20. Absturz Und Niederlage

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Kapitel 20 - Absturz Und Niederlage

Lillys Sicht

Benommen richtete ich mich auf und tastete besorgt meinen Rücken ab. Es war nichts passiert, zumindest schien nichts gebrochen oder anderweitig beschädigt zu sein.
„Alles in Ordnung?" Mia zog mich auf die Beine und ich musste sie nicht einmal anschauen um zu wissen, dass sie mich besorgt musterte. Ich öffnete den Mund um ihr zu antworten, doch nur ein heißeres Husten kam heraus. Entsetzt umfasste ich meinen Hals und spürte sogleich eine warme Schwellung.
„Na das sagt schon alles"
Hilflos zuckte ich mit den Schultern, nach einem weiteren erfolglosen Versuch zu sprechen. Ich war schon genug damit beschäftigt nicht in Panik zu verfallen, denn ich wusste, was ich für Schäden davon tragen konnte, wenn es ganz schlimm kam, konnte ich meine Stimme ganz zum Mond schießen und mir die Gebärdensprache aneignen, doch im Moment hatte ich um einiges mehr Angst vor dem Ork, der gehässig in meine Richtung sah. Er würde mir den Stich mit dem Messer nicht so einfach verzeihen.
„Mit dir wird die Folter beginnen" Sein Fetter Finger schwenkte genau vor meine Nase und es viel mir schwer mein Entsetzen zu verbergen.
„Nein!" Ich atmete erleichtert auf als Thorins breiter Rücken mich vor dem fetten Ork verbarg. „Du wirst das bereuen", sagte er ganz ruhig. „Wie tief muss man sinken um eine Frau zu schlagen?"
Ich wusste nicht wieso, aber irgendwie fand ich seine Worte ein bisschen erniedrigend, doch die Zwerge gaben zustimmende Laute von sich und Mia zog mich währenddessen wieder auf die Füße. „Kannst du alleine stehen?", fragte sie mich und ich nickte. Tatsächlich schmerzte mein Rücken gar nicht so sehr, es war eher der Hals, der mir Sorgen bereitete, aber um den brauchte ich ja glücklicherweise nicht zum Stehen.
„Ich kenne jemanden der einen hübschen Preis für deinen Kopf zahlen würde, und nur für den – ohne noch etwas daran" Der fette Ork ließ sich mit einem lauten pflatschen auf seinen Thron zurückplumpsen und zermanschte dabei auch noch ein paar seiner Untertanen. Warum auch nicht, er hatte ja mehr als genug von denen. „Es ist ein guter alter Feind von dir, ein bleicher Ork, auf einem weißen Warg"
„Azog der Schänder wurde vernichtet. Er wurde im Kampf getötet, vor langer Zeit", sagte Thorin kalt.
„Du denkst also seine Zeit als Schänder ist vorbei?", fragte der fette Ork und lachte lauthals auf, was den Schwabbel unter seinem Kinn, vibrieren ließ. „Benachrichtige den Bleichen Ork. Sag ihm ich habe gefunden wonach er sucht" Er taxierte Thorin freudig mit den Augen.
Mit lautem Lärm trat plötzliches Gejohle auf und es drehte mir den Magen um, als ich erkannte warum. Über die dünnen, wackeligen Brücken wurden schwere Maschinen gezerrt. Zu meinem Grauen konnte ich mir bildlich vorstellen, wie es wäre daran Schmerzen zu erleiden und um das alles noch zu steigern fing der Orkkönig zu singen an. Mit schiefer und rauer Stimme begann er ein scheußliches Lied zu schmettern:
„Knochen werden brechen, Hälse umgedreht. Alles wird zerdrückt, geschlagen und gequält"
Die Begeisterung und Freude, die in seinen Worten steckte war unüberhörbar. Je näher uns die Gerätschaften kamen, desto mehr begannen die Zwerge sich zu wehren, als ein schrilles Aufkreischen alle herumfahren ließ. Ein Ork hatte unsere Waffen untersucht und Orcrist aus seiner Scheide entfernt. Die blau leuchtende Klinge lag auf dem dreckigen Holzboden und leuchtete hell durch die ganze Höhle. Ein metallisches Klingen und der fette Ork rannte vor Panik zurück zu seinem Thron.
„Das ist Orcrist", schrie er und drückte sich noch näher an seinen Thron und wie auf Anhieb begannen die Goblins mit Peitschen auf uns einzuprügeln. „Die Klinge die tausend Hälse durchschnitten hat! Zerfetzt sie, erschlagt sie, tötet sie. Tötet sie alle!"
Ich hob schützend meine Hände nach oben über den Kopf um mich vor den Peitschenhieben zu schützen. Jeder Hieb brannte auf der Haut und schon nach kurzer Zeit waren meine Hände rot und zerfurcht. Mein Kopf ruckte heftig zur Seite als ein Hieb mich unerwartet an der Wange traf. Ungewollt schlug ich auf den Knien auf und kauerte mich auf den Boden, die Hände immer noch schützend erhoben, als plötzlich blendendes blaues Licht erstrahlte und eine enorme Druckwelle drückte uns zu Boden. Blinzelnd hob ich den Kopf und versuchte irgendetwas zu erkennen. Aus der Mitte des blauen Lichts trat eine einzelne Gestalt hervor, die mit Schwert und Stab auf uns zugeschritten kam – Gandalf!
„Nehmt eure Waffen. Kämpft – Kämpft!" Er hob Glamdring in die Höhe und wie auf Kommando erhoben sich die Zwerge, ermutigt durch das Erscheinen des Zauberers.
Die erste Welle, mit der wir uns herumschlugen war die schlimmste. Es war ein harter Kampf um die Oberhand und es schien nicht so, als würden wir gewinnen. Der bloße Versuch einen Angriff eines Goblins abzuwehren, war kräftezehrender, als man sich es vorstellen konnte und wäre da nicht die Angst, die einen antrieb, hätten wir wahrscheinlich schon längst einpacken können. Schon nach zehn Minuten waren alle außer Atem und beschränkten sich auf die einfachsten Methoden der eigenen Abwehr. Im Hinblick darauf, dass wir so wenige und die Goblins deutlich in der Überzahl waren, schlugen wir uns wacker. Auch wenn ich immer wieder davon überrascht wurde, zu was selbst ich unter Einfluss des Adrenalins fähig war. Dennoch war es anstrengend und wenn ich nicht zu beiden Seiten Mia und Sam gehabt hätte, die mir hin und wieder Flankenschutz gaben, wusste ich nicht ob ich ansonsten mit den anderen hätte mithalten können.
„Lauft", brüllte Gandalf und spornte alle zusätzlich an, was eigentlich überflüssig war, denn wir rannten schon, als wäre der Teufel hinter uns her.
Mittlerweile rangen auch die anderen nach Atem, nun nicht ganz alle. Sam und Mia joggten noch so lässig durch die Gegend wie am Anfang. Ihnen rann genauso wie mir der Schweiß vom Gesicht.
„Man, diese Teile nerven" Sam holte energisch mit seinem Langschwert aus und schlug so fest er konnte auf einen Goblin ein. „Ich hab bestimmt schon um die 100 Stück erstochen, erschlagen, geköpft oder in den Abgrund geworfen, aber diese Viecher lassen einfach nicht locker. Ich merke, wie mir so langsam aber sicher die Puste ausgeht"
„Haha", meinte ich tonlos, obwohl ich kaum Luft zum Sprechen zur Verfügung hatte. „Immerhin schnauft ihr nicht schon wie ein Walross"
„Und das soll was Neues sein?", fragte Sam und zog grinsend eine Augenbraue nach oben. Ich öffnete protestierend den Mund, schloss ihn dann aber wieder, weil ich beschloss den Atem und die Kraft dazu zu nutzen nicht irgendwie aufgespießt zu werden.
Wir wurden immer langsamer und als wir auf einer Holzbrücke ankamen, konnte ich nicht mehr. Schwer atmend, mit schmerzenden Lungen hielt ich erschöpft an und stemmte mich mit den Armen auf den Knien ab. Ich spürte, wie mir die Schmerzen am Rücken zusetzten und versuchte tief durchzuatmen.
„Lilly, komm weiter", brüllte Mia, die mich am Arm packte und weiterzerrte, als vor uns der fette Ork durch das Bodenholz der Brücke brach. Das wackelige Gestell schwanke und bebte fürchterlich unter der Last, die es zu tragen hatte.
„Habt ihr geglaubt ihr könntet mir entkommen?", fragte der Ork und schlug mit seinem Zepter nach den vordersten Zwergen und dem Zauberer, der sich nur knapp zur Seite wegducken konnte um nicht erschlagen zu werden. Das Zepter, das der Ork in seinen fleischigen Händen hielt bestand aus einem langen Stab, der an der Spitze einen aufgespießten Schädel mit zwei spitzen Hörnern und hatte. Gandalf war zurückgewichen, den eigenen Stab und das Schwert fest zur Verteidigung erhoben, als der Ork einen erneuten Schwinger in seiner Richtung tat. Der Zauberer wich aus und wäre beinahe hinuntergefallen, hätten ihn Ori und Nori nicht gehalten.
„Und was machst du jetzt, Zauberer?", fragte der Fette und beäugte Gandalf mit seinen kleinen, hässlichen Augen, sich selbst in Sicherheit und im klaren Vorteil sehend.
Mit einer schnellen Bewegung, die man einem so alten Mann nicht zugetraut hätte, wirbelte Gandalf seinen Stab herum und stieß ihm mitten in das Gesicht. Der Ork verfiel in ein schmerzhaftes Geheul, als Gandalf noch einmal ausholte, dieses Mal aber mit Glamdring, und ihm mit einem Streich den Bauch auf säbelte.
Der fette Ork ging in die Knie. „Das dürfte reichen", brachte er noch heraus bevor Gandalf ihm den Hals durchschnitt und er vorn über auf die Brücke krachte. Erleichtert atmete ich auf, als ich das bedrohliche knarzen der Brücke vernahm. Vorsichtig setzte ich einen Fuß nach vorn, als ein lautes Knacken und Krachen ertönte und die Brücke unter der gesamten Last brach.
Mit einem entsetzen Aufschrei stürzten wir mit rasender Geschwindigkeit den steinigen Abhang hinunter. Mir wurde schlecht, als mir der Wind an uns vorbeipfiff und ich mich in den Holzblanken der Brücke festkrallte, sodass ich schon Angst hatte, meine Fingernägel würdenstecken bleiben. Mit einem heftigen Aufprall kamen wir am Boden auf und obwohl es mir erst einmal die Luft aus den Lungen presste konnte ich erleichtert aufatmen.
„Naja, es hätte auch schlimmer kommen können", meinte Ori der ebenfalls sehr erleichtert aussah und sich mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn rieb. Kaum waren ihm diese Worte über die Lippen gekommen gab es ein lautes Krachen und im nächsten Augenblick lag der fette Ork genau auf uns drauf. Mit einem gequältem, schmerzerfülltem Stöhnen versuchte ich mich unter dem Gewicht zu bewegen. Warum musste er auch das Schicksal herausfordern? Hätte er doch bloß nichts gesagt.
„Das soll wohl 'n Scherz sein?!", presste nun auch Kíli mühsam zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus, als ein fürchterliches Geheul einsetzte.
Ich hob meinen Blick nach oben und erkannte tausende Goblins, welche die Schlucht zu uns heruntergestürmt kamen. Das waren zu viele, das würden wir nie schaffen!
„Lauft", schrie Gandalf, heute schon zum zweiten Mal. „Das Einzige was uns noch retten kann ist Tageslicht"
Oh, wunderbar. Nach dieser Reise würde ich bestimmt Gold im Marathonlauf der Frauen bei Olympia gewinnen. Mit einem theatralischen Aufseufzen befreite ich mich von den Holzstückchen, Trümmern und dem Staub, der mich noch immer bedeckte. Als ich mich erhob, viel mein Blick auf Kíli. Der junge Zwerg schien im Zwiespalt, denn sein Blick wanderte von dem rettenden Pfad zurück und suchte die Dunkelheit des Berges. Ich wusste mit was er zu kämpfen hatte, mir selbst erging es bricht anders und ehe ich die Stimme erheben konnte, tat er es schon.
„Ich gehe hier nicht ohne Sarah raus", brüllte er schon fast und stemmte entschlossen seine Hände in die Seiten. Seine Augen suchten nach Verbündeten und mit einem trotzigen Blick stellte ich mich neben ihn.
„Da schließe ich mich ihm an", erklärte ich. Meine Stimme war zwar nicht mehr als ein raues Krächzen, doch ich war froh, dass sie überhaupt noch vorhanden war und blickte alle anderen herausfordernd an.
„Seit nicht dumm, sie verfolgen uns schon", knurrte Glóin.
„Er hat Recht, wir gehen", sagte Thorin bestimmt und hob mahnend eine Augenbraue.
„Du kannst uns nicht zwingen", fauchte ich aufgebracht und ärgerte mich über meine Stimme, während ich spürte, wie ich wieder in mein altes Muster zurück fiel. Ich schaffte es einfach nicht normal mit dem Zwerg zu reden. Jedes Mal artete es zwischen und beiden aus.
„Doch und wenn es nicht anders geht, dann trage ich dich", knurrte Thorin und sah mich finster an.
„Sag mal spinn-", schnappte ich, bevor ich registrierte was er da gesagt hatte und mir verdutzt der Mund offen stand. „Du tust was?"
Thorin ignorierte mich, doch es war mir aus irgendeinem Grund egal, denn das was er gerade gesagt hatte bewies, dass er mich nicht so schlimm fand, wie er sich mir gegenüber immer gab. Doch noch viel verwirrender war, dass ich mir überhaupt darüber Gedanken machte und mich darüber freute. Gestresst rieb ich mir die Schläfe. Ich sollte ganz dringend klären wie ich zu dem Zwerg stand, denn meine Gefühle fingen an mich zu überfordern.
Ich spürte wie Sam von hinten an mich heran trat und mir eine Hand auf die Schulter legte. „Lilly, lass stecken"
Protestierend öffnete ich den Mund, doch Sam schüttelte den Kopf. „Ich finde es selbst nicht gut, doch wenn wir da hinein gehen, oder noch länger warten, bedeutet das den sicheren Untergang. Wir werden uns sammeln und zu einem anderen Zeitpunkt nach ihnen suchen"
Ein Blick in sein Gesicht sagte mir, dass er es durchaus ernst meinte. Geschlagen nickte ich, es war wohl das Beste. Sam drückte mir die Schulter und ich hoffte, dass wir die richtige Entscheidung trafen.

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Eine Reise Zum Erebor  - in ÜberarbeitungGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt