Spring (nicht)

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Olivia:

„Das kannst du nicht ernst meinen."
Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich dachte nur Ich bin betrunken.
Das Angebot muss einen tieferen Sinn haben, warum würde er mir so etwas anbieten?
Wir kennen uns seit 3,5 Stunden.
„Natürlich. Sonst hätte ich es nicht gesagt." Da ist es wieder! Dieses anmachende freche grinsen.
Was bildet er sich eigentlich ein?
„Warum würdest du das anbieten?"
Er betracht mich von oben bis unten und spielt an seinen Lippen Piercing. Wie gern ich ihm dafür eine reinhauen will. Ich muss mich zusammenreißen nicht auf seine Lippen zu starren. Mein ganzer Körper schreit mich an. Ich merke wie die Röte sich durch meine Knochen frisst.
Der Alkohol steigt scheinbar auf mein Gefülsystem im Gehirn.
„Weißt du, du bist echt cool.." Ich kann es nicht aushalten, ich unterbreche ihn.
„Ja ich weiß das ich cool bin...extrem cool sogar." Er lacht, ich erzwinge es mir auch, einfach um gleichgültig zu wirken.
„Ne...jetzt mal im Ernst. Du bist nett, hübsch, lustig...warum sollte ich dir nicht helfen?"
Er rückt ein paar Zentimeter näher. Zu nah wie ich finde. Ans traurig sein kann ich gar nicht mehr denken. Ich runzle nur meine Stirn, mein Gesichtsausdruck fällt aus allen Wolken dieses Himmels.
„Und...so könnten wir uns noch besser kennenlernen." sein Blick wandert von meinen Augen wenige Zentimeter nach unten.
Was zum Fick? Nein!
Es erschießt mich wie ein 6. Sinn
Er mag mich nicht. Er kennt mich nicht. Er findet mich nicht cool oder lustig. Und vor allem findet er mich nicht hübsch! Er will mich nur ins Bett kriegen.
Er will mir nicht helfen, er will nur mit mir schlafen.
Ich springe von der Bank auf, in Richtung Weg, in Richtung Wald.
Er steht unsicher auf und kommt wieder auf mich zu.

FLASHBACK

Tom kommt auf mich zu
Die beiden Männer kommen auf mich zu.
Mein Atem stockt.
Tränen schießen mir in die Augen, mein Körper zittert und mein Kopf in völliger leere.

Tom bleibt einen Meter vor mir stehen, der Schock ist ihm ins Gesicht geschrieben.
Er hebt beschwichtigend seine Hände: „Alles okay Olivia? Es war nur ein Spaß. Was ist denn plötzlich los mit dir?"
Was ist falsch mit mir?
Warum kann ich nicht normal sein?
Warum bin ich so hässlich?
Warum hat mein Vater mir das angetan?
Warum wollten die Männer mir das antun?
Warum habe ich all das verdient?

Er kommt näher, ich kann mich nicht bewegen.
Ich kann nicht rennen. Ich kann nicht stehen. Ich kann nicht fallen.
Ich falle auseinander, mein Körper löst sich einfach auf und verweht im Wind.
Ich bin ein blinder Vogel der fliegt. Eine Regenwolke die im Himmel schwebt.
Ein Rosenblatt im Sturm.

Seine zu weite Hose streicht sanft über das Gras.
Ich atme viel zu schnell, mein Körper zittert.
Ich spüre keine Tränen, vielleicht bin ich zu gebrochen um zu weinen.
Bin ich endlich an diesem Punkt angekommen?
Darf ich endlich sterben?
Wenn ich jetzt in die Hölle komme kann ich vor dem Teufel prahlen vor meinem Tod den schönsten Jungen der Welt gesehen zu haben.
Auch wenn er mich nur ficken wollte.

Seine Hände fallen wie Betonklötzle auf meine Schultern.
Ich zucke unter seiner Berührung zusammen.
Er schüttelt mich hart.
Er holt mich aus dem Loch als würde er physisch an dem Seil des Senders in dem ich gefangen bin ziehen.

„Oh Fuck. Alles okay Olivia?"
„Ich...ja, ja alles gut."
„Hattest du grad eine Panikattacke?"
Jetzt spüre ich die Tränen, sie laufen langsam und warm meine Wangen runter.
Das erste was ich sehe nachdem meine Sicht langsam wieder scharf wird sind seine Augen. Er schaut mich verwirrt...irgendwie besorgt an.
„Du weißt dass das nur ein Spaß war oder? Wir müssen nichts tun was du nicht willst."
Ohne ein weiteres Wort laufe ich zurück zur Bank, der gefrorene Boden knistert leise unter meinen Schuhen.
Ich setze mich erneut. Mein Herz schlägt langsamer bis er sich neben mich setzt.
Ich habe keine andere Wahl als sein Angebot anzunehmen. Ich bin nicht bereit in einem kalten Bahnhof zu leben und den Rest meines Lebens Drogen zu inhalieren.
Ich werde Tom ignorieren.
Ich halte mich an Bill.
Am liebsten will ich aufspringen und die Sache mit der Tour direkt mit Bill klären, aber mein Körper zwingt mich zu bleiben. Ich verfluche ihn dafür.
Ich realisiere zu spät dass ich ihn anstarre als wäre ich vollkommen verrückt geworden.
Ich räuspere mich: „Okay. Ich nehme dein Arrangement an. Aber nur weil mir nichts anders übrig bleibt."
Er zieht seine Augenbrauen nach oben: „Ah ja. Nett von dir, dann gehe ich das mal abklären."
Er lächelt und ich sterbe.

Verbotene Liebe | Tom KaulitzGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt