Halya wandte sich nach vorne und schloss zu Legolas auf, der schon voraus gelaufen war.
Sie gingen die nächste Abzweigung des Hauptweges rechts.
Der Weg wandte sich an der von Tageslicht hellbeleuchteten Höhlenwand entlang, und Halya hörte das laute Rauschen des Waldflusses, der irgendwo tief unten auf den Höhlenboden traf und sich durch das Schloss schlängelte, bis er irgendwann wieder nach draußen führte; zu der ehemaligen Seestadt, die von dem Drachen Smaug zerstört worden war. Smaug wurde von Bard, dem Bogenschützen, erschossen. Die Leute aus Seestadt sind zur Stadt Thal zurückgekehrt, als Thorin Eichenschild sein Königreich unter dem Berge zurückeroberte, den Erebor. Die Menschen aus Thal führen immer noch Weinhandel mit den Elben des Waldlandreiches.
Rechts von sich konnte Halya noch andere Brücken und Wege sehen. Und König Thranduil, der sie immer noch anstarrte. Er rief etwas auf Elbisch und Halya schaute Legolas fragend an. Er lächelte und sagte: "Er will das du neue Kleidung bekommst. Er denkt dass du so" , er deutete auf ihr Oberteil, "zu aufreizend bist. Außerdem bist du voller Blut."
Halya schnaubte verächtlich und ging stur geradeaus starrend den Weg weiter nach unten. Sie kamen an verschiedenen Türen und Gängen vorbei und andere Elben liefen an ihnen vorbei. Es waren offensichtlich noch Schüler, denn sie trugen Bücher und Hefte in den Armen.
Als sie an Halya und Legolas vorbeikamen tuschelten sie leise miteinander.
Selbst für Elbenohren wäre es schwer gewesen in dem regen Treiben, das auf den Gängen herrschte, einzelne Stimmen herauszuhören. Aber für Halya, deren Ohren größer waren und genauso empfindlich wie die eines Wolfes waren, war es ein leichtes.
Sehr oft fiel das Wort Garafwen, Wolfsmädchen. Oder sie schauten ihnen erstaunt oder ungläubig hinterher.
Halya folgte Legolas eine Wendeltreppe hinauf, und sie kamen auf einen großen Korridor hinaus, mit Zimmern auf beiden Seiten.
"Links das erste Zimmer ist frei. Rechts versetzt ist ein kleines Gewächshaus. Daneben ist das Badezimmer, und am Ende des Korridors führt eine Treppe nach unten. Und hier" , Legolas blieb vor der Tür neben dem Freien Zimmer stehen, "ist unser Zimmer."
Halya sagte kein Wort. Sie schaute nur aus dem großen Fenster, dass am Ende des Korridors die gesamte Wand einnahm. Dort sah sie den Wald, und hörte einen Vogel seine wundervolle Melodie singen.
Alle Zimmer waren versetzt voneinander. So war Legolas' Zimmer sozusagen zwischen dem Gewächshaus und dem Bad; nur auf der anderen Seite.
"Aber du kannst als erstes ins Bad gehen, um dich und deine Kleidung zu säubern. In der Zwischenzeit werde ich dir neue Kleidung besorgen und sie dir aufs Waschbecken legen." , sagte Legolas.
Sie schaute ihn nur an, und er sagte schnell: "Ich werde nicht spannen. Das Bad ist groß genug, sodass du mich nicht sehen wirst; oder ich dich."
Halya nickte. Und mit diesen Worten im Hinterkopf drehte sie sich um und ging zum Badezimmer. Hinter der verzierten Tür hörte sie Wasserrauschen, wie von einem Wasserfall. Als sie die Tür öffnete, schlug ihr warme Luft entgegen und der Lärm des Wasserfalls wurde lauter.
Rechts und Links von der Tür waren Regale mit Handtüchern, Badetüchern und verschiedenen Seifen. Dahinter waren auf der rechten Seite drei Waschbecken mit Spiegeln, und schräg gegenüber drei Toiletten. An der hinteren Wand war ein großer Wandspiegel angebracht, der die gesamte Person zeigte.
Halya schaute in den Spiegel und starrte die Person an, die ihr gegenüber stand. Ihre Haare waren zerzaust, die Kleidung zerrissen und blutverschmiert. Doch ihre Grünen Augen funkelten voll Selbstbewusstsein und ihre Körperhaltung war kerzengerade, wie die eines Prinzen oder König. Der Mantel hing ihr leicht an den Schultern herab und reichte fast bis auf den Boden.
Plötzlich sah sie ein Bild in dem Spiegel: Wölfe tauchten hinter ihr auf. Ein hell-dunkel brauner Wolf in einer bronzenen Rüstung saß neben ihr, und sie streichelte seinen großen Kopf. Die Wölfe hinter ihr heulten. Es waren Jubelrufe, und dazu gesellten sich die Simmen von Elben, die auf Wölfen angeritten kamen und sich vor ihr verbeugten. Ihre Rufe hallten laut in die sternenklare Nacht hinaus.
Halya sah, wie sie den Kopf neigte, da fiel ihr Blick auf die Krone, die auf ihrem Kopf saß. Sie schien aus schmalen, dünnen, zusammengeflochtenen Ästen von einem Weidenbaum zu bestehen. An der Krone schienen Juwelen befestigt zu sein, die wie die durchsichtigen Spitzen von Eiszapfen oder die weißen Zähne von Wölfen aussahen.
Halya hob abwehrend die Hand und blickte auf den Boden. Das wollte sie nicht. Das hat sie nie gewollt!
Aus dem Augenwinkel sah sie einen Torbogen, und sie war wieder in der Wirklichkeit.
Sie stand neben einem Waschbecken, und gegenüber des Waschbeckens war ein Durchgang in einen anderen Raum.
Halya schritt in den anschließenden Raum und blieb vor staunen stehen. Das war das Badezimmer! Und es war wesentlich größer als der Vorraum. Sie stand vor einem riesigen Becken, dass in den Boden eingelassen war und von einem Wasserfall, rechts von ihr, mit warmen Wasser gespeist wurde. Man konnte sich unter den Wasserfall stellen und duschen, oder in dem großen Becken davor Baden.
Nachdem der erste Schock überwunden war, stürzte Halya auf das Becken zu und stieg die eingelassen Stufen hinab in das warme Wasser. Sie stand schon bis zu den Hüften im Wasser, als ihr etwas einfiel. Sie watete zu der Treppe zurück, zog sich die Schuhe aus und legte zwei kleine Dolche, in der Form von Krallen ähnlich, auf den Treppenrand.
Danach machte sich Halya durchs Wasser watend und in voller Bekleidung, auf den Weg zum Wasserfall um sich das Spinnenblut aus den Haaren und der Kleidung zu waschen.
*^-*-^*
Legolas sah wie Halya nickte, sich umdrehte und den Vorraum des Badezimmers betrat.
Als erstes würde er ihr neue Kleidung besorgen. Er ging an dem Badezimmer vorbei die Treppe runter, dann links an ein paar Türen vorbei und er war an der Schneiderei. Legolas klopfte leise, und als ein "Herein!" ertönte, trat er ein.
Die Schneiderin saß auf einem Stuhl, der vor einem großen Tisch stand. Auf dem Tisch waren viele verschiedene Stoffe verteilt.
Als sie von ihrer Arbeit auf sah und Legolas entdeckte, stand sie auf und machte einen Knicks. "Guten Tag, mein Prinz." , sagte sie und nahm wieder platz. "Laurea! Du weißt doch das ich nicht so angesprochenen werden möchte!" , sagte Legolas und sah sie böse, aber mit einem Lächeln auf den Lippen an.
"Ich weiß." , antwortete Laurea mit einem Lächeln und wandte sich mit einem nachdenklichen Blick wieder den Stoffen zu.
Legolas und Laurea waren schon seit Jahrhunderten befreundet. Und seit Jahrhunderten schneiderte sie schon seine Kleidung.
Laurea war für Legolas eine Vertraute. Ihr konnte er alles erzählen und sich sicher sein, dass sie nichts weiter sagte. Genauso auch umgekehrt.
"Und an was arbeitest du gerade?" , fragte Legolas neugierig und schaute Laurea über die Schulter.
"Der König möchte eine neue Jagdrobe haben, da die alte zerrissen sei." , erklärte sie und nahm einen braun-orangenen ledernen Stoff vom Tisch. "Sag mal, stimmt es eigentlich das dass... ähm... Wolfsmädchen... den König bedroht hat?" , fragte sie und sah Legolas aus grauen Augen an, während ihre geschickten Finger zwei Stoffhälften zusammennähten. "Nenn sie nicht so! Sie hat einen Namen! Halya." , sagte Legolas leicht gereizt.
"Das tut mir leid. Das wusste ich nicht." Laurea stand auf und holte mehr von dem braunen Stoff, den sie dann auf den Tisch legte.
"Stimmt es, dass sie ein Wolfsgebiss hat? Und das sie sich in einen Wolf verwandeln kann?" , fragte sie weiter. "Die Gerüchteküche scheint ja jetzt schon zu brodeln." , antwortete Legolas und ließ ihre Fragen unbeantwortet.
"Hat dir schon jemand mitgeteilt, dass Halya neue Kleidung bekommen soll?" , wechselte er das Thema. "Ja. Ich habe auch schon etwas rausgesucht." , ging Laurea auf den Themenwechsel ein und ging in einen kleinen Nebenraum, in dem schon fertige Kleidung gelagert wurde. Sie kam mit einem langen Grünen Shirt, einer braunen Hose und einem gleichfarbigen schmalen Gürtel wieder heraus und drückte sie Legolas in die Hand. "Danke." , sagte er und verließ das Zimmer. "Einen schönen Tag noch!" , rief Laurea ihm nach, und hörte noch ein "Dir auch! Und bis nächstes mal."
Dann war sie wieder alleine und konnte weiter arbeiten.
Legolas ging den Gang zurück und die Treppe hinauf. Als er vor dem Badezimmer stand klopfte er, und wartete auf eine Antwort. Als keine kam öffnete er vorsichtig die Tür und trat ein. Von Halya war nichts zu sehen. Er ging zu einem der Waschbecken und legte die Kleidung ab.
Er wollte gerade gehen, als er durch den Torbogen etwas in der Nähe der Treppenstufen entdeckte. Es waren ihre Schuhe und... zwei Krallenähnliche Dolche.
Wo hatte sie die Dolche versteckt? , fragte er sich und ging nach Draußen.
*^-*-^*
Als das Blut aus ihren Haaren und teilweise aus ihrer Kleidung gewaschen war zog Halya sich aus und wusch sich gründlich ab. Danach wusch sie sie das restliche Blut aus ihrer Kleidung und hängte sie zum trocknen auf.
Halya ging in den Vorraum, um sich ein Badetuch zu holen, als ihr die neue Kleidung auf dem Waschbecken auffiel. Abrupt blieb sie stehen. Hatte Legolas sein Wort gehalten? Oder versteckte er sich nicht doch irgendwo?
Halya horchte. Doch sie hörte nur das Rauschen des Wasserfalls. So trocknete sie sich ab und zog die Sachen an. Mit einem Handtuch trocknete sie sich die Haare ab und holte ihre Schuhe. Die Dolche versteckte sie jeweils einen auf jeder Seite an der Hüfte, gut verborgen und doch handlich genug, um notfalls schnell zugreifen zu können und zu Kämpfen.
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Kapitel 6.
Bitte schön^^
Hoffe es gefällt euch.
LG, Halya26
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Eine der Gaurwaith (Legolas ff)
FanficIm Düstewald werden vermehrt tote Spinnen gefunden. Das ist so weit nicht schlimm, denn jeder ist froh über ein neues getötetes Untier. Doch der Schlächter ist unbekannt. Den Befehl seines Königs und Vaters ignorierend macht sich Legolas auf die Suc...
