattet. Gut ausgegangen ist es nicht“, sagte er und fuhr mit den Fingern über die Dallen und losen Holzsplitter an einem Fass. „Ihr braucht die Erlaubnis des Bürgermeisters um in die Seestadt zu kommen. Sein ganzer Reichtum stammt aus dem Handel mit dem Waldlandreich. Er legt euch eher in Ketten, als dass er den Zorn Thranduils weckt“ Mit diesen Worten löste der Fremde seinen Kahn, der am Ufer vertäut gewesen war.
Na toll, Chance verpasst würde ich sagen
„Gib ihm mehr“, sagte Thorin auf Balins hilfesuchenden Blick hin.
„Ich wette in die Stadt kommt man auch irgendwie ungesehen“
„Ja aber dazu bräuchtet ihr einen Schmuggler“, meinte der Bogenschütze unbeeindruckt und ging weiter zum Steuer.
„Und dem bezahlen wir das doppelte“ Auf Balins Worte hin blieb der hochgewachsene Mann abrupt stehen. Langsam drehte er sich wieder zu uns um. Er schien sich zu überlegen, ob er den Handel annehmen sollte, als er schließlich leicht nickte.
„Na gut, kommt an Bord“, sagte er und kaum dass alle auf dem kleinen Kahn waren zog er das Ruder herum und steuerte in den See.
***
Die Kahnfahrt war nicht das Schlimmste was wir auf dieser Reise erlebt hatten, doch auch nicht das Schönste. Es war eine einzige graue Nebelsuppe, durch die uns der Bogenschütze steuerte. Felsen konnte man nur schemenhaft in dem dichten Dunst ausmachen und mehr als nur einmal befürchtete ich, dass wir an einem zerschellen würden. Es war eisig kalt und das Eis setzte sich teilweise schon an der von manchen Zwergen immer noch feuchten Kleidung an.
Mia hing schon seit den ersten fünf Minuten über der Rehling. Sie war ganz weiß, oder besser gesagt grün, im Gesicht angelaufen. Ich wusste, dass sie seekrank war und Schiffe und Boote jeglicher Art hasste.
„Warum mussten wir nur in diese Nussschale steigen“, murmelte sie matt, bevor es sie erneut würgte.
„Ich mach schon“, sagte Sam, als ich mich erheben wollte und ging zu ihr. Mild lächelte ich, als ich zusah, wie er ihr sanft die Haare aus dem Gesicht strich und ihren langen Schopf zu einem unordentlichen Zopf zusammenband. Er flüsterte ihr ein paar Worte zu und auf Mias Gesicht bildete sich ein Grinsen, wenn auch ihre Gesichtsfarbe noch nicht ganz so normal war.
Ich ließ meinen Blick über das Deck wandern und sah eine kleine zusammengesunkene Gestalt, die den Kopf auf die angezogenen Knie gelegt hatte. Sarah. Zögernd sah ich zu ihr hinüber und rang mit mir selbst. Ich wusste nicht ob es jetzt das Beste war, dass ich sie ansprach, doch es tat weh meine Freundin so verletzt zu sehen. Nachdem ich noch ein paar Minuten mit mir selbst gerungen hatte erhob ich mich und ging langsam auf sie zu. Als sie meine Schritte hörte hob sie den Kopf. Ihre rotverschwollenen Augen musterten mich kurz, doch als sie nichts sagte ließ ich mich zögerlich neben ihr niedersinken.
„Es tut mir leid“, murmelte ich schließlich und sah sie zögerlich von der Seite an. „Ich wollte nur…“ Ich brach ab und atmete tief durch. „Sarah, jeder Volltrottel sieht, dass Kíli dich mehr als nur mag, aber-“
„Aber was?“, fuhr Sarah mir dazwischen und sah mich teils wütend, teils fassungslos an. „Warum benimmt er sich dann, als wäre ich eine Transuse, die nicht mehr als ein nerviges Anhängsel funktioniert“
Sanft sah ich sie an uns musste leicht lächeln. „Weil du dich ein bisschen so aufführst“, erklärte ich ihr. Wütend blitzte sie mich an, doch bevor sie den Mund aufmachte, sprach ich schnell weiter. „Versteh mich nicht falsch, seine Reaktionen sind nicht gerechtfertigt, doch ich schätze, dass deine Fürsorge ein bisschen anders bei ihm ankommt, als du es eigentlich beabsichtigst“
Sarahs braune Augen sahen mich fragend von der Seite an.
„Ich mach mir doch nur Sorgen“, murmelte sie. „Wie…?“
„Naja, ich schätze er fühlt sich ein bisschen in seiner Männlichkeit gekränkt“ Ich musste ein kleines Grinsen unterdrücken, als ich das sagte. „Als einer der jüngsten in der Truppe und dann auch noch als Thorins Neffe hat er es nicht leicht. Er steht unter Druck und möchte sich beweisen, will zeigen, dass er trotz einer solchen Verletzung stark sein kann“
Auf Sarahs Gesicht zeichnete sich nun ein wissender Gesichtsausdruck ab und sie gab nur ein kleines „Oh“ von sich. Sie sah zu dem Braunhaarigen hinüber und legte die Stirn leicht in Falten. Schließlich nickte sie. „So habe ich das noch gar nicht gesehen“, murmelte sie.
Ich zuckte leicht mit den Schultern. „Ich kann dir nicht versichern, dass es stimmt was ich vermute, das sind nur meine Einschätzungen.
Sarah nickte noch einmal knapp. Sie sah mich nicht an und ich wusste, dass sie immer noch ein bisschen sauer auf mich war, konnte es ihr aber auch nicht verübeln. Also seufzte ich leise und erhob mich wieder. Sie wollte jetzt allein sein. Das spürte ich.
Ich ließ meinen Blick umherschweifen. Irgenwie hatte ich das Gefühl, dass ich im Moment bei jedem meiner Freunde nur störte und so suchte ich mir ein Plätzchen allein, als das Boot einen scharfen Schlenker machte.
„Vorsicht“, schrie Bofur fast gleichzeitig und ich erkannte, dass wir nur knapp einen Felsen verfehlt hatten, der plötzlich aus dem Nebel aufgetaucht war. Das war mehr als nur knapp.
„Was habt ihr vor?“, fragte Thorin zornig. „Wollt Ihr uns etwa ertränken?“
„Ich bin an diesem Wasser geboren und aufgewachsen, Meister Zwerg. Wenn ich euch ertränken wollte, würde ich es nicht hier machen“, erklärte ihm der Bogenschütze kühl und achtete gar nicht auf den scharfen Tonfall des Zwerges mit einem verachtendem Schnauben, was wiederrum ein zorniges knurren aus Dwalins Kehle hervorlockte.
„Dieser vorlaute Seemensch“, zischte er so leise dass Bard ihn nicht hören konnte, „Ich sage wir werfen ihn über Bord dann ist Ruhe“
„Bard, der Mann heißt Bard“, schoss Bilbo dagegen und verschränkte die Arme zitternd vor der Brust. Er war immer noch durchnässt und so wie es aussah fror er richtig, doch schien er gleichzeitig mit den Nerven ziemlich am Ende zu sein. Seine gereizte Stimmung war mehr als nur der Beweis dafür.
„Woher weißt du das?“, fragte Dwalin argwöhnisch und sah Bilbo kritisch an.
„Ich hab ihn gefragt!?“, sagte Bilbo und verdrehte die Augen.
„Ist mir egal wie er heißt, ich kann ihn nicht leiden“
„Na, das ist ja mal was Neues“, murmelte ich genervt und verdrehte ebenfalls die Augen.
„Wir müssen ihn nicht leiden, wir müssen ihn nur bezahlen und dabei haben wir nun ein kleines Problem. Es fehlen uns zehn Münzen.“, unterbrach uns Balin der auf dem Boden saß und vor sich kleine Türmchen aus Münzen aufstapelte.
Ich spürte die Blicke der Zwerge und zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich…“, stammelte ich und brach ab. „Ich habe kein Geld“, flüsterte ich Thorin leise zu der mich ebenfalls fragend ansah, aber zum Glück nur einen Meter neben mir stand. „Die Elben haben mir meine Tasche genommen, außerdem hätte ich nur Münzen aus meiner Heimat gehabt“
Mir war bewusst, dass jeder der Zwerge die Ohren gespitzt hatte und ersuchte meine Worte zu verstehen. Peinlich berührt kramte ich in meiner Hosentasche nach der 2€-Münze, die sich aus irgendeinem merkwürdigem Grund immer noch darin befand und reichte sie Balin. „Wir haben nur Geld von unserem Land“, sagte ich peinlich berührt. „Mehr habe ich nicht“
Neugierig betrachteten die Zwerge die Münze. „Wie schaffen es Eure Artgenossen in Eurem Land, so feine Gravierungen zu machen?“, fragte Balin der fasziniert über den Euro fuhr.
Ich zuckte nur mit den Schultern. „Also wenn es Euch etwas nutzt, dann nehmt es aber ich glaube kaum, dass es hier von Wert ist“
Balin zuckte leicht die Schultern und legte die Münze auf den Stapel.
„Das wsar jetzt aber nicht gerade viel“, meldete sich Glóin zu Wort und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich zog leicht den Kopf ein. „Wie schon gesagt. Im Moment habe ich nicht mehr“
„Ich dachte Ihr besitzt ein Königreich, solltet Ihr dann nicht noch ein bisschen mehr besitzen, als das, was Ihr uns gerade präsentiert?“
Ich konnte die Blicke der Zwerge spüren und wusste auch, dass sie eigentlich Recht hatten, doch ich konnte nicht mehr tun, als noch einmal hilflos mit den Schultern zu zucken.
„Glóin“, mischte sich nun Thorin plötzlich ein und sah den rothaarigen Zwerg streng an.
„Wenn sie nicht zahlt sehe ich keinen Grund warum ich zahlen muss“, fauchte Glóin nun.
„Jetzt reicht es endgültig“, sagte Thorin scharf und nun spürte ich wie er hinter mich getreten war und eine Hand, die schwer auf meiner Schulter lastete. Die Hitze schoss mir ins Gesicht und ich fühlte wie nah er war. So nah, dass sein Atem an meinen Nacken schlug. „Sie steht unter meinem Schutz. Wenn sie nicht zahlen kann, so wird das kein Grund sein es ihr in irgendeiner Form anzulasten“
Mein Herzschlag beschleunigte sich bei diesen Worten und ich versuchte keinen der Zwerge anzusehen, die mich alle mit riesigen Augen betrachteten. Sie waren erstaunt und das zu Recht. Wahrscheinlich speigelte sich mein erstaunter Gesichtsausdruck in den ihrigen wieder. Meine Wangen glühten und ich hoffte, dass ich nicht wie ein Stoppschild leuchtete.
„So jetzt fehlen uns aber immer noch zehn Münzen“, sagte Balin um das leicht peinliche Schweigen zu brechen. „Krempelt eure Taschen um, Jungs“
„Glóin, komm schon“, meinte Thorin streng und ich spürte seine Hand immer noch auf meiner Schulter liegen.
„Seht mich nicht so an“, rief der rothaarige Zwerg empört. „Diese Reise hat mich völlig ausbluten lassen. Und was habe ich für meine Aufwendungen bekommen? Nichts außer Kummer und Leid-“
Er unterbrach sich und verwirrt beobachtete ich, wie sich alle Zwerge erhoben und ihre Blicke zum Horizont richteten. Ich folgte ihrem Beispiel und konnte nun einen schemenhaften Schatten durch den Nebel erkennen, einen Schatten, der unverkennbar war. Der einsame Berg.
„Nehmt es, nehmt alles“, sagte Glóin leise und streckte Balin ein kleines Säckchen mit Geld hin.
Peinlich berührt stand ich mitten alle dieser Zwerge und starrte den Berg an. Ich fühlte mich ein bisschen fehl am Platz, den für bedeutete der Berg nicht das, was er für die Zwerge bedeutete. Also senkte ich den Blick und ließ den Augenblick gewähren, als er auch schon unterbrochen wurde.
„Das Geld, schnell!“ Bard kam auf uns zu geeilt und seine Augen hatten schnell den Haufen mit Silbermünzen gefunden, den Balin fein säuberlich vor sich aufgestellt hatte
„Wir werden Euch erst bezahlen, wenn wir unsere Vorräte haben“, sagte Thorin finster, während er mich nun losließ.
„Wenn Euch die Freiheit lieb ist, dann tut Ihr was ich Euch sage. Da vorne stehen Wachen“, zischte Bard und deutete durch den Nebel nach vorne. Als ich genauer hinsah, erkannte ich ein paar Stege und Holztürme, die sich schemenhaft von dem nebligen Hintergrund abzeichneten. „Schnell jetzt, in die Fässer“, rief Bard und die Zwerge machten sich mit lautem Murren daran wieder in ihre Fässer zu klettern, während Bard das Geld einsteckte.
„Thorin, ich-“, fing ich an, doch er unterbrach mich.
„Klettere in das Fass“
Ich dachte daran zu protestieren, ließ es dann jedoch bleiben und griff nach dem Fassrand um mich nach oben zu ziehen, bevor ich die Beine in das Fass schwang. Kaum dass ich auf dem Boden des Fasses saß erbebte es leicht und eine Sekunde später saß Thorin neben mir. Und schon wieder spürte ich, wie sich mein Puls beschleunigte.
Ich holte tief Luft, bevor ich erneut leise anfing zu sprechen. „Danke“, murmelte ich und hob leicht den Kopf um ihn anzusehen. „Aber das hättest du nicht tun müssen“
Thorin schmunzelte leicht, er wusste sofort von was ich sprach. „Ich weiß“, stimmte er mir zu. „Ich hätte das nicht tun müssen. Aber ich wollte es so“
Überrascht hob ich den Kopf noch ein Stückchen weiter und konnte erkennen, wie wer mich warm anlächelte. Schüchtern lächelte ich zurück.
Nach ein paar Minuten war immer noch nichts passiert und langsam wurde ich unruhig. Ich konnte weder sehen noch hören, was da draußen passierte, doch je länger ich warten musste, desto zappeliger wurde ich.
„Was passiert da draußen?“, fragte ich Thorin nervös. Warum zur Hölle konnte dieser denn nur so ruhig bleiben?
Doch Thorin kam zu keiner Antwort, denn eine Menge Fisch leisteten und auf einmal Gesellschaft. Eine sehr große Menge Fisch. So viel, dass ich mir sich war, dass man nicht einmal mehr meinen Scheitel sehen konnte. Ich unterdrückte ein angeekeltes Geräusch und versuchte so wenig von dem Fischgeruch einzuatmen. Eigentlich mochte ich Fisch, also so zum Essen, aber ihn dann im Gesicht haben ist dann noch eine ganz andere Sache. Er war glitschig und stank fürchterlich.
(2 493 Wörter)
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Eine Reise Zum Erebor - in Überarbeitung
FanfictionEine unerwartete Reise nach Mittelerde, Neue Kräfte, Gefahren, Kämpfe und Abenteuer, Bla Bla Bla... Von solchen Klapptexten hast du sicher schon Tausende gelesen und wahrscheinlich gibt es auch schon tausende Storys, die meiner sehr ähnlich sind. Do...
