POV: Wilhelm
Nach ein paar Sekunden Stille am Telefon, fragte sich Wille, ob er Simon vielleicht zu schnell mit der Sache überrumpelt hatte. Denn er gab einfach keine Antwort mehr und das war etwas beängstigend. Aber er hatte vorhin nicht kopflos gehandelt. Er hatte genau gewusst, was er tat, denn er hatte sein Ziel klar vor Augen. Und was er jetzt auf jeden Fall brauchte, war Simons Unterstützung.
„Simon? Bist du noch dran?" Immer noch herrschte Stille, die sein Gesprächspartner einfach nicht beenden wollte. „Komm schon Simon! Ich hab alles für dich aufs Spiel gesetzt...ich..." Wille hielt einen Augenblick inne und atmete tief durch. Er hatte es vielleicht wirklich übereilt, hatte Simon zu oft falsche Dinge versprochen und jetzt hatte er sein Vertrauen endgültig verloren. Das durfte aber nicht passiert sein. Nach allem, was in den letzten Tagen geschehen war, mit dem Jungen den Simon scheinbar küssen wollte und dem Krankenhausbesuch. Es war einfach etwas viel. Immer hin hatte Wille Simon sofort verziehen ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Er war nun bereit von vorne anzufangen und das hatte er doch gerade bewiesen. Jetzt war nicht der Moment, um Dinge mit seiner Familie zu klären, nein.
„Ehm, ja tut mir leid. Ich weiß nicht ob ich das alles so kann", brachte Simon plötzlich hervor. Wilhelms Herz blieb stehen. Was sollte das heißen? Wollte er gerade endgültig Schluss machen? Nein, nein, nein. In seinem Kopf herrschte Durcheinander. Nichts ergab mehr Sinn. Er versuchte zu atmen, doch es fiel ihm unendlich schwer. Um an die frische Luft zu kommen, stürmte er aus dem Eingangsbereich des Schlosses, nach draußen, wo niemand war. Ihm fehlten alle Worte. „Ich meine...natürlich will ich dich Wille. So sehr, wie ich nie etwas wollte. Aber wie hast du dir das vorgestellt? Was wirst du denn jetzt machen, deiner Mutter für immer ausweichen und deine Pflichten als Kronprinz ignorieren?" Wilhelm war erleichtert über diese Antwort, doch zugleich spürte er die Verantwortung, die auf ihm lastete. So unaufhaltsam und so unglaublich überfordernd, dass er es kaum aushielt.
„Bitte kann ich dich sehen? Ich...ich weiß wirklich nicht was ich machen soll, Simon." Die Verzweiflung war in seiner Stimme deutlich zu hören. Wille spürte ein Zittern am ganzen Körper. Zu seinem Erstaunen antwortete Simon mit einem Ja und versicherte ihm, er würde ihm helfen. Dies war für ihn wie ein Startsignal, welches ihn wieder ins Schloss führte, wo er aufgeregt seinen Chauffeur aufsuchte. Eigentlich warteten hier immer noch August, seine Mutter und die Journalistin und irrten wahrscheinlich hilflos in den Gängen herum, um ihn zu finden, doch er versuchte sich so gut wie möglich zu verstecken, um keinem aufzufallen. Nach einigen Minuten fand er seinen Chauffeur irgendwo alleine im Gang und bat ihn, ihn zu Simon zu fahren. Als Antwort bekam er nur ein Nicken und Lächeln.
Auf dem Weg nach Bjärstadt dachte Wille darüber nach, wie er mit seinen Eltern reden konnte. Eigentlich wollte er sie gar nicht sehen, doch er wusste, dass die Konfrontation nun mal nicht ausbleiben konnte. Er hatte keine andere Wahl, als sich seiner Angst zu stellen. Und auch, wenn er nun schon einen großen Schritt gemacht hatte, das reichte noch lange nicht aus.
Um sich etwas zu beruhigen stellte er sich Simon vor. Wie sich die beiden wiedersahen und wie er vor ihm stand und sein Lächeln betrachtete, als würde es ihm all die Ruhe bringen, die er brauchte. All die Freude und das Mittel gegen den Schmerz, den er in sich trug. Simon war der einzige, der es schaffen konnte, Wille so glücklich zu machen, dass er für einen kurzen Augenblick die Probleme um sich herum vergaß.
„So, da wären wir. Ich wünsche Ihnen viel Glück", merkte der Chauffeur an, als er Wilhelm die Tür aufhielt. Wille bedankte sich und schickte ihn zurück zum Schloss. Sein Herz pochte wie verrückt, als er Simons Haus immer näher kam. Plötzlich sah er, wie sich die Tür öffnete und er blieb schlagartig stehen. Nach kurzem Warten, bemerkte er, dass es nur Simons Schwester war, die das Haus verließ.
„Oh hey Wilhelm! Alles gut bei dir?"
„Mhm, ja danke." Das Sprechen fiel ihm schwer, denn seine Stimme zitterte.
„Du willst sicher zu Simon. Ich rufe ihn, warte", Sara drehte sich um und verschwand hinter der Tür. Kurze Zeit später kamen zuerst sie und dann Simon wieder heraus. Als sie sich gegenüber standen, schaute er verlegen zu Boden und kratzte sich am Hinterkopf, sodass Wille genau sehen konnte, dass Simon genau so nervös war, wie er selbst auch. Das gab ihm etwas mehr Sicherheit.
„Ich geh dann, bis nachher Simon. Tschüss Wilhelm." Die beiden verabschiedeten sich von Sara und sie verschwand hinter den Häusern. Wille kam Simon immer näher, denn er hielt es nicht mehr länger aus, so weit von ihm wegzustehen. In dem Moment blickte Simon wieder hoch zu ihm und lächelte ganz leicht. Natürlich konnte Wilhelm jetzt genau sehen, dass es ihm nicht gut ging. Das Lächeln war nicht vollkommen echt, da steckte mehr dahinter. Und irgendwie wusste er auch, was es war und dass das alles seine Schuld war.
Er betrachtete sein Gegenüber ganz genau, wollte ihm in die Augen sehen und am liebsten hätte er ihm versichert, dass sie nun keine Probleme haben würden, dass sie unbeschwert zusammen sein konnten. Doch er wusste genau so, wie Simon, dass das nicht wahr war. Das hier hatte sich alles schon zu oft wiederholt. Er gab Simon sein Wort und war dann doch wieder zu feige, um es zu halten. Diesmal wollte er, dass es anders war, doch wie konnte er sich sicher sein?
Als Simon laut ein- und wieder ausatmete, wurde Wille aus seinen Gedanken gerissen. Dabei bemerkte er, wie Simon seine Lippen ansah, dann seine Augen. Ein tiefer Blick und die beiden kamen sich immer näher, sodass sich ihre Lippen plötzlich berührten. Wilhelm spürte seinen warmen Atem und die Energie, die entstand, als sie sich küssten. Die Welt um ihn herum blieb stehen und für diesen Augenblick, nur ein paar Sekunden, fühlte sich alles richtig an.
POV: Simon
Der Kuss mit Wille löste so viele Emotionen in ihm aus. Es gab ihm diese Sicherheit, die ihm ständig wieder entrissen wurde, wenn Wilhelm ihn erneut enttäuscht hatte. Doch in Momenten wie diesem, war nichts unsicher.
Als sich ihre Lippen wieder lösten, fiel Simons Blick ungewollt auf das Haus des Nachbarn. Es war Fynn's Haus und das wurde ihm gerade erst wieder bewusst, als er ihn in seinem Zimmer sah, wie er aus dem Fenster gesehen hatte. Sie schauten sich an, Fynn schüttelte den Kopf und zog seinen Vorhang zu. Der Moment war unangenehm und irgendwie komisch. Simons Aufregung stieg erneut, so wie vorhin, als er Wille vor seiner Tür entdeckt hatte. Es war eine Art Angst, denn jetzt dachte Simon an das Gespräch, das er mit Fynn über seine Beziehung gehabt hatte.
Seine Worte hallten in Simons Kopf nach und das, obwohl er ihm doch gesagt hatte, dass es auf keinen Fall stimmte: „Ich glaube einfach, dass seine Unsicherheit gegenüber seiner Liebe zu dir sehr gefährlich werden kann, denn wenn du dir sicher bist und er nicht, dann wirst du vielleicht noch verletzt."
Hatte er etwa Recht gehabt? Nein, das konnte nicht sein. Er liebte Wille und Wille liebte ihn. Das hier war anders, als die meisten Beziehungen. Eine unaufhaltsame Liebe. Oder?
„Was tun wir jetzt, Simon?", fragte Wille ihn erwartungsvoll und holte ihn zurück in ihre Realität.
DU LIEST GERADE
Young Royals Staffel 2
FanfictionHier schreibe ich eine mögliche Fortsetzung der ersten Staffel von YOUNG ROYALS. Ich hoffe euch gefällt meine Idee für die Love story zwischen Simon und Wilhelm!
