POV: Simon
Am Abend nach der Begegnung mit Fynn ließ sich Simon noch einiges durch den Kopf gehen, bevor er schlafen ging. Sein letzter Gedanke vor dem Betreten des Hauses war, nach Vorne zu blicken und nicht weiter an Wille zu denken. Doch als Simon sein Zimmer betrat, überkamen ihn alle Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit. Sie hatten zusammen hier gesessen und den Moment gelebt. Simon hatte sich an diesem Abend so frei gefühlt, wie niemals zuvor. Wilhelm löste Dinge in ihm aus, von denen er nie hätte träumen können. Emotionen, so stark und intensiv, dass sich Simon nirgendwo geborgener, sicherer und glücklicher fühlte, als in Wilhelms Armen. Doch auf einen Schlag war alles weg. Und die langanhaltende Einsamkeit überkam Simon, wie ein unaufhaltsamer Sturm, der alles in seinem Kopf durcheinander wirbelte und am Ende blieb nichts als die Erinnerung.
Er sah in den Spiegel und wollte sich selbst Mut zusprechen. „Lass dich nicht runterziehen! Lass dich nicht..." Ein lauter Schlag gegen Simons Fensterscheibe durchbrach seine Gedanken. „Was zum...", murmelte er leise und runzelte die Stirn. Als er aus seinem Fenster sah, wurde es ihm klar. Draußen in der Dunkelheit stand Fynn still vor seinem Zimmer und lächelte. In Simons Kopf brach Unsicherheit herein. Der Wind zog durch Fynns Haare und der Anblick brachte Simon nun auch zum Lächeln. Es freute ihn, seinen neuen Nachbarn hier stehen zu sehen und zu wissen, dass er nur hier war, um sich noch weiterhin mit ihm unterhalten zu können. Als er sein Fenster geöffnet hatte, lehnte er sich heraus und stützte sich am Rahmen ab.
„Was tust du hier?" „Ich bin nachtaktiv, weißt du?" Simon schüttelte den Kopf, dann schmunzelte er. „Jetzt weiß ich's. Und du hast Glück, dass ich's auch bin. Morgens würde ich dafür wahrscheinlich nicht aufstehen." „Komm mit, Simon." Er sah Fynn mit einem fragenden Blick an, folgte ihm dann aber. Irgendetwas an ihm weckte Simons Neugier. Der Neue hatte etwas geheimnisvolles, was ihm keine Ruhe ließ. Ohne ein Wort zu sagen, ließ sich Simon von Fynn führen. Er kannte hier jede Straße, jeden Platz, jeden Winkel und trotzdem spürte er eine Aufregung in sich, die nicht verschwinden wollte. Nach etwa drei Minuten Stille drehte sich Fynn zu Simon rüber und fragte ihn mit seiner beruhigenden Stimme, ob er oft Abends alleine durch die Straßen spazierte. „Die letzten paar Wochen öfter, ja", gab Simon zur Antwort. Fynn nickte verständnisvoll. „Ich tue es manchmal, um den Kopf frei zu bekommen. Klappt aber nicht jedes Mal." Das konnte Simon nur zu gut nachvollziehen. Nur selten waren seine nächtlichen Spaziergänge hilfreich. Meistens machten sie alles nur schlimmer, denn je mehr Zeit er zum Nachdenken hatte, desto mehr steigerte er sich in seine negativen Gedanken hinein. „Vielleicht wär es dann ja ne Möglichkeit", dachte Simon laut nach, „diese Spaziergänge einfach mal zusammen zu machen." Fynn lächelte wieder und man konnte erkennen, dass er Simons Idee mochte. Vielleicht hatte er sogar auf diesen Vorschlag gewartet, schließlich war er derjenige, der vor seinem Fenster gestanden hatte. „Wir sind offensichtlich beide gut im Schweigen und wenn uns unsere Gedanken übermannen, brechen wir das Schweigen." Simon gefiel Fynns Offenheit und die Art, wie ehrlich er die Dinge aussprach, die ihm in den Kopf kamen.
„Willst du darüber reden, wieso du das in letzter Zeit so oft brauchst? Ich meine das Alleinsein hier draußen und auch das Nachdenken." Es fiel Simon unendlich schwer über die Sache zu sprechen, doch irgendetwas sagte ihm, dass nun der richtige Moment gekommen war. Die letzten zwei Wochen hatten ihm all seine Energie geraubt und jetzt jemanden gefunden zu haben, der so verständnisvoll mit ihm umging, gab ihm neuen Halt. Natürlich konnte er Wilhelm dadurch nicht vergessen, selbst Verdrängen war unmöglich. Immer wieder hörte er die Worte „Ich liebe dich" in seinem Kopf und konnte dabei nicht fassen, dass er sie nicht erwidert hatte. Hätte er ihn in diesem Moment zu sich gezogen, ihn vor allen geküsst und gesagt „Ich liebe dich auch", wäre dann jetzt alles einfacher? Wahrscheinlich nicht.
„Ja, ich glaube es hilft tatsächlich, darüber zu reden." Fynn sah ihn erwartungsvoll an. Dann drehte er seinen Kopf nach Vorne zur Straße und wartete vollkommen still darauf, dass Simon zu sprechen begann. Und so erzählte er von Anfang an, was passiert war, als er auf Wilhelm getroffen war und wie sich seit diesem Tag alles in seinem Leben verändert hatte. Es war, als würde er in ein Tagebuch schreiben und es tat so gut, all diese Gedanken laut auszusprechen, selbst wenn Simon klar war, dass es nichts an der Situation ändern konnte. Es gab ihm irgendwie neue Hoffnung, es weiter zu versuchen. Mit Wilhelm zusammen. „Ich muss nach Hause", beendete Simon seine Erzählung hektisch. Man sah Fynn an, wie verwirrt er plötzlich war. „Alles gut bei dir?" Doch Simon ignorierte seine Frage. Er blieb kurz stehen und lief dann schnellstmöglich zurück nach Hause. „Ich muss was in Ordnung bringen. Danke für den schönen Abend, Fynn. Wir sehen uns morgen, ja?" Bevor Fynn überhaupt antworten konnte, war Simon schon hinter der nächsten Ecke verschwunden. „Ja sicher, bis morgen", murmelte er leise und ging alleine weiter durch die Straße.
Am Haus angekommen, stürmte Simon in sein Zimmer und wählte Willes Nummer auf seinem Handy. Er wusste genau, dass Wilhelm seinen Kontakt schon längst gelöscht hatte, doch das hielt ihn nicht auf. Lange hörte er nur das Tuten im Lautsprecher und als plötzlich eine Stimme ertönte, dachte Simon in seiner Euphorie, dass Wilhelm seinen Anruf entgegengenommen hatte. Er wollte sofort drauflos sprechen, doch dann bemerkte er, dass es bloß der Anrufbeantworter war. Trotz der Enttäuschung lauschte er Willes Worten bis zum Ende. Es machte ihn so glücklich, diese vertraute Stimme zu hören. Doch zugleich war Simon wütend. Wütend auf Wilhelm, weil er jeglichen Kontakt zu ihm blockte, aber vor allem war er wütend auf sich selbst, weil er überhaupt versucht hatte, alles rückgängig zu machen. Simon warf sein Handy gegen die Wand ohne nachzudenken. Das Glas im Bildschirm zersprang und bildete viele kleine Risse. Es interessierte ihn kein Stück und so legte sich Simon ins Bett und schlief nach kurzer Zeit ein.
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Young Royals Staffel 2
FanfictionHier schreibe ich eine mögliche Fortsetzung der ersten Staffel von YOUNG ROYALS. Ich hoffe euch gefällt meine Idee für die Love story zwischen Simon und Wilhelm!
