56. Kampf Um's Überleben

513 38 1
                                        

Kapitel 56 - Kampf Um's Überleben

(kurzes Zwischenkapitel)

Mias Sicht

„Mia...Mia"
Das war mein Name – er drang gedämpft zu mir hindurch, als ob jemand hinter einer dicken Glasscheibe nach mir schreien würde.
„Mia", erklang es abermals, dieses Mal viel lauter. Warum zum Teufel wurde ich so panisch gerufen? Ein rütteln durchzuckte meinen Körper und ich spürte eine große Hand an der Schulter, die mich nach oben zog. Blinzelnd öffnete ich die Augen...und da war überall Staub. Staub der die Luft schwer machte und die Sicht vernebelte. Staub, der das Atmen zu einer grauenvollen Aufgabe machte und die Lunge reizte...und zwischen all dem Staub, starrten mich zwei große graue Augen mit einer Mischung aus Besorgnis und Erleichterung an. Sam!
„Gott sei Dank", entkam es ihm und er streichelte leicht meine Wange. Seine Stimme hörte sich ungesund rau und kratzig an.
„Sam", murmelte ich leicht verwirrt und versuchte mich aufzusetzen, zumindest solange bis der Schwindel die überhand ergriff und ich von einem rauen Husten ergriffen wurde.
„He, bleib liegen", Sam drückte mich sanft zurück auf die Erde. „Du hast ziemlich was abbekommen"
„Was ist passiert?", ich fasste mir vorsichtig an den dröhnenden Kopf und schloss kurz die Augen, bis sich die Welt wieder gerade gerückt hatte und sich nicht mehr um die eigene Achse drehte.
„Naja, als du vom Turm gestürzt bist, hast du dir einen ziemlich harten Schlag am Kopf zugezogen"
Ich atmete laut aus und musterte die Umgebung. Ein einziges Trümmerfeld und zwischen Asche, Staub und Schnee konnte ich verschwommene Gestalten sehen. Doch keine von ihnen regte sich. „Was ist hier los?", murmelte erstickt und versuchte abermals mich aufzusetzen. Dieses Mal hinderte Sam mich auch nicht, sondern ergriff mich bei Schulter und Hüfte und half mir.
Ich sah ihm in die sturmgrauen Augen, die mich immer noch besorgt musterten. „Erinnerst du dich noch, wie wir mit Lilly-"
Weiter kam er nicht. „Wo ist sie", unterbrach ich ihn harsch und spürte wie ein mulmiges Gefühl meine Kehle emporkroch. „Ist sie...?"
Ich konnte die Frage nicht ausformulieren, doch Sam schüttelte hastig den Kopf. „Nein", sagte er schnell, aber dann seufzte er auf und raufte sich die Haare. „Ich weiß es nicht...ich...wir wurden getrennt. Du warst mit ihr auf dem Turm, als die Orks auf uns zugestürmt kamen", er lächelte matt. „Du wolltest zu mir hinunter, mir helfen, weißt du noch", als er mir dieses Mal direkt in die Augen sah, hatte er eine Zärtlichkeit im Blick, mit der er mich noch nie angesehen hatte. Es traf mich mitten ins Herz und ich erschauderte. „Doch bevor du mich erreicht hast, hat ein Katapult den Turm getroffen. Er ist eingestürzt, mitsamt dir...und Lilly war auch darauf. Ich habe es geschafft nicht getroffen zu werden, doch die Orks hatten weniger Glück...zu unserem Vorteil. Ich habe lange nach euch gesucht...und als ich dich endlich gefunden hatte, hatte sich der Staub soweit gelegt, dass neue Orks auf uns zukamen" Er schloss schmerzerfüllt die Augen und als er sie wieder öffnete waren sie voller Reue. „Ich...Ich konnte nicht nach ihr suchen", stotterte er und verbarg das Gesicht in seinen Händen. „Es waren einfach zu viele. Ich musste dich da Raus holen, dafür sorgen, dass dir nicht passiert-", er brach ab und ich hörte wie er zitternd einatmete. „Es tut mir Leid, Mia, das musst du mir glauben. Ich hätte sie niemals freiwillig zurückgelassen-"
Nun war ich es, die ihn unterbrach. „Sam", murmelte ich sanft und zog seine Hände von seinem Gesicht. „Du hast alles getan, was du konntest. Wenn wir überrannt worden sind, dann kannst du nichts dafür" Ich lächelte ihm aufmunternd zu, während ich in mir zusammensackte. Ich hatte nicht gedacht, dass wir auf dieser Reise mit unserem Leben bezahlen mussten.
„Aber-"
„Lilly ist zäh, es wird ihr schon gut gehen", erklärte ich ihm mit aller Zuversicht die ich aufbringen konnte, obwohl ich selbst nicht daran glaubte. Sam nickte und ich wusste, dass er sich dennoch weiter Vorwürfe machen würde...so war er halt.
„Wo sind wir?", fragte ich rasch um ihn auf andere Gedanken zu bringen.
„Ähm" Sam kratzte sich verlegen am Kopf. „Ich weiß es nicht"
Perplex starrte ich ihn an. „Wie, du weißt es nicht"
„Als ich dich gefunden hatte, sind sofort Orks gekommen und haben uns überrannt, als habe ich dich irgendwie hochgenommen und bin losgerannt"
„Hochgenommen? Losgerannt?" Ich starrte ihn entgeistert an. „Mitten durch die Orks?"
„Ja, also...auf dem linken Arm hatte ich dich und in der rechten Hand mein Schwert"
Darauf wusste ich nichts mehr zu sagen. Ich musterte ihn von oben bis unten, doch er schien nirgendwo verletzt, bis auf ein paar üble Kratzer und Schnitte, sowie viele unschöne blaue Flecken schien es ihm gut zu gehen.
„Wie...ich meine...wie hast du es geschafft, dass dir dabei nichts passiert ist. Ich bin ja auch nicht gerade leicht, und dann noch zu kämpfen. Wie zum Teufel hast du das geschafft?"
„Ich bin ein überragender Kämpfer?", erklärte er mit einem breiten Grinsen, doch als er meine ungläubige Miene sah, fügte er leise hinzu: „Und ich hatte Angst, dass dir was passiert"
Perplex starrte ich ihn an. Hatte er gerade wirklich...? Und dann musste ich unwillkürlich Lächeln.
„Danke", flüsterte ich leise und griff nach seiner Hand. Sie war rau, schwielig und hatte Blasen von seinem Schwertgriff, doch ich drückte sie ganz fest. „Für alles"
Sam starrte mich mit großen Augen an und schien kein Wort mehr herauszubekommen, aber dann, ganz langsam drückte er zurück. Seine schlanken Finger verflochten sich mit meinen und ohne Worte austauschen zu müssen verstanden wir uns.
Ich seufzte leise, ehe ich meine Hand wieder zurückzog. „Ich schätze im Moment ist dafür nicht der passende Augenblick", murmelte ich leicht bedrückt und Sam nickte.
„Ja du hast wohl recht"
„Also, was tun wir jetzt?"
Sam stand auf und reichte mir seine Hand. „Überleben"

(950 Wörter)

Eine Reise Zum Erebor  - in ÜberarbeitungGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt