''Aber hast du nicht auch Liam gebissen?'', fragte sie Scott später, als sie in Stiles' Auto über Peter diskutierten. Scott schaute sie für einen kurzen Moment an und schüttelte dann den Kopf.
''Das ist komplett anders abgelaufen.. Ich.. ich hab Liam gerettet, er wäre sonst gestürzt und wohlmöglich. Das mit Peter war nicht so. Er musste mich nicht Beißen, er hats einfach getan.''
''Und, bereust du's? Du scheinst ganz gut mit der Werwolfsache klarzukommen.''
Stiles knallte seinen Kopf gegen die Autolehne und drehte sich dann zu Ellen. ''Hörst du ihm überhaupt zu?''
''Ja, klar?'', meinte Ellen. ''Ich frage mich, warum Peter jetzt ein schlechterer Mensch als Scott sein soll, nur weil er ihn gebissen hat. Dasselbe könnte man doch dann auch über Liam und Scott sagen, wie schon erwähnt.''
''Genau, abgesehen davon, dass Peter Lydia damals beinahe getötet hat. Er wollte uns schon einige male Umbringen, Ellen. Peter ist ein Monster, versuch das ja nicht leugnen.''
Ellen machte große Augen und schüttelte den Kopf. ''Lydia? Was hat er mit ihr angestellt?''
''Er hat sie gebissen, -'' - ''Aber sie ist kein Werwolf!'' - ''Weil sie eine Banshee ist, verdammt Ellen, was ist nur los mit dir? Seit wann hörst du uns nicht mehr zu, es wäre so als würdest du Peter in gewisser weise Verteidigen wollen.''
Sie wandte ihren Blick von Stiles ab, merkte aber seinen und Scotts Blick in ihrem Nacken.
''Der Typ hätte mich umbringen können, aber Peter hat mir geholfen. Wie wäre es, wenn ihr das einfach sein lässt? Ich meine, ich bin Peter nichts schuldig, aber versaut mir das jetzt nicht. Ich will nicht noch mehr schlechte Nachrichten über die Menschen aus Beacon Hills hören, oder über die Leute, die anscheinend mal zu meiner Familie gehörten. Sowie Derek mich damals schon kannte, so auch Peter, und ganz ehrlich, Stiles? Es ist kein schöner Gedanke. Dass die Freunde deiner Eltern, die du damals gern gesehen hattest, sich als Kaltblütige, mörderische Werwölfe herausstellen. Tut mir leid, wenn ich das nicht hören möchte.''
''El..-'', Ellen unterbrach ihn. ''Nein, lass es einfach.''
''Ich wollte nur sichergehen, dass du weißt, dass du ihm nicht vertrauen solltest'', bemerkte Scott.
''Ich weiß'', antwortete sie. ''Ich weiß, nur.. lassen wir es einfach.''
Stiles setzte Scott Zuhause ab. Ellen warf ein Blick auf das Haus ihrer Gasteltern, schaute aber sofort wieder weg und freute sich einfach nur, sich schlafen legen zu können.
Bei Stiles angekommen setzten sich beide in die Küche und aßen erstmal was. Stiles hatte die ganze Zeit kein Wort gesagt, und Ellen wusste ganz genau, dass er entweder Sauer war oder ein schlechtes Gewissen hatte. Also versuchte sie, das Schweigen zu brechen.
''Du wärst heute beinahe umgebracht worden''
Wow, dachte sich Ellen. Super Gesprächsthema.
''Du auch. Also halt mir jetzt bloß keinen Vortrag.''
''Ich.. Ich will dir doch gar keinen-''
Stiles schüttelte den Kopf.
''Moment, bist du jetzt echt Sauer?''
''Nein, nein, ich bin.. nur Müde.''
''Ist es wegen Peter?''
''Nein'', log Stiles.
''Es ist wegen Peter. Ich kann riechen, dass du sauer bist.'', Ellen starrte für einen kurzen Moment verdutzt in die leere. ''Warte mal, ich kann's riechen, das ist eigenartig.'', sie seufzte. ''Ist als würde mir eine Stimme in meinem Kopf jedes mal sagen, dass du sauer bist. Und es nervt, ich weiß nicht wie ich es abschalten kann. Mir scheint alles viel schlimmer zu sein, die Sache mit Peter.. Das hat mich schon getroffen. Ich war ihm unheimlich Dankbar, viel zu Dankbar, und jetzt bin ich viel zu verunsichert. Es ist alles Schlimmer geworden, alles..''
''Das kommt durch die Werwolf-Sache.''
''Ich versuche noch, damit klarzukommen, ich hoffe du kannst das verstehen. Ich habe mich heute Verwandelt, und Peter konnte mich davon abhalten, komplett die Kontrolle zu verlieren. Das war mein Albtraum, und es ist sicher, dass mir sowas auch passieren wird wenn niemand da ist. Wenn Vollmond ist. Ich werde mich komplett Verwandeln und ich hab verdammt nochmal Angst davor. Derek sagte, es würde eine Vollmonde brauchen, bis ich es Vollständig kontrollieren kann.. Ich wünschte, ich müsste mich gar nicht verwandeln. Es fühlt sich schrecklich an, das Gefühl wünsche ich keinem. Man will die Kontrolle behalten, aber man schafft es nicht, als würde man sich plötzlich in zwei Teile teilen. Ich kann meine Arme nicht mehr selbstständig bewegen, alles verselbstständigt sich.. Und ich bin die ganze Zeit so angespannt, so Wütend, ich weiß nicht was ich denken, was ich sagen soll, es tut mir so leid, Stiles.''
Sie strengte sich an, nicht zu weinen, aber es fiel ihr schwerer als sonst.
''Verdammte Scheiße'', seufzte sie und stand auf. Sie lief verwirrt durch die Küche, während Stiles ihr hinterherlief und versuchte, sie irgendwie zu beruhigen.
Ihr Herz raste mittlerweile. Ellen war klar, dass sie sich wieder zu sehr aufregte, und dass sie kurz davor war, wieder die Kontrolle zu verlieren.
''Derek.. es ist besser wenn ich zu.. ihm gehe'', sagte sie zwischen schweren Atemzügen. ''Du weißt.. dass es gefährlich.. ist, du.. du weißt das.''
Stiles dachte einen kurzen Moment nach, doch Ellen hatte recht. Wenn sie sich nicht von Scott helfen lassen möchte, war Derek die einzige Lösung.
''Versuch durchzuhalten, versuch wenigstens.. dich nicht zu Verwandeln okay? Ich ruf Derek an, bitte versuch in der Zwischenzeit nichts anzustellen.''
Für Ellen vergingen gefühlte Stunden, in denen sie gemeinsam mit Stiles auf Derek wartete. Nach einer Zeit schrie sie Stiles nur noch an und versuchte so, ihre Wut auszulassen, doch es wurde immer Schlimmer. Sie war so Wütend, doch es tat ihr auch sofort wieder leid, dass sie das an Stiles ausließ, was ihre Situation noch verschlimmerte. Verzweifelt und Wütend, keine gute Kombination. Erst recht nicht, wenn sich das alles noch Schlimmer anfühlt, wenn man ein Werwolf ist.
Als Derek dann endlich auftauchte, fiel Ellen ein Stein vom Herzen.
''Was ist passiert?'', fragte er.
''Sie hat sich nur aufgeregt'', erklärte Stiles. ''Sie hat nach dir gefragt, und ich will ungern zerfleischt werden..''
Ellen drehte sich zu Stiles und begann, ihn anzubrüllen. Ein dumpfes, lautes grölen hallte durch Stiles' Haus. Er trat ein Schritt zurück und schaute sie besorgt an.
Ellen begann, rot zu sehen, sie schaute zu Stiles und alles, woran sie denken konnte war, auf ihn zu springen. Sie wollte ihm wehtun.
Derek stellte sich in den weg und drückte Ellens Schultern nach unten.
Und da passierte es. Ellen sprang auf Derek und schlug ihm mit der Flachen Hand ins Gesicht. Ihre Krallen waren ausgefahren, also hinterließ sie einige tiefe Kratzer auf seiner Wange. Derek war zu Schwach, um sie von sich zu reißen. Seine Kräfte waren immer noch geschwächt und er konnte sich nicht wehren.
''Ellen!'', schrie er. ''Verdammt nochmal, Ellen!''
''Warum habe ich das Gefühl, dass das nicht gut Endet'', bemerkte Stiles, der sich immer weiter von den beiden entfernte. ''Ich hätte Scott holen sollen, oh man.. hätte ich es einfach mal getan.''
In dem Moment zückte Derek seine Pistole. Er war viel zu schnell, also konnte Ellen nicht reagieren, und er Schoss ihr mitten in den Bauch. Sie fiel nach hinten und fing an zu schreien. Erst war es ein lautes Gebrüll, dass ich aber irgendwann in ein lautes, Menschliches schreien verwandelte.
Ellen wälzte sich auf dem Boden vor schmerzen hin und her, fasste sich an den Bauch und bekam kaum Luft.
''Das wird heilen'', murmelte Derek. ''Aber ich muss die Kugel rausholen, bleib Still.''
''Lass die Finger von mir!'', kreischte sie beinahe. ''Geh, geh weg! Geh bloß weg!''
Tränen liefen ihr übers Gesicht und jedes mal, wenn Derek näher kam, drückte sie ihn mit der Kraft, die sie noch hatte, weg.
''Ellen, hör auf. Ich muss die Kugel rausholen.''
''Du machst gar nichts'', fauchte sie.
Derek schaute zu Stiles, der aus Panik schon bei Scott angerufen hatte.
''Nein, nein, neeeein!'', meinte Stiles. ''Nein!''
Derek hob eine Augenbraue und stand auf.
''Nein, Derek, NEIN.''
''Mich lässt sie nicht ran.''
''Und ich bin kein Chirurg.''
''Du musst kein Chirurg sein, hol die Kugel einfach nur raus, damit sie heilen kann.''
Ellen schaute zu Stiles herauf und nickte ihm nur zu. Er warf Derek einen verstohlenen Blick zu und beugte sich dann zu Ellen herunter.
''Bring mich nur.. bitte nicht um, ja?''
''HOL DIE VERDAMMTE KUGEL RAUS!'', schrie sie ihm ins Gesicht. Er zuckte zusammen. Mit all seiner Mut zog er langsam Ellens blutiges Shirt hoch und sah die Einschusswunde. Die kugel war recht tief drin, also musste er erst einmal ein ganzes Stück mit seinem Finger herumbohren. Ellen schrie mit jedem Millimeter, doch sie krallte sich am Boden fest, um sich nicht zu Bewegen oder Stiles etwas anzutun.
''Tut mir leid'', murmelte Stiles unsicher. ''Tut mir so, so leid.''
Er versuchte, die Kugel zwischen zwei Finger zu bekommen. Als er es endlich hinbekommen hatte, zog er sie so schnell er konnte heraus. Ellen schrie ein letztes mal laut auf, bis sie endlich merkte, dass der Schmerz begann nachzulassen. Stiles hockte sich neben ihr und atmete tief durch. Die Kugel hatte er in die Spüle geschmissen, das Blut klebte immer noch an seinen Händen.
Sie nahm sein Handgelenk und nickte ihm zu, versuchte ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen zu finden.
''Danke'', keuchte sie.
Stiles legte den Kopf zur Seite und musste lächeln. ''Das mach ich nicht nochmal, das war echt ekelhaft.''
''Ich hab ihn nicht dazu gezwungen, auf mich zu Schießen'', antwortete sie dann, und schaute Wütend zu Derek.
''Du wolltest meine Hilfe.''
''Du hast mich beinahe Umgebracht!''
''Eine verdammte Kugel wird dich schon nicht umbringen. Aber du hättest MICH beinahe umgebracht. Ich kann nicht nett zu dir sein, wenn du außer Kontrolle gerätst, Ellen. So lernst du es nicht. Du willst dich Kontrollieren? Dann darfst du dich nicht verwandeln. Und bis du das aus eigenem Willen schaffst, muss man dich erst einmal mit Gewalt davon abhalten, anderen Menschen wehzutun. Du hast um meine Hilfe gebeten, ich habe dir meine Hilfe angeboten. Du kannst es dir gern anders überlegen.''
Er kehrte ihr den Rücken zu und verschwand, im selben Moment erreichte Scott das Haus.
Als er das ganze Blut auf Ellens shirt und auf dem Boden sah, schaute er total verwirrt. Dazu kam auch noch das ganze Blut an Stiles' Hand.
''Was zum Teufel ist hier passiert?''
''Kleiner Zwischenfall'', rechtfertige sich Stiles. ''Aber.. wir habens Überstanden.''
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Teen Wolf - Lunatismus
AcakEllen macht ihr Auslandsjahr in Beacon Hills. Für sie geht ein Traum in Erfüllung.. Doch leider kommt nichts so, wie sie es geplant hatte. Sie steckt mit einem Fuß in der Welt des Übernatürlichen, und ihr wird ihr langsam klar, dass es ihr nicht nur...