Kapitel 5: In den Hallen des Königs

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Der König wohnte in Hallen aus Stein, doch innen sah es einem Baum ähnlich.
Der Thron schien das Zentrum dieses "Baumes" zu sein. Von dort führten Treppen und Wege nach unten in andere Stockwerke und Räume. Auch hatte der Boden eine grau-bräunliche Färbung; wodurch der Eindruck von Ästen oder Wurzeln noch verstärkt wurde. Der Thron bestand aus Holz und ein großes Geweih war an ihm befestigt. Es machte den Eindruck, dass der Thron mit der Höhlendecke verbunden sei. Groß und prächtig sah er aus.
Auf dem Thron saß ein Elb mit hellen, fast sternenhellen Haaren, und Augen aus Eis. Seine Krone war mit grünen Blättern verziert und mit kleinen gelben und weißen Blüten bestickt.
Das Gesicht war geschliffen von Zeit und Krieg. Es war scharf wie ein geschliffenes Schwert, und genauso erbarmungslos.
Legolas folgte dem Hauptweg, der zum Thron führte, und sagte etwas auf Elbisch, das wie eine Begrüßung klang. Dann verbeugte er sich vor dem König, trat zur Seite und sagte, im Westron so dass sie es auch verstand: "Ich habe sie gefunden. Die, die die Spinnen getötet hat."
Sie verbarg sich im Schatten einer von der Decke hängenden Lampe, die in der gesamten Halle über den Brücken verteilt hingen, und neben dem Tageslicht, dass durch Fenster in den Seiten des Steins herein schien, die einzige und außreichende Lichtquelle waren.
Thranduil sah sie aus eiskalten Augen an. "Sag, warum wandelst du im Schatten? Komm heraus!"
Sie atmete einmal tief ein und aus, bevor sie mit geradem Rücken und erhobenem Kopf ins Licht trat. Ihre Angst versuchte sie in Ehrfurcht zu zeigen, als sie dem König gegenüber stand. "Wie heißt du?" , fragte der König. Sie sagte nichts, sah ihn nur an. In ihren Augen blitzte die wilde Entschlossenheit eines Wolfes. Dazu kam noch, dass ihre Haare durch das Spinnenblut und dem Wind zerzaust waren. Die befleckte Kleidung verstärkte nur noch mehr den Eindruck, als ob sie ein Wolf wäre. Legolas erinnerte sich an die Situation mit den Handschellen und ihren Wolfszähnen.
"Wer bist du?!" , fragte König  Thranduil nun gereizt und erhob sich von seinem Thron. Sie sprang zurück in den Schatten, knurrte und bleckte die Zähne. Das Wolfsgebiss. Ihre Augen funkelten gefährlich im Schatten.
"Interessant." , sagte der König und setzte sich wieder. Ihr schlug das Herz bis zum Hals.
Sie hatte den König bedroht!
Sie wusste, dass jeder Fremde, der unerlaubt in den Wäldern des Königs wanderte, und erwischt wurde, dem König vorgeführt wurde. Es wird über ihn gerichtet. Er darf den Grund für seine Anwesenheit vorbringen, und wird für wenigstens zwei Tage in den Kerker gebracht. Sie hatte sogar einmal gehört, dass der König jemanden einsperren ließ, bloß weil er ihn schräg von der Seite angeschaut hatte.
Doch Thranduil sah sie bloß an, als Legolas mit ihm sprach. Er erklärte, wie er sie im Wald "gefangengenommen" und zum Palast gebracht hatte. So versuchte er ihre Reaktion zu erklären. "Und warum spricht sie nicht?" , fragte der König auf Elbisch Legolas. Dieser senkte den Blick auf den Boden und sagte: "Ich weiß es nicht." Aus den Augenwinkeln sah er wie sie ihn anstarrte. Er wusste was sie wollte.
Ein schneller Blick in Richtung seines Vaters, dann schritt er auf sie zu. Und bevor Thranduil etwas sagen konnte, war er schon bei ihr.
Er stellte sich hinter sie und löste mit geschickten Fingern die Fesseln. Ohne ein Wort zu sagen ging er zurück an seinen Platzt und erntete einen bösen Blick seines Königs.
Sie trat ins Licht, sah Thranduil in die eisblauen Augen, legte die Hand auf's Herz und machte eine Verbeugung mit geöffneter Handfläche auf dem Rücken. Dann sagte sie mit rauer Stimme, die klang, als ob sie lange nicht benutzt worden wäre: "Mae govannen, Thranduil, taur en Eryn Lasgalen!*" Danach bekam sie einen Hustenanfall und unterdrückte ein Würgen.
Thranduil neigte leicht den Kopf, als Zeichen, dass er ihre Begrüßung angenommen hatte, und sie in seinem Reich duldete.
"Jetzt wissen wir, warum sie nicht gesprochen hat." , sagte Legolas auf Elbisch zu seinem König und betrachtete die immer noch hustende Gestalt vor ihm. "Ja. Sie leidet an Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel. Wie lange ist sie schon im Wald?" , sagte der König nachdenklich.
"Was hast du jetzt mit ihr vor?" , fragte Legolas. "Hmm. Das ist eine sehr gute Frage." , antwortete er und beobachtete wie sich das Mädchen den Brückenabschnitt, auf dem sie stand genauer ansah.
Auf dem Boden war mit dunkler Maserung ein Weg zum Thron gezeichnet. Sie ging zum Rand der Brücke und schaute hinunter. Dort waren andere Brücken. Eine genau unter ihr. Und ganz unten, etwa drei Stockwerke tiefer, sah sie einen schwarz-weiß marmorierten Boden.
"In die Kerker kann sie nicht, die sind alle belegt." , murmelte Thranduil leise. "Sie könnte bei mir im Zimmer schlafen." , sagte Legolas schnell. "Nein!" , sagte König Thranduil plötzlich laut, als wäre es ihm zuwieder, "du wirst nicht mit diesem Wolfsmädchen in einem Zimmer schlafen!"
Bei diesen Worten wandte sie sich Thranduil und Legolas zu und fauchte: "Garafwen!* Diesen Namen gaben mir die Menschen! Sie fragten nicht, ob mir das gefiel. Sie nannten mich so und machten sich über meine Herkunft lustig!
Da habe ich sie verlassen und sie ihrem Schicksal überlassen."
Eine kurze Pause entstand.
"Und wie sollen WIR dich nennen?" , fragte Thranduil. Ruhig auf ihren Ausbruch reagierend.
Ihr Blick, der sich zuvor verfinstert hatte, klärte sich auf und ihr Mantel, der sich aufgebauscht hatte, wallte nun wieder hinter ihr.
Während sie noch über die Frage nachdachte, ergriff Legolas das Wort und sagte zu seinem König: "Du kannst doch zwei Wachen vor der Tür aufstellen, die aufpassen, dass sie mir nichts antut.
Auch wenn ich es für unwahrscheinlich halte, dass sie mir etwas tut."
Thranduil sah ihn an. Legolas schien entschlossen zu sein, ihm zu beweisen, dass sie nicht gefährlich sei. Thranduil nickte. "So sei es."
Legolas ging auf sie zu. Sie wandte dem Thron den Rücken zu und beobachtete ihren Schatten flackernd und schattenhaft auf dem Boden tanzend.
Da drehte sie sich leicht zum König und sagte: "Nennt mich Halya."

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* Mae govannen, Thranduil, taur en Eryn Lasgalen! - Gut euch getroffen zu haben, Thranduil, König des Grünblätterwaldes!

* Garafwen - Wolfsmädchen
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Das 6. Kapitel. Na? Wer hat das Eater-Egg gefunden? ^^
*hust, ich! Hust, hust*

Ich hoffe der Unterschied, wenn Elbisch gesprochen wurde ("...") und normales Westron, also 'Deutsch' (eigentlich ist es das alt-englische) , ("...") konnte man erkennen. >. < 
Wenn nicht, bitte bescheid sagen. Dann kann ich das ändern.

Jetzt wisst ihr auch, woher ich meinen Namen habe^^
Und wie immer hoffe ich, dass es euch gefallen hat, und ihr euch auf Kapitel 6 freut.

Ps.: Wie ihr jetzt vll. schon bemerkt habt, habe ich mit dem Upload von 4 etwas gewartet. Das liegt aber daran, dass dir folgenden Kapitel wirklich lang werden. O.o
Und es schwierig ist, gleichzeitig abzuschreiben und weiter zu schreiben.

Ich werde dennoch versuchen so alle 2 Tage zu Uploaden.
Seid mir also bitte nicht böse, wenn es mal etwas länger dauert.
Danke schön^^

LG, Halya26

Eine der Gaurwaith (Legolas ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt