Kapitel 13: Das Duell

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Halya hatte sich gerade ihre Kleidung angezogen, die sie bei dem Duell tragen würde - ihr langärmeliges, bauchfreies Shirt und die dunkle Jagdhose - als Legolas wieder ins Zimmer kam.
Sie saß mit dem Rücken zu ihm. Ihr weißer Mantel bildete einen starken Kontrast zu ihren dunklen Haaren.
"Hast du erledigt worum ich dich gebeten habe?", fragte Halya angespannt und drehte sich um. "Ja", antwortete Legolas und trat zu ihr.
Halya hatte ihn geben, in den Speisesall zu gehen, wo das Duell stattfinden sollte, und überall einmal lang zu gehen, wo Zuschauer sitzen und Tische mit Essen stehen sollten. Er wusste nicht, warum er das tun sollte, aber Halya würde schon wissen was sie bräuchte um gegen Giron zu Kämpfen.
Den gestrigen Tag hatte sie damit verbracht, alle die sie und Legolas (vor allem Legolas) kannten, nach Giron's Kampfkünsten zu befragen. Sie wollte sich ein Bild von seinem Kampfstil machen.
"Soll ich dir die Haare flechten?", fragte Legolas als Halya sich die von der Heilerin verordneten Salbe auftrug. Halya nickte und drehte ihm den Rücken zu. Vorsichtig - ohne ihren Mantel am Ende zu Berühren - begann Legolas Halya die Haare zu bürsten.
Die Anspannung die Halya seit dem Vorfall mit der Tinte gefangenhielt fiel von ihr ab, und sie entspannte sich etwas. "Wann beginnt das Duell nochmal?", fragte sie zum wiederholten male, wobei ihre Ohren nervös hin und her zuckten. "Am späten Nachmittag", antwortete Legolas geduldig und begann zwei Stähnen zu Felchten, wie es bei den Elben üblich war.
Halya holte tief Luft und seufzte. Sie war Legolas dankbar das er so ruhig blieb. Denn sie selbst und alle anderen um sie herum waren so aufgeregt, dass sie nicht still sitzen konnte. Und der Gedanke daran, dass Thranduil sie beim Kämpfen beobachten würde, jagte ihr Schauer über den Rücken.
Gerade klopfte es an der Tür. Vor Schreck sträubte sich Halyas Fell und sie fuhr herum, dabei stieß sie Legolas beinahe um. Er konnte jedoch rechtzeitig ausweichen und ließ den Gast herein.
Es war eine Königswache. "Das Duell beginnt jetzt!", sagte er und verschwand aus der Tür.
"A-aber... A-aber...", stotterte Halya. "I-ich wollte doch noch zu Faro!" Nach Halt suchend tastete sie nach Legolas' Schulter. Noch nie hatte sie ohne ihren Bruder gekämpft!
Sie hatte vor dem Duell wenigstens noch bei ihm vorbeischauen wollen und sich seelischen Beistand holen - da er ja nicht in den Palast durfte.
Und nun sollte es jetzt schon beginnen?!
"Du brauchst keine Angst zu haben", versuchte Legolas sie zu beruhigen, "Du schaffst das schon."
"Ich habe keine Angst gegen Giron anzutreten, das kann ich kaum erwarten! Es geht um alle anderen - vor allem um deinen Vater", antwortete Halya und schaute Legolas mit ihren schwarzen, blinden Augen an.
Er wusste, dass sie Angst vor seinem Vater hatte, aber was das mit dem bevorstehenden Kampf zutun hatte, verstand er nicht.
"Es gibt jetzt schon etliche Gerüchte und Anfeindungen, weil ich anders bin. Wie wird es dann sein, wenn ich Kämpfe? Ich Kämpfe ganz anders als ihr! Ich habe kein ausgiebiges Training genossen, bevor ich in den Krieg zog! Ich bin im Krieg aufgewachsen und musste mir größtenteils selbst beibringen wie man überlebt!"
Legolas konnte nur vermuten, dass sie einen Krieg in ihrer Heimat meinte, denn der Krieg um Mittelerde war vorbei. Nur vereinzelte Orks rotteten sich zu eigenen Stämmen zusammen und griffen manchmal noch Dörfer an.
"Das mag zwar stimmen", erwiderte Legolas und drückte ihre Hand. "Aber jeder entwickelt mit der Zeit eine eigene Art zu Kämpfen", versuchte er sie zu beruhigen.
"Immerhin bin ich ja Blind und muss nicht sehen wie sie mich anstarren", seufzte Halya und legte ihre Hand auf seine Schulter. Sie hatte Legolas erklärt, dass sie ihm auch folgen könne, ohne dass sie sich an ihm festhielt, aber sie musste die Maske der armen, hilflosen Halya aufrechterhalten. Wenn das nicht wäre - es würde nicht auffallen dass Halya Blind ist. Ihre anderen Sinne - höhren und riechen - reichen durchaus aus.

"Und sorge bitte dafür, dass es während des Kampfes so ruhig wie möglich ist", sagte Halya bevor sie den Speisesaal betraten. Legolas nickte.
Im Speisesaal war eine große, rechteckige Fläche freigehalten worden - die Kampffläche. Drumherum standen die Tische mit Essen und den Schaulustigen.
Legolas brachte sie in die Mitte der Kampffläche; 20 Schritt von Giron entfernt. Als Legolas sich zurückzog begann Halya unauffällig zu Schnüffeln und die Ohren hin und her zu Bewegen. Sie machte sich ein Bild der Situation. Legolas' Geruch nach einem Wasserfall in einer sternenklaren Nacht, bildete die Grenze des Kampfbereiches. Girons unnatürlicher Gruch nach Frabe war kräftig, und sie konnte reichen, wie er vor Ungeduld hin und her lief. Zudem roch sie das Metall von Girons Schwert, welches er umherschwang und sich mit Scheinangriffen aufwärmte.
"Na? Hat das blinde Huhn auch mal her gefunden?", lachte Giron. Halya fletschte die Wolfszähne und glitt mit ihrer Zunge kurz über ihre Lippen. "Ooh. Hab ich das Hündchen verärgert?", stichelte er weiter.
"Wie heißt es?", fragte Halya stattdessen. Giron war wie vor den Kopf gestoßen. "Was?", fragte er verständnislos. "Dein Schwert. Wie heißt es?" Halya deutete auf sein Schwert. "Hä? Man gibt seinem Schwert doch keinen Namen!", empörte sich Giron. "Du hast nie mit deinem Schwert in einer Schlacht gekämpft?", fragte Halya fast entsetzt. "Wie schade...", sie schien ehrlich traurig zu sein, "dann ist das Duell ja schon in Fünf Sekunden vorbei!" Halya holte mit einer schnellen Geste ihre Dolche hervor; bei der sich ihre Armreife am Handgelenk und in der Mitte ihrer Unterarme verteilten und flache, weiße, spitze Zacken aus ihnen heraus ragten. Dann ging sie in Angriffshaltung und sagte: "Darf ich vorstellen: Dagnir Na Atsu En Thoron!" (Töter mit Klauen des Adlers)
"Was soll das heißen? Schon in Fünf Sekunden vorbei?", Giron überging den Namen ihrer Waffen. "Mit diesen Zahnstochern willst du mich besiegen?", spöttelte er und Lachte.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Aug 18, 2017 ⏰

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