3.Ein, zwei, dreist

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Nach dem Bankett wollten Ben und ich in Richtung des Ravenclawturms gehen, als ich von Scarlett aufgehalten wurde. Ich sagte den anderen, dass sie nicht auf mich warten müssten. Und drehte mich zu ihr.
„Was gibt es?" fragte ich sie.
„Ich weiß nicht recht. Du bist der einzige, den ich kenne. Und du sagtest, dass Hogwarts auch schön ist. Ich hatte mich gefragt, ob du mich morgen herumführen könntest." Sie sah mich nervös an.
„Natürlich! Wollen wir uns morgen nach dem Frühstück hier treffen?"
„Okay, gut dann versuch ich mal den weg zu meinem Haus zu finden. Die andern sind irgendwie schon ohne mich gegangen." murmelte sie vor sich hin.
„Warte! Ich kann dich hinbringen. Haben sie dir das Passwort genannt?" rief ich ihr hinterher.
„Das Passwort?" Hilflos sah sie auf den Boden.
„Scarlett! Mach dir keine Sorgen wir finden schon eine Lösung." ermutigte ich sie.
Sie lächelte und nickte.

Ich erzählte ihr auf dem Weg zu den Kerkern über die Geschichte von Hogwarts. Sie hörte interessiert zu.
„...Und dieser Salasa Slytherin, der war der Böse?" fragte sie nach.
„Böse würde ich nicht sagen. Das hier ist keine Frage von gut und böse. Sie haben alle zusammen gearbeitet. Nur hatten sie Differenzen der Schülerschaft. Ob auch Muggelgeborene das Recht haben auf Hogwarts zu lernen, oder ob nur Vollblüter etwas lernen dürfen." erklärte ich ihr.
„Und warum bin ich dann nach Slytherin gekommen? Ich bin nicht böse, oder so."
„Slytherins sind nicht böse! Sie sind neben listig auch ehrgeizig, führungsstark und schlau. Sie haben nicht immer etwas böses an sich. Ich bewundere sie sogar. Sie sind cool!" munterte ich sie auf.
Und dann standen wir vor der Wand. Ich sah gerade niemanden und musste überlegen.
„Ist es hier?" fragte sie, als sie meinen nachdenklichen Blick sah.
„Ja genau. Aber ich weiß nicht wie man reinkommt. Ich hab mal gelesen, dass es wie bei den Gryffindors auch ein Passwort ist, aber ich hab keine Ahnung, wie man das herausfinden könnte." erklärte ich ihr.

Sie zückte ihren Zauberstab und sagte
Alohomora!"
Die Steine wackelten ein bisschen, aber sonst passierte nicht das geringste.
„Ich glaube nicht, dass das funktioniert." stellte ich fest.
Sie zuckte mit ihren Schultern und sagte:
"Ein Versuch war es wert, oder?"
„Dann bleibt uns nur noch zu warten." sagte ich, während ich mich auf den Boden setzte.
„Wie kommt man denn in Ravenclaw rein?" fragte sie, als sie sich zu mir gesellte.
„Durch ein Rätsel. Da ist ein Türklopfer, der dir ein Rätsel stellt und wenn du das Rätsel löst, kommst du rein." erklärte ich ihr.

In dem Moment kam Ann um die Ecke gelaufen.
„Scarlett! Da bist du ja! Ich hab dich schon überall gesucht." rief sie.
„Ich habe euch nicht mehr gefunden. Eric hat mich dann hierher gebracht. Aber wir wussten das Passwort nicht. Kannst du uns helfen?" sprach sie Ann an.
„Ja, das dachte ich mir schon. Ich bring dich rein. Danke, dass du ihr geholfen hast, Eric. Sehr lieb von dir!" Sie lächelte mich an.
„Hab ich gerne getan. Wir sind ja schließlich Freunde." lachte ich und sah Scarlett an. „Aber ich glaube ich sollte jetzt gehen, sonst werde ich noch von einem der Lehrer erwischt."
Scarlett umarmte mich zum Abschied und ich winkte Ann zu.

Auf dem Weg zurück machte ich mir Gedanke darüber, wie ich Morgen meinen Tag planen würde. Ich müsste um Fünf aufstehen, um meine Pflanzen bei ihrem Umzug ins Gewächshaus zu begleiten. Dann um Acht Uhr Frühstück, danach würde ich Scarlett die Schule zeigen. Das würde wahrscheinlich bis zum Mittagessen dauern. Ich musste noch die drei Seiten Bericht für den Unfall heute schreiben, dazu mussten Ben und ich auch noch unsere Strafe bekommen. Hoffentlich würde diese nicht zu hart ausfallen. Ich durfte auch nicht vergessen, dass ich am Abend noch die Pflanzen gießen musste. Das würde ein langer Tag werden.
Und nun stand ich vor der Tür von Ravenclaw. Ich erhob den Türklopfer und wollte gerade klopfen, als mir eine Idee kam.

Ich erhob meinen Zauberstab und sprach „Alohomora.!"
Glaubst du wirklich, dass das funktionieren würde, Junge?" fragte der Adler auf der Tür.
„Geglaubt habe ich es nicht, aber ein Versuch war es wert, oder? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das schon mal Jemand probiert hat?" antwortete ich.
Ach, du bist das! Du hast aber recht. Es hatte bisher noch niemand die Dreistigkeit besessen mich mit einen Alohomora Zauber öffnen zu wollen. Du bist der Erste! Aber ich hätte nichts anderes von dir erwartet. Du warst ja schon immer dreist." sprach der Adler.
Ich hatte schon immer ein paar Komplikationen mit diesem Eingang. Ich war in Rätseln nie richtig gut gewesen, weswegen ich manchmal nicht reinkam. Ich musste auch mal eine Nacht lang auf dem Flur schlafen, weil ich noch zu lange bei meinen Pflanzen war und die Tür mich nicht rein ließ.
„Aber wenn man es genau betrachtet, habe ich das grundlegende Rätsel gelöst. Wenn ich vor einer Tür stehe und rein möchte, aber nicht reinkomme, dann kann ich sie doch auch mit einen Alohomora Zauber öffnen, oder? Damit habe ich ein Rätsel gelöst, oder?" begründete ich meinen sinnlosen Versuch.
Ich gebe dir recht. Aber höre zu: dass wird nicht noch einmal funktionieren. Ich biete kein Rätsel zweimal an." sprach die Tür und ging auf.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich musste an den Satz denken, den meine Mutter immer gesagt hatte: "Dreistigkeit kommt durch. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt!" Ich versuchte schon länger nach diesem Satz zu leben.

Ich betrat den Ravenclaw Gemeinschaftsraum. Das hier war schon immer mein liebster Ort in Hogwarts. Alles war in einem herrlichen blau eingehüllt und aus dem großen Festern hatte man einen atemberaubenden Ausblick über die Berge und Täler, in denen sich Hogwarts befand. Gerade konnte man viele Sterne sehen. Ich suchte nach ein paar Sternbildern.
Gegenüber des Fensters thronte erhaben die Statuer von Rowena Ravenclaw.

Ich ging nach oben in unseren Schlafraum. Mein Koffer und Rucksack standen bereits an meinem Bett. Ich ging auf sie zu, und suchte mein Schlafzeug heraus und begann meine Kleidung in die Truhe vor dem Bett zu räumen. Ben saß auf seinem Bett und las in einem Buch. Meine anderen Zimmergenossen waren noch nicht da.

„Was wollte die Neue eigentlich von dir?" fragte er, nachdem er von seinem Buch hoch sah.
„Sie hatte gefragt, ob ich ihr morgen Hogwarts zeigen könnte." antwortete ich.
Ben richtete sich auf und legte sein Buch auf den Nachtschrank.
„Und dafür habt ihr so lange gebraucht?" hakte er weiter nach.
„Ich hab ihr noch den Weg zu den Kerkern gezeigt. Das hat gedauert. Der Weg ist weit! Wollen wir runtergehen? Ich bin fertig mit auspacken." erklärte ich ihm.
„Klar. Lass uns gehen."

Wir gingen die Treppe zu dem Gemeinschaftsraum runter, in dem sich, im Gegensatz zu vorhin, viel mehr Schüler versammelt hatten. Vor allem die Erstklässler waren jetzt der Mittelpunkt der Veranstaltung. Sie stellten Fragen und sahen sich die Bücherregale an. Ben und ich setzten uns auf eines der Sofas.

„Was ist denn eigentlich ein Briefkasten?" fragte Ben plötzlich.
„Ein Briefkasten.. lass mich überlegen, wie ich es dir am besten erkläre. Muggel haben, wie Zauberer, eine Möglichkeit gefunden ihre Post zu verschicken. Dafür packen sie ihre Briefe, mit Briefmarken, die als Bezahlung dienen, in einen Kasten, der einmal am Tag gelehrt wird. Das macht die Post. Man schreibt vorher auf den Brief, die Adresse, und die Postboten bringen diese dann dahin. Da aber nicht immer die Muggel zuhause sind gibt es dort auch Kästen, wo die Briefe dann reingesteckt werden. Die nennt man auch Briefkästen." erklärte ich ihm.

„Und warum konnte dein Brief nicht zugestellt werden?" fragte er wissbegierig nach.
„Wenn die Adresse falsch angegeben wird, oder wenn zu wenig bezahlt wurde, werden die Briefe an ihren Absender zurückgeschickt. Da euer Haus ja irgendwie Muggelgeschützt ist, konnte der Brief nicht überstellt werden. So kam er zu mir zurück und ich war traurig." beantwortete ich seine Frage.
„Ah, so ist das also! Muggel sind schon faszinierend" sagte plötzlich eine andere Schülerin aus einem jüngerem Jahrgang. Sie hatte uns wahrscheinlich interessiert zugehört.
Ich nickte.
Ben lächelte stolz. „Ja, so ist unser Eric. In Muggelkunde und Kräuterkunde mit Abstand der beste! Also falls ihr Fragen habt, fragt ihn einfach! Er schaut euch zwar böse an, aber das tut er sowieso schon immer. Trotzdem erzählt er euch alles, was ihr wissen wollt." Er schlug mir kräftig auf den Rücken. Ich zuckte zusammen und sah verlegen auf den Boden.
„Ben, ich bin nicht..." stotterte ich.
„Ach was! Falsche Bescheidenheit! Und vor allem, Mädels, er wird nicht mehr lange Single sein! Also nutzt eure Chancen, solange ihr noch eine habt. Die neue hat schon ein Auge auf unseren kleinen geworfen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und seht euch mal an, wie rot er wird!" neckte Ben mich.

Ich schüttelte den Kopf und versank noch ein bisschen tiefer im Sofa. Ich war, im Gegensatz zu Ben, nie gerne im Mittelpunkt. Derweil spaßte Ben noch etwas weiter vor sich hin. Auch ich freute mich über die gute Stimmung. Mich machte es glücklich, wenn Ben sich freute. Und das tat er gerade.

"Und wisst ihr, was wir uns dieses Jahr holen?" fragte er plötzlich mit ernster Stimme.
Ein raunen erfüllte den Raum.
„Den Hauspokal natürlich!" rief er aus. Jubeln brach aus. Auch ich jubelte. Ben wusste, wie man Stimmung aufbaute. Wäre er nur halb so intelligent, wie er war, wäre er sicherlich nach Gryffindor gekommen. Wir hatten uns auch schon mal darüber unterhalten, und er meinte, dass er die Wahl gehabt hatte. Im Anschluss bin ich richtig glücklich, dass er sich für Ravenclaw entschieden hatte.

Der Sonne zu Nah (HP-ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt