Kapitel 22: Lukasz

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Da saßen wir nun, gegenüber in unserem dunklen Zimmer, wo alles angefangen hatte. Der Vollmond erleuchtete unsere Gesichter. Ich zitterte, denn ich wusste, was ich jetzt sagen musste.

 Marcel und ich waren immer ehrlich zueinander. Wir hatten schon Vieles miteinander erlebt, Positives wie Negatives. Und dass er sich eben unter Tränen bei mir entschuldigt hatte, gab mir etwas Selbstvertrauen. Ich holte tief Luft. 

„Ich bin nicht weggelaufen, weil es unangenehm war. Ich bin auch nicht weggelaufen, weil ich dich jetzt komisch finde. Ich bin weggelaufen, weil ich klarkommen musste mit dem, was in mir drin angefangen hat zu wachsen. Ich wollte unsere Freundschaft nicht zerstören. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben und mir wurde gestern klar, dass ich das alles gefährden würde". Die Tränen konnte ich jetzt nicht mehr zurückhalten. Sie liefen mir über die Wangen. Marcel hob seine Hand und wischte sie weg. Ich sah im fest in die Augen und flüsterte: „Ich hab mich in die verliebt". 

Es war, als würde der ganze Sauerstoff aus dem Zimmer gesogen werden. 

Ich wollte weiterreden, wollte sagen, dass das nichts an unsere Freundschaft ändern sollte und würde. Doch ich konnte nicht. 

„Wladi", sagte Marcel stattdessen leise. 

Ich bekam eine Gänsehaut, wie er einfach nur meinen Namen aussprach. Es waren so viele Gefühle in diesem einen Wort, dass mir fast schwarz vor Augen wurde. Auch in seinen Augen regte sich etwas. Plötzlich schienen sie in Flammen zu stehen, als wäre etwas passiert, auf das er ganz lange gewartet hätte. Ich versuchte ein kleines Lächeln auf mein verklebtes Gesicht zu legen. Ich setzte an: „Wir können alles so lassen wie früher, ich ..." 

Doch weiter kam ich nicht. Plötzlich fühlte ich warme Lippen auf meinen. Ich war paralysiert, bis mir klar wurde, was gerade passiert war. Marcel hatte den kurzen Weg zwischen uns überwunden und hatte seine Lippen auf meine gelegt. Da von mir keine Reaktion kam, wollte er sich zurückziehen, doch endlich erwachte ich aus meiner Erstarrung und klammerte mich an ihn fest. Ich öffnete meine Lippen und spürte, wie gut er schmeckte. Er vergrub seine Hände in meinem Haar, während ich mich an seine Taille klammerte. Ich wollte mich verlieren in dem Moment, konnte nicht glauben, was gerade passiert war. Marcel küsste mich. Mit so viel Emotionen und Leidenschaft, dass ich glaubte, mein Herz würde aus meiner Brust springen. 

Viel zu früh unterbrach Marcel den Kuss und lehnte seine Stirn an meine. „Ich auch", flüsterte er dann. „Ich hab mich auch in dich verliebt. Seit dem Pokalfinale, die Nacht war unglaublich. Ich hab es immer versteckt. Ich wollte dich nicht verlieren". Er hielt kurz inne.

 Dann sagte er: „Ich liebe dich, Wladi". Meine Brust explodierte vor Freude. 

Mir kamen wieder die Tränen, aber dieses Mal vor Freude. Ich hatte die schlimmste Nacht und den schlimmsten Tag hinter mir, doch das war es alles wert gewesen für diesen Moment. Ich nahm sein Gesicht zwischen meine Hände und küsste ihn. Sanft, ohne Eile. Ich wollte den Moment genießen, wollte den Klang der drei magischen Worte nachklingen lassen. Marcel seufzte gegen meine Lippen. Mein Herz klopfte laut. Ich meinte auch seins, im Gleichschritt mit klopfen zu hören. Ich schloss die Augen und genoss das warme Gefühl, das sich in mir ausbreitete. Es war atemberaubend. 

Der Kuss endete und wir schauten uns liebevoll in die Augen. Was ich fühlte, konnte ich in seinen Augen sehen. 

Was ich aber auch sah, waren die Spuren des Tages. Ich konnte mir also nicht verkneifen einen Spruch loszulassen: „Du siehst scheiße aus, Marcel". Er grinste und konterte geschickt. „Das war das, was ich gedacht hab, als ich dich heute morgen auf dem Platz gesehen habe". Er lachte leise und ich kicherte ein wenig. 

Dann wurde ich wieder ernst. „Im Ernst, es tut mir leid, dass ich weggelaufen bin, das war echt feige". Er schüttelte leicht dein Kopf und sah mich liebevoll an. „Das ist nicht schlimm, wirklich nicht. Jeder hat seine eigene Art, Gefühle zu verarbeiten". Ich musste lächeln. So kannte ich ihn. Meinen besten Freund und nun auch ... 

„Marcel, sind wir dann jetzt eigentlich zusammen?", sagte ich schüchtern. Solche Fragen waren immer unangenehm. Er strahlte über das ganze Gesicht. „Wenn du das möchtest". Ich kicherte, als er mich feierlich ansah und fragte: „Lukasz, möchtest du mit mir zusammen sein". 

Ich grinste über das ganze Gesicht. „Ja, für immer und ewig". Wir blickten uns in die Augen und grinsten um die Wette. Schelm breitete sich in den Augen meines Freundes aus, woraufhin er schnell sagte: 

„Gut, Sie dürfen die Braut jetzt küssen". 

Ich lachte aus vollem Hals, Marcel stimmte ein. Dann schlang ich die Arme um seine Taille, zog ihn noch näher an ihn ran und küsste ihn dann.

Kurzgeschichte Lukasz x MarcelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt