Unsere Entscheidung war nicht schwer gewesen, trotzdem hatte ich etwas Angst vor heute Abend. Wir wollten kein riesen Ereignis daraus machen, die Reaktionen unserer Teamkollegen konnte ich trotzdem nicht einschätzen. Homofeindlichkeit war etwas, was im Fußball leider normal war.
Außerdem war es immer schwierig, ein Paar innerhalb einer Mannschaft zu haben. Allerdings konnten auch andere Beziehungen wie Freundschaften problematisch für eine Gruppendynamik werden, weshalb eine kleine Last von meinen Schultern abfiel.
Was blieb war die Angst, dass sie es nicht akzeptieren würden. Mich ermunterte dennoch, dass wir nicht alleine waren und dass vor allem Mats so freudig reagiert hatte. Ich hatte zu keiner Zeit gedacht, auf Männer zu stehen wäre etwas Schlimmes. Da ich in Polen aufgewachsen war, war dies eine untypische Haltung.
Für mich aber normal. Für mich hatte nur gezählt, dass es ausgerechnet mein bester Freund geworden war. Nun, es hatte sich gelohnt. Der größte Schatz der Welt würde nun für immer an meiner Seite sein.
Als wir zurück auf unserem Gelände waren, setzten wir auch Mats ins Bild. Es fand die Idee gut und ermunterte uns. Da wir schon unsere Aufgabe erledigt hatte, hatten wir den restlichen Nachmittag zur freien Verfügung. Wir spielten Kicker und Fußballtennis. Zeitweise verbrachten wir die Zeit auf dem Platz und kickten ein bisschen hin und her. Es war ein entspannter Nachmittag.
Die Sehnsucht nach Marcels Nähe begleitete mich dennoch die ganze Zeit. Am liebsten hätte ich nichts anderes getan, als in seinen Armen zu liegen. Doch es war wichtig für die Mannschaft, dass wir viel Zeit miteinander verbrachten, und auch so waren er und ich beieinander. Heute Abend hätten wir wahrscheinlich noch genug Zeit gemeinsam.
Die Zeit schritt voran, immer wieder liefen die Jungs durch die Gegend, um aufzubauen oder Sachen zu bringen. Bald auch luden wir die Getränke aus und brachten sie an den Strand. Das Netz war schon aufgebaut und es wurde schon probegespielt. Einen riesigen Kühlschrank mussten wir auch anschleppen. Es gab ein bisschen Stress wegen der Stromversorgung, aber bald war auch schon das geklärt.
Dann verabschiedete sich jeder, um sich kurz nochmal frisch zu machen.
Kaum in unserem Zimmer angekommen, zog ich Marcel zu mir und küsste ihn. „Ich hab dich vermisst", schnurrte ich. Er grinste in unseren Kuss hinein. „Wir haben uns doch die ganze Zeit gesehen". Wir lachten.
Dann zogen wir uns um. Ich konnte meinen Blick nicht von meinem Freund abwenden, was er mit einem feurigen Blick quittiert. Wir nahmen uns einige Minuten, legten uns aufs Bett, kuschelten und knutschten. Mein Bauch schlug Purzelbäume und ich vibrierte von den Haarspitzen bis in die Zehen. Ich wollte gar nicht erst wieder aufstehen, sondern für immer und ewig in seinen Armen liegen bleiben. Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass er von jetzt an an meiner Seite sein würde.
Gott war ich verliebt.
Gehen mussten wir schlussendlich doch. Bevor wir das Zimmer wieder verließen wurde ich ernst: „Ich bin ein bisschen aufgeregt", gab ich zu. Marcel zog mich zu sich und sah mir liebevoll in die Augen. „Das wird schon, Wladi", sagte er, und gab mir einen Kuss. „Und außerdem bin ich immer an deiner Seite". Ich lächelte verlor mich für einen kurzen Augenblick in seinen wunderschönen Augen. „Okay". Ich küsste ihn nochmal, dann traten wir aus unserem Zimmer.
Der Gang war leer, anscheinend waren die meisten schon unten. Marcel hielt mir seine Hand hin und wir verschränkten unsere Finger miteinander. Ein Kribbeln erfasste mich, was ein warmes Gefühl in mir hinterließ. Es war ein wahrhaft magisches Gefühl, die Hand meines Freundes zu halten. Es beruhigte mich, was witzig war, denn normalerweise war ich es, der ihn beruhigte. Heute morgen auch schon war es anders gewesen, als ich der erste gewesen war, der wach geworden war.
Als wir aus dem Hotel traten, holte ich tief Luft. Marcel drückte meine Hand. Überall tummelten sich Leute, da wir ziemlich viele Mitarbeiter hatten, wie Marco schon bei unserem Pokalsieg überrascht festgestellt hatte. Ich musste lachen bei dem Gedanken, was mir einen fragenden Blick von Marcel einbrachte. Ich erzählte ihm, an was ich gerade gedacht hatte, was ihn auch zum Lachen brachte.
Auf dem kurzen Weg zum Strand gabelten wir einige Jungs auf. Ich fürchtete mich schon vor seltsamen Blicken, doch das erste, was als Reaktion kam, war ein lautes: „Sammal, ihr zwei, läuft da was?", von Jule.
Marcel neben mir lachte laut bei dieser Wortwahl. Dann sahen wir uns beide an und sagten gleichzeitig: „Schon". Die versammelten Jungs kreischten und stimmten in einen Gesang ein: „Wir haben ein Traumpaar, wir haben ein Traumpaar".
Ich wurde rot, weil es ein bisschen unangenehm war. Gleichzeitig wurde mir ganz warm vor Erleichterung. Sie nahmen es alle gut auf. Weil ich mich plötzlich so leicht fühlte, zog ich Marcel zu mir und küsste ihn. Die Jungs um uns grölten. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass uns alle beobachtet hatten, was mich aufs Neue rot anlaufen ließ. Wir zogen weiter und befanden uns sogleich am Strand.
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Kurzgeschichte Lukasz x Marcel
FanfictionFußball-Pairing: Eine Geschichte über die Liebe zwischen Lukasz und Marcel „Du bist bequem Wladi", sagte ich und versuchte, mein leises Lachen möglichst cool klingen zu lassen. „Du liegst auch halb auf mir drauf", antwortete mein Lieblingspole, doch...