48. Versagt

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Lillys Pov

„Sollten wir nicht langsam zurückgehen?" Sarahs Frage, obwohl leise gestellt, zerriss die vollkommene Stille um uns herum. „Nicht das man sich Sorgen um uns macht."

„Ich weiß nicht...muss das wirklich sein?", murmelte ich schläfrig. Ich hatte mich rücklings ins Gras zurückfallen lassen und die Arme ausgestreckt. Es war Nacht geworden und entspannt, wie schon lange nicht mehr lag ich unter dem pechschwarzen Himmel. Unzählige Sterne tauchten auf und begannen um die Wette zu strahlen, während keiner von uns beiden  die letzten Stunden auch nur ein Wort verloren  hatte. So war es zu einer angenehmen Stille ausgeartet. Demonstrativ schloss ich die Augen und drehte den Kopf zur Seite, ich würde am liebsten noch eine ganze Weile einfach nur so daliegen.

Sarah gab ein leises Lachen von sich. „Du kannst dich nicht ewig drücken, Lilly. Du weißt, dass wir wieder zurückmüssen", sagte sie mahnend und ich hörte das Kies unter ihren Füßen knirschen, als sie aufstand. „Na komm, steh auf"

Mit einem geschlagenen Seufzen öffnete ich die Augen und blickte ihr direkt ins Gesicht. Sie lächelte leicht und streckte mir ihre Hände entgegen. „Na gut", murmelte ich wenig begeistert und ließ mich von ihr nach oben ziehen.

„So schlimm wird's schon nicht werden", versuchte Sarah mich aufzumuntern, während wir uns an den Abstieg machten. Ich erwiderte nichts, sondern konzentrierte mich darauf, auf dem losen Schotter nicht abzurutschen. Noch einmal warf ich einen Blick zurück und es kostete Überwindung, um dem kleinen stillen Örtchen einfach den Rücken zuzudrehen. Mit schweren Schritten kletterten wir immer weiter hinunter und schon bald konnten wir lautes Rumpeln hören, Stimmen, die sich gegenseitig etwas zuriefen. Ein schwacher Lichtschein flackerte unruhig hin und her.

„Was ist denn da unten bei denen los?", fragte Sarah alarmiert und blieb stolpernd stehen.

Ratlos zuckte ich mit den Schultern und reckte den Hals um irgendetwas zu erkennen. „Sieht so aus, als wären alle beim Tor", erklärte ich ihr verwirrt und gleichzeitig besorgt. War irgendetwas vorgefallen? „Vielleicht sollten wir uns beeilen"

„Du hast Recht", Sarah setzte sich wieder in Bewegung und begann hastig den dünnen, rutschigen Pfad hinabzusteigen. Mit klopfendem Herzen folgte ich ihr. Aber was sollte bitte passiert sein? Orks vielleicht? Oder aufmüpfige Massen der Menschen aus der Seestadt? Wir hatten vorhin gesehen, dass die Lichter in Thal zu brennen anfingen. Die Menschen, waren  dorthin geflüchtet um sich dort einen Unterschlupf zu suchen. Doch es konnte kaum sein, dass sie schon soweit wieder bei Kräften waren um sich einem Haufen von Zwergen zu stellen, die den Berg auf alle Fälle verteidigen würden. Kopfschüttelnd machte ich mich von meinen Gedanken los und folgte Sarah weiter den Pfad hinunter. Sie hatte eine erstaunliche Kondition entwickelt, während meine sicherlich noch so schlecht war wie am Anfang unserer Reise.

Schließlich endete der Pfad und keuchend kam ich hinter Sarah zum Stehen. Mit verzogenem Gesicht stemmte ich mir die Arme in die Hüfte und ignorierte das fiese Seitenstechen, das sich mit einem gemeinen Poch bemerkbar machte. „Was tun sie denn da?", fragte ich und holte noch einmal tief Luft. So wie Sarah den Berg hinabgesprintet war, musste man meinen sie trainierte für die Olympischen Spiele.

„Sieh bauen das Tor wieder auf.", murmelte Sarah und drehte sich mit einem besorgten Blick zu mir um. „Aber was wollen sie damit bezwecken?"

Ich besah mir das Tor genauer und stellte fest, dass es stimmte. Sie hatten begonnen, aus zertrümmerten Mauerstücken die Öffnung des zerborstenen Tors zu stopfen. „Keine Ahnung, aber ich glaube wir sollten da lieber reinklettern, denn wenn die Mauer noch mehr wächst, werden wir wohl nicht wieder in den Berg kommen.", stellte ich fest und nickte mit dem Kopf zum Tor hinüber.

Eine Reise Zum Erebor  - in ÜberarbeitungGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt