Ich legte den Kopf schief und betrachtete die wunderliche Szenerie. Schwebende Figuren mit Kürbis köpfen schmückten die hohen decken. Manche hingen aus Tauen leblos herunter, andere stellten ein Schauspiel dar: gegenseitig schwangen sie hin und her, während sie sich erschraken. Kunstblut tropfte herunter. Dabei hörte man wildes Gekicher und böses Lachen. Papierfledermäuse flogen umher und Spinnen aus Wolle zogen sich an weißen Fäden hoch und runter. Ich hätte dem eine Ewigkeit zuschauen können. Das war etwas an Zauberei, die mich jedes Mal auf neue beeindruckten, und fast sogar traurig machte, dass ich nur schwerlich so etwas erschaffen konnte.
Langsam spürte ich ein Kribbeln auf meinem Rücken. Hände, die vorsichtig daran entlang strichen. Erschrocken drehte ich mich um, aber da war nichts. Vielleicht eine Spinne? Ich versuchte mit meinen Händen über meine Rücken zu fahren. Was ich erwischte, war aber keine Spinne. Es war eine Stofffledermaus. Verwirrt sah ich das Tier aus. Es löste sich aus meinen Hängen und verpuffte nicht ohne eine große Staubwolke zu hinterlassen. Hustend wedelte ich ihn mir aus dem Gesicht. Durch die Schatten sah ich, wie sich eine Gestalt dorthin stellte, wo die Fledermaus gerade verpufft war. Mit einer schwenkenden Bewegung des Umhangs zeigte sich Ben prachtvoll in einem Vampirkostüm.
„Tadaa" rief er.
Begeistert klatschte ich. „Großartig! Du hast dich wieder mal selbst übertroffen."
Er stellte sich noch etwas zur Schau, bis sein Blick auf mich viel. Angewidert sah er mich an.
„Eric! Was trägst du da?"
„Meine Schuluniform?" erwiderte ich?
„Nein! Nicht heute. Wo ist dein Kostüm. Ich konnte ja noch verstehen, dass du nicht als sexy Vampierlady gehen wolltest, aber kein Kostüm. Das geht gar nicht! Ich hab so lange auf dein Kostüm gewartet."
Verlegen kratze ich an meinen Arm. „Scar hat sich über mein Kostüm lustig gemacht. Deshalb wollte ich es nicht anziehen." gab ich zu.
Ich konnte Bens Wut deutlich sehen. Doch mit einem Atem drang er sie wieder weg. „Tja mein lieber Freund!" Er stellte sich hinter mich und schob mich Richtung Ravenclawturm. „Gut, dass du nicht mit ihr auf die Halloweenparty gehst, sondern mit mir. Und egal, was dein Kostüm ist, ich werde es lieben!"
„Bis auf das!" Ben lag lachend auf dem Boden, als ich mit meinem Kostüm aus dem Schlafsaal kam. „Hier muss ich Scarlett recht geben! Das ist der absolute Wahnsinn. Was bist du?"
Stolz trug ich ein grünes flauschiges Monsterkostüm. An sich nichts Seltsames, aber ich hatte noch eine Cappy auf, die mit dem Schriftzug: My eyes are up here und einem Pfeil, der nach oben zeigte: auf ein Haarreif mit zwei großen Glupschaugen, die bei jedem Schritt hin und her wackelten. Um das Ganze zu krönen, trug ich über den Anzug einen Knall roten Bikini.
„Ein Monster im Sommerurlaub." antwortete ich lachend. Ben kreischte.
Ich zog noch eine Strandtasche heraus, die mit allerlei Sachen gefüllt war. Eine Flasche Monstersonnencreme, einen kleinen Sonnenschirm, den man sonst nur in Cocktails findet, eine alte Kamera, und ein Handtuch.
Auch wenn ich Blut und Horror nicht so mochte, war ich ein großer Fan von Kostümen. Jedes Jahr hatte ich mir was Verrücktes ausgedacht. Doch dieses Jahr hatte ich mich so sehr übertroffen, dass es mir selbst peinlich war.
Ben brauchte eine Weile, bis er wieder unter die lebenden kam. „Ich hab gelogen. Dein Kostüm ist der absolute Hammer! Das solltest du dir von niemanden ausreden lassen!"
„Echt? Findest du nicht, dass mein Hintern darin etwas zu dick aussieht?" Ich drehte mich um, um ihn den String des Bikinis zu zeigen.
Ben heulte vor Lachen auf, schüttelte aber den Kopf. „Nein, du siehst perfekt aus. Jetzt kann ich in Frieden sterben!"
„Ich dachte, dass du schon Tod bist." kommentierte ich sein Kostüm.
„Lass uns gehen, bevor mich das Tageslicht erwischt."
Jeder, der uns begegnete, starrte mich an. Und ich musste zugeben, ich mochte es. Die Aufmerksamkeit lag ja nicht auf mir, sondern auf meinem Kostüm.
Es waren viel weniger Schüler als die letzten Jahre. Viele waren aus ihren Herbstferien nicht wiedergekommen. Trotzdem fand die Halloweenfeier statt. Ich glaubte, dass etwas feiern die Gemüter heben würde, weswegen ich über die Party sehr glücklich war. Mein Kostüm wurde gefeiert wie ein König. Und die wenigsten vielen nicht lachend zu Boden.
Die Kostüme der anderen waren auch großartig. Fynn hatte sich als Dinosaurier und Fiona hatte sich als Sonne verkleidet. Damit wollte sie Ben fernhalten. Ann kam als Spinne. Sie hatte sich Wackelaugen auf die Stirn geklebt. Ich kommentierte, dass meine Mütze auch zu ihr passen würde. Die meisten aus meinem Jahrgang waren verkleidet. Vor allem die Leute aus Ravenclaw und Hufflepuff.
In der dritten Klasse hatte ich mein erstes verrücktes Kostüm angezogen. Es war eine Spielkarte. Ich hatte dafür extra Muggelzaubertricks mit Karten gelernt. Danach wurde es immer wilder.
Musik spielte laut und das Essen war wie immer köstlich. Nicht wenige Schüler nahmen sich den Spaß, die stationierten Auroren zu erschrecken. Ich sah, wie Prenston mit seinen Assistenten am Rand stand und sehr unglücklich drein sah.
"Der sieht aus, als wär ihm etwas Schlechtes über die Leber gelaufen." bemerkte ich gegenüber Fiona.
"Oh, ich habe gehört, dass ihm ein Kürbis seine Bücher geklaut hat, und er sie noch nicht wieder bekommen hat." lachte sie.
"Das tut mir irgendwie leid. Aber das ist die Gefahr, einfach seine Sachen auf Pflanzen abzulegen. Mir hat mal ein Baum meine Hose gegessen."
Sie begann laut loszulachen
"Nein ernsthaft! Das war echt nicht witzig." klagte ich lachend.
Wir kamen gar nicht aus dem Lachen raus. Fiona musste sich an meinen Arm festhalten, um nicht umzukippen.
"Ich muss hart Pinkel. Begleitest du mich?" fragte sie lachend.
Ich wartete vor dem Waschraum und genoss die Stille im Flur. In der Großen Halle war es so laut gewesen, dass meine Ohren noch dröhnten. Ich hörte das Wasser ins Waschbecken laufen, dann schritt sie aus der Tür neben mir.
"Vielen Dank! Das war echt nötig. Ich muss sagen, deine wilden Geschichten und so viel Butterbier ist keine gute Kombination. Du wirst noch ein richtiger Partykracher!" lobte sie.
Ich ließ das unkommentiert und wollte wieder zurückgehen, als ich bemerkte, wie sie am Fenster stehen blieb und es öffnete. Die Luft, die von draußen kam, war kalt. Ich stellte mich neben sie und blickte hinaus. Die Sterne leuchteten am Himmel und es zog Nebel aus dem Verbotenen Wald hinauf.
"Wunderschön." raunte ich.
"Eric?" fragte Fiona ernst.
"Was ist?"
"Du bist mir als Freund sehr wichtig! Also antworte bitte ehrlich: habe ich etwas falsch gemacht?"
"Wie kommst du darauf?" ich drehte mich zu ihr. Nichts mehr von der Freude von vorher zu sehen.
"Du warst plötzlich so abweisend. Normalerweise reden wir doch so viel, lästern über Geschichte der Zauberei und dann hast du vor ein paar Wochen entschieden, das alles nicht mehr mit mir zu machen. Also frage ich, habe ich etwas gemacht, was du nicht guthießt. Ist es, dass ich mich immer mit Ben streite, oder war es eine dumme Bemerkung zu pflanzen oder-"
Ich unterbrach sie. "Fiona. Es tut mir leid. Du bist nicht schuld!" ich erklärte ihr die Situation mit Scarlett und ihre Unsicherheiten mit meinen Freundschaften zu anderen Mädchen.
Sie hörte schweigend zu. "Verstehe." Sie stellte sich direkt vor mich und umschloss mit ihren Händen mein Gesicht. Intensiv blickte sie mir in die Augen und zerquetschte dabei mein Gesicht. "Du solltest mit ihr Schluss machen!" sagte sie. "Du hast etwas Besseres verdient!" sie drückte mich weiter an die Fensterbank. "Und wenn du mich noch einmal wegen eines anderen Mädchen ghostest, dann scheuer ich dir eine, dass du dich im nächsten Leben wieder findest! Verstanden?"
Sie wartete nicht meine Antwort ab und ging. Noch etwas perplex blieb ich an der Stelle stehen, während ich ihn nachsah. Sie war wirklich beängstigend.
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Der Sonne zu Nah (HP-ff)
Fanfiction„Sie sucht dich wieder Heim?" fragte er. Ich zupfte eine weites Blütenblatt von seinen Stamm." Ich kann noch immer ihre Stimme hören, ihre Lippen spüren und ihre Hand auf meiner." Mein Blick fiel auf meinen Vernarbten Arm. Ich trug selten ein T-Shi...
