Olivia:
In Zeitlupe stolpern meine Beine die kleine Steintreppe runter.
Ich suche die Umgebung nach dem besten Weg ab, Ich habe keine Ahnung in welcher Stadt ich überhaupt bin. Ich renne erst einfach geradeaus, doch ich kriege ein komisches Bauchgefühl, ein richtiges Verlangen in die Straße links neben dem Revier zu rennen. Also höre dieses Mal drauf. Obwohl meine Beine mir schon Stunden zuvor sagten dass sie viel zu müde sind, renne ich mit dem maximal möglichen Tempo die Straße entlang. Aus Triumph drehe ich mich während dem rennen um und zeige dem Polizeipräsidium noch meinen Mittelfinger. Ich weiß nicht genau warum aber ich lache, aus Überforderung, Angst, Wut oder Freude? Vielleicht ein bisschen von allem.
Doch ich bin schon nach wenigen Metern wieder aus der Puste.
Ich muss schnellstmöglich einen sicheren Ort finden. Irgendwo wo ich erstmal Kraft sammeln und etwas schlafen kann.
Ich bleibe stehen. Ich bin in einem Industriegebiet. Jedes Gebäude hier ist grau und mit einem hohen Zaun von der Straße abgegrenzt. Mir fällt eine große Halle mit einem riesigen Parkplatz auf. Es stehen mehrere große LKW's und eine Art Bus darauf. Es ist perfekt?
Ich packe all meinen Mut zusammen und schmeiße erst meinen schweren Rucksack rüber, dann kralle ich mit einem großen Seufzer meine Hände in den Zaun, schiebe meine Füße senkrecht in die kleinen Lücken und ziehe mich Stück für Stück hoch.
Ich muss definitiv in Zukunft an meiner Armkraft arbeiten.
Ich bin nur mehr oder weniger beweglich und wäre oben angekommen, fast nicht ohne zu fallen auf die andere Seite gekommen. Ich klettere noch einige Schritte nach unten und springe dann so sanft wie möglich ab, falle aber trotzdem fast um.
Ich packe wieder meinen Rucksack und grinse in mich hinein, eine große Schwäche meinerseits, ich freue mich immer zu Früh. Aber ich lerne daraus auch nicht. Trotzdem bin ich jedes Mal enttäuscht. Ich blicke erneut in den Himmel, langsam färbt er sich orange / gelb. Ich atme tief durch und versuche zu vergessen was mir vor ein paar Stunden passiert ist.
Langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an einfach unsichtbar oder nur ein Spielzeug für andere zu sein.
Oder vielleicht habe ich ja auch all das verdient.
Ich weiß es nicht.
Alles was ich weiß ist, dass ich meinen Körper seit der Erfahrung mit meinem Vater verabscheue und generell mein ganzes Leben ziemlich scheisse ist.
Tränen beginnen sich in meinen Augen zu formen und ich schleiche mich unauffällig zwischen einen LKW und den Bus, die nah am Hintereingang der Halle geparkt sind. Niemand ist hier. Ich lehne mich gegen eines der großen Vorderräder des Buses und begrabe mein Gesicht in meinen Händen und fange einfach an dran los zu weinen.
Warum immer ich?
Ich sitze hier, in der Kälte, verletzt, erschöpft, am Weinen und Zittern, und frage mich, was jemand anderes tun würde, wenn er plötzlich ich wäre.
Was eine andere Seele, gefangen in meinem Körper, mit meinen Erlebnissen und Gefühlen machen würde.
Was würde diese Person wohl zuerst fühlen?
Einsamkeit?
Schmerz?
Traurigkeit?
Oder fühle ich mich gar nicht so anders wie die anderen?
Fühlen wir uns alle so leer, und ich bin nur ein Außenseiter, weil ich damit nicht umgehen kann?
Sind wir vielleicht doch alle gar nicht so verschieden, und wir sind alle einsame Seelen, für immer gebrochen und verloren?
Bekomme nur ich es nicht mehr hin, es zu überspielen?
Die Stille herrscht in meinem Kopf, wenn ich darüber nachdenke. Die Stille, die da ist, sobald die Klinge meine Haut berührt.
Die Stille, die ich so sehr genieße.
Die Stille, in der mir nicht gesagt wird, wie wertlos, hässlich, fett, undankbar und nutzlos ich bin.
Die Stille, in der ich so viel Frieden finde.
Die Stille, die da ist, wenn das warme Blut läuft und die Endorphine durch meinen Körper strömen.
Aber auch die Stille, die da ist, wenn ich über sie nachdenke.
Die restliche Zeit fühlt es sich so an, als würden sich meine Gedanken überschlagen.
Wie ein Fernseher, auf dem gerade 15 Sender gleichzeitig laufen.
Und manchmal schaltet er plötzlich auf einen einzigen um.
Dieser Sender ist dunkel, einfach schwarz. Es fühlt sich an wie ein Loch, in das du fällst und fällst und fällst.
Es fühlt sich so an, als würde jemand deinen Kopf unter Wasser drücken.
Und sobald du auf diesem Sender gelandet bist, kannst du nicht mehr umschalten.
Nicht ausschalten.
Nicht pausieren.
Er ist einfach da und geht nicht mehr weg.
Und dann erinnerst du dich an dieses wunderschöne Gefühl, sobald die Klinge in deine Haut schneidet.
Als würde sie alle Sender wegschneiden und die Stille heraufbeschwören.
Das Glücksgefühl, das durch deinen Körper läuft, und ... diese Stille.
Die Stille, die ich so sehr vermisse.
Und dann ... entdeckst du unter diesem Wasser, in dem du gefangen bist, ein Seil.
Du hältst dich daran fest.
Du hältst dich damit über Wasser.
Du versuchst, dich aus dem Loch zu ziehen, doch dieses Seil reibt deine Hände auf.
Sie brennen.
Es tut weh.
Doch dieser Schmerz ... er ist gut.
Er tut gut.
Es scheint, als wäre dieser Schmerz der einzige Weg, um zu entkommen.
Der einzige Weg, um diesen Sender für den Moment wieder zu verlassen.
~
Ich schneide mich, wenn ich in diesen Sender falle, um ihm zu entkommen und um endlich kurz Stille zu haben.
~
Und genau bei diesen Gedanken erinnere ich mich daran, wie es ist, sich zu schneiden ... schlimm zu schneiden.
Zitternd und schluchzend hole ich meine Rasierklinge aus meiner Handyhülle.
Vor lauter zittern fällt sie mir auf den Boden und ich schluchze nochmal laut, ich hebe sie auf, wische sie aber nicht einmal ab.
Ohne weitere Hintergedanken drücke ich sie mir tief in die Haut, da wo sie am empfindlichsten ist, am Unterarm.
Und wenn ich mir eine Blutvergiftung hole?
Mir egal.
Und selbst wenn ich jetzt verblute,
mir egal.
Ich habe sowieso schon einen Abschiedsbrief an Star geschrieben.
Nur für den Fall der Fälle.
Dass ist aber schon länger her.
Er schlummert nun in meinem Handy und wartet auf den Tag an dem ich zusammenbreche.
Ich ziehe die Klinge schnell über meine Haut und sofort spüre ich den stechenden Schmerz und das Verlangen weiter zu machen.
Ich habe Star versprochen aufzuhören.
Es machte mich wütend dass ich es nicht kann.
Ich könnte...
Ich bin eine Enttäuschung.
Zweiter Schnitt, diesmal tiefer.
Dritter schnitt
Vierter schnitt
Fünfter schnitt.
Und der sechste direkt an meiner Ader.
Erschöpft lasse ich die Klinge fallen und schließe meine Augen, bis mein Körper zu schwach wird und ich merkte wie ich langsam gehe.
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Verbotene Liebe | Tom Kaulitz
Fan-Fiction„Ich kann keinen weiteren Tag verbringen, ohne deins zu sein" „Ich auch nicht meine Rose" nach diesen Worten fielen meine Lippen auf seine... „Ich würde mein Leben für sie geben...ich würde ihr mein Herz schenken..." „...in einer Welt in der ich n...
