Kapitel 55 - Der Schmerz Des Verlusts
Lillys Sicht
„Ihr verdammten Drecksviecher"
Ich schrie und brüllte, zum einen Teil um mir den Frust von der Seele zu schreien, zum anderen, aber im Moment viel wichtigerem Teil um meine stark aufkommende Erschöpfung zu unterdrücken. Aus dem Augenwinkel konnte ich Sam und Mia sehen, die sich an meiner Seite auf den Berg zu schlugen, doch die Welle von Orks nahm nicht ab und schon seit Minuten hatte ich das Gefühl auf der Stelle zu treten. Wir kamen einfach nicht voran, um keinen einzigen, noch so kleinen beschissenen Millimeter.
„Lilly", brüllte Sam mir zu, der seine Klinge herumwirbelte wie ein tödlicher Wirbelsturm. „Pass auf...hinter dir!"
Ich hatte nicht mehr die Zeit mich umzublicken, sondern reagierte nur noch aus Instinkt und duckte mich. Nur noch das Zischen des tödlichen Metalls, welches über mir hinwegfegte nahm ich wahr. Ich drehte mich und stieß dem Ork meinen Dolch geschickt unter dem Brustharnisch in die Rippen. Der Schrei des Orks ging in dem übrigen Kampflärm unter und ich hob die Hand. Das orangene Flackern meines Feuers erhellte noch kurz die schwarzen Augen des Orks, ehe er zusammenklappte und auf dem Boden liegen blieb.
Ich keuchte und stützte die Hände auf meinen Knien ab, in der Hoffnung, dass Mia und Sam mir für einen Augenblick den Rücken freihielten.
„Wir müssen den Rückzug antreten", schrie Mia und ihre Stimme wurde durch den Lärmpegel beinahe verschluckt. „Wir kommen so nie und nimmer durch"
Ich schüttelte den Kopf. „Aber Sarah-"
Sam unterbrach mich. „Lilly, ich will Sarah auch wieder bei uns haben, doch so wie es aussieht ist sie im Berg im Moment am sichersten" Er sah nur kurz einmal, zu mir, ehe er wieder aufmerksam dem Kampf zusah. Im Moment sah es so aus, als hätte es sich an unserem Standpunkt ein wenig beruhigt, aber ich wusste und konnte auch beobachten, wie schnell sich diese Situation wieder ändern konnte. Vor dem Berg waren die Orks und kämpften mit Dáins Männern, während aus den Erdlöchern immer noch mehr der widerlichen Kreaturen strömten.
Mia nickte zustimmend. „Hör mal, ich mach mir auch Sorgen um sie, doch wem helfen wir wenn wir getötet werden"
„Na gut" Unschlüssig sah ich erst zum Berg und dann wieder zu den beiden. „Und was schlagt ihr vor"
„Wir ziehen uns nach Thal zurück und überblicken unsere Ressourcen. Sammeln uns und überlegen wie wir am besten in den Berg gelangen" Erklärte Sam und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Ich musterte die beiden kurz. Sie waren mit Blut und Dreck beschmiert, doch keiner von ihnen schien ernsthaft verletzt zu sein. Noch nicht. „Ok, dann los"
Ehe ich den beiden nachsetzte warf ich noch einen letzten besorgten Blick zum Berg und hoffte inständig, dass die Tore halten würden, sollten die Orks je bis an die Mauern gelangen.
Wir waren kaum zehn Meter weit gekommen, als ein Horn ertönte. „Was war das?", fragte ich
„Das war weder ein Horn der Elben, noch der Menschen und vom Berg kam es auch nicht", murmelte Sam, der ebenfalls inne gehalten hatte. Dann ertönte ein Krachen und eine riesige Glocke brach durch die gemauerte Barriere des Erebors.
„Was passiert da gerade?", rief ich panisch und versuchte meinen Hals so zu strecken, dass ich erkennen konnte, was beim Berg vor sich ging.
„Keine Ahnung Lilly" Sam klang außer Atem und packte mich beim Arm um mich weiter zu ziehen. „Aber komm schnell" Er deutete mit dem Finger nach rechts und ich sah was er meinte. Eine Orkwelle stürmte brüllend auf uns zu.
Besorgt schüttelte ich kurz den Kopf, wir hatten jetzt keine Zeit uns darüber Gedanken zu machen. Ich rannte weiter, Sam und Mia hinterher. Wir versuchten uns aus den Kämpfen soweit es ging herauszuhalten, machten einen großen Bogen um das Schlachtfeld, zumindest um den Teil, der vorne an der Front nur noch nach einem brüllenden Haufen aussah.
Auch die Mauern Thals waren überrannt worden. Überall krochen Orks die Mauern hinauf und rissen sie ein. Wie Termiten fraßen sie sich zum Ziel.
„Durch das Haupttor kommen wir niemals hinein", brüllte ich über den Kampfeslärm und hoffte, dass Mia und Sam mich verstanden, denn sie waren mir schon um mindestens zwanzig Meter voraus.
„Ich weiß", schrie Sam zurück. „Wir klettern über den östlichen Wachturm hinein" Er rannte mit genügend Abstand am Tor vorbei und schlug links aus um an der Mauer entlang zu rennen. „Da", er blieb nach ungefähr zehn Minuten stehen und deutete auf einen ziemlich maroden Turm, an dem jedoch stabil aussehende Kletterpflanzen wuchsen.
„Könnte klappen", stieß ich mühsam zwischen zwei schweren Atemzügen hervor. Ich hatte meine Hände auf die Knie gestützt und versuchte meine Lunge zu entlasten, die sich so anfühlte, als müsste sie gleich aus meinem Brustkorb heraus explodieren.
„Na dann los", Mia ließ mir keine Zeit mich wieder endgültig zu erholen.
Sam nickte und sah mich an. „Du als erstes, dann Mia und dann komme ich", erklärte er und fügte zu meinem fragendem Gesichtsausdruck hinzu. „Wenn wir alle drei gleichzeitig hinaufsteigen, hält die Pflanze unser Gewicht nicht aus...also beweg dich endlich"
Gnadenlos scheuchte er mich den Turm hinauf, während er selbst mit wachsamen Blick die Umgebung abcheckte. Ich griff nach der ersten, stabil aussehenden Ranke und zog mich hoch. Es war schwer und mühsam und es dauerte nicht lange bis meine Arme und Beine vor Anstrengung brannten und zitterten, doch es war zu schaffen und ich kam sogar verhältnismäßig schnell voran.
„Jetzt du", hörte ich Sam sagen, als ich die Hälfte erreicht hatte. Ich hörte Mia protestieren, doch Sam unterbrach sie ziemlich schnell.
„Ich möchte das jetzt nicht diskutieren", erklärte er und sogar von hier oben konnte ich sehen, dass er sie müde, aber auch liebevoll anlächelte. „Tu es einfach, ja?"
Mia nickte stumm und legte die Hände an die Pflanze. Doch gerade, als sie fast bei mir angelangt war – sie war um einiges schneller im Klettern als ich – konnte ich sehen, wie eine Schar Orks auf uns zugestürmt kam und dann ging alles sehr schnell. Sam hatte mit einer schnellen Bewegung sein Schwert gezückt und ich Mia versuchte panisch wieder zu ihm zurück zu kommen, um ihm zu helfen. Es war ein verbissener Kampf und ich wusste, dass es nicht gut ausgehen würde, dafür waren es einfach zu viele. Ich brüllte ihnen Sam zu und wollte nun ebenfalls Mia hinterher, zu ihm hinabklettern, ihm helfen, doch gerade als ich mich in Bewegung gesetzt hatte krachte es entsetzlich. Das letzte was ich spürte war, dass sich durch die Luft geschleudert wurde und mit einem dumpfen Schlag hart auf dem Boden aufschlug. Schmerzhaft stöhnte ich auf, als mir die Luft mit einem Schlag aus den Lungen gepresst wurde. Husten rollte ich mich zur Seite und versuchte wieder genügend Luft zu bekommen. Mein Schädel hämmerte und ich spürte wie mir ein Rinnsal Blut in die Augen lief. Meine Sinne schienen vollkommen durcheinander, doch das einzige was ich suchte waren Mia und Sam. Mühsam rappelte ich mich auf die Beine, taumelte und stürzte wieder. Mein Blick suchend umhergeleitend entdeckte ich den Grund meiner Situation. Der Wachturm existierte nicht mehr. Riesige Gesteinstrümmer lagen aufeinandergestapelt und überall vernebelte Staub die Sicht.
„Mia", schrie ich panisch und krabbelte auf die Fragmente zu, die früher einmal ein Turm waren. „Sam"
Doch niemand antwortete mir. Ich zog mich an einem Trümmerstück nach oben und lauschte panisch dem Kampflärm.
„Mia", brüllte ich noch einmal. „Sam"
Doch es kam wieder keine Antwort. Langsam begann mein unter Schock gesetztes Hirn zu begreifen, dass sie wahrscheinlich hinter dem hohen Trümmerhaufen, der mir die Sicht versperrte sein mussten. Mitten unter tausenden Orks...quasi dem Tode geweiht.
„Oh nein" Ein Schluchzen drang aus meiner Kehle ehe ich schwankend auf den Trümmerberg zurannte. „Mia, Sam"
Tränen brannten mir in den Augen und verschleierten mir die Sicht, als ich nach einem Weg suchte zu ihnen zu gelangen, doch so hoch der Turm gewesen war, so hoch waren auch seine Trümmer...es gab keine Chance zu ihnen zu gelangen. Erschöpft ließ ich mich wieder auf die Knie sinken und schlug die Hände vor das Gesicht, während mir die Tränen heiß über das Gesicht flossen. Es war unfair und ich wusste nicht was ich mit dem ganzen Schmerz anfangen sollte der sich immer stärker in meiner Brust ansammelte...außer ihn heraus zu lassen.
Ich schluchzte laut auf und dann ging alles sehr schnell. Ich hörte nur noch das unverkennbare Kreischen eines Orks. Mit einer schnellen Bewegung drehte mich um, als ein heftiges Beben die Erde erschütterte. Der Ork, der schon fast bei mir angekommen war kam genauso wie ich ins Taumeln und stürzte dennoch auf mich zu. Ich schaffte es gerade noch meinen Dolch zu ziehen, als die Erde wieder bebte. Ich hielt den Dolch schützend vor meinen Körper, als ich spürte, wie mir der Boden unter den Füßen weggerissen wurde und hart mit dem Kopf aufschlug.
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Eine Reise Zum Erebor - in Überarbeitung
FanfictionEine unerwartete Reise nach Mittelerde, Neue Kräfte, Gefahren, Kämpfe und Abenteuer, Bla Bla Bla... Von solchen Klapptexten hast du sicher schon Tausende gelesen und wahrscheinlich gibt es auch schon tausende Storys, die meiner sehr ähnlich sind. Do...
