chapter 16.

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Mika Pov

Mit einem unguten Gefühl verließ ich nach der Stunde als erste den Klassenraum. Finn wollte ich auf keinen Fall begegnen, das wurde mir einfach zu viel. Ich ging an meinen Spind, lehnte mich dagegen und schrieb Felix, dass er mich heute bitte abholen soll. "Hey, alles in Ordnung?" hörte ich Noemi neben mir. Sie sah mich verständnisvoll an. "Anna ist doch Finns Freundin", fragte ich. "Du stehst auf ihn", sie biss sich auf die Lippe. "Ich wollte eigentlich auf was anderes raus", erklärte ich. "Diese Sophie und Melina aus dem Deutschkurs sind doch so gut mit der befreundet. Nach dem Satz von Herr Mayer kann ich mich doch nie wieder vor Anna mit Finn blicken lassen. Oder überhaupt vor Anna oder überhaupt mit Finn..." seufzend packte ich mein Deutschbuch in mein Schließfach.

"Ach, mach dir nicht so viele Gedanken", Noemi machte meinen Spind zu, hakte sich unter meinem Arm ein und sah auf ihr Handy. "Nurnoch 2 Minuten, dann beginnt die nächste Stunde", sagte sie hektisch. "Was haben wir denn?" Panisch sah sie mich an. "Sport."

Meine Augen weiteten sich.

[Zeisprung]

In der Umkleide sah ich mich etwas um. Shit, Anna war in unserem Sportkurs, inklusive ihrer Freundinnen. Noemi zog mich mit, bei den Duschen gab es nochmal Möglichkeiten sich umzuziehen. Nur wir waren hier. "Ich mag Anna auch nicht, keine Sorge", sie warf ihre dunklen Haare zurück und band sich ihre Locken dann zu einem Pferdeschwanz. Ich tat es ihr gleich und machte mir auch einen Zopf. Mir war es fast peinlich wegen den ganzen Verletzungen am Arm mir jetzt ein kurzärmliges Shirt anzuziehen, aber das musste jetzt halt sein. Dadurch dass ich auch noch so abgemagert bin, denkt jeder wahrscheinlich dass ich voll depressiv bin.

"Oha, was ist da passiert?" fragte Noemi als sie meine blauen Arme sah. "Lange Geschichte", ich winkte ab. Im Gegensatz zu den anderen Mädchen hatte ich nichtmal ansatzweise Brüste. Das lag vielleicht auch am Ballett. Ich hatte Jahrelang an einer sehr professionellen Tanzschule getanzt, da durftest du mit 10 Jahren nicht über 30kg wiegen und 6 Tage die Woche Training. Es gab einen sehr strengen Essensplan. Ich würde auch immernoch mit Ballett weitermachen, wäre das ganze mit meinem Vater nicht so eskaliert.

Die meisten sahen mich nur verwundert an. Mein Körperbau war alles andere als weiblich; kurz gesagt, zu dünn und keine Brüste.

Finn war auch in unserem Sportkurs (wie unerwartet!). Ihm hatte ich ja aus meiner Vergangenheit mit meinem Vater erzählt. Auch er sah mich verwirrt an doch ließ sich nichts anmerken. "Wir stimmen heute zwischen Fußball und Basketball ab", erklärte der Sportlehrer. Ich hörte hinter mir Anna und ihre Freundinnen über mich lästern. Konnten sie das nicht woanders machen oder einfach lassen, oder wollten sie mich bloß provozieren? "Das an dem Arm ist bestimm bloß weil sie Aufmerksamkeit sucht. Und seht euch mal ihre Figur an", zogen sie über mich her. Noemi drehte sich um und sah sie warnend an. "Mach dir nichts drauß", sie sah mich aufmunternd an. Ich nickte stumm.

Er teilte uns in 6 Mannschaften ein und es liefen immer drei Spiele gleichzeitig. Die Sporthalle war echt alles andere als klein. Sie war viel zu groß, meiner Meinung nach, es hätte sogar ein viertes Spiel geben können. So eine Mannschaft bestand aus ca 4/5 Leuten und zu meinem Pech mussten Noemi und ich, mit 3 anderen Jungs gegen Anna und einer ihrer Freundinnen spielen. Und in deren Gruppe war auch noch Finn. Anna hatte scheinbar schon mitbekommen, was in der Deutschstunde passiert war, dementsprechend war sie auch zickig zu mir. Eigentlich spielten wir ziemlich fair bis Anna den Ball hatte und ihn mit voller Wucht auf mich schoss und meinen linken Arm traf.

Sofort stiegen Tränen in meinen Augen hoch. Es tat höllisch weh. Bevor ich was sagen konnte, spielte sich alles wie ein Film vor mir ab. Mein Vater, wie er mich auf den Boden schlug und auf mich eintrat. Wie ich flehend zu Felix gerannt war. Was ich täglich für eine Angst habe, dass mein Vater mich nicht sucht und mich umbringt.

Ich hielt mir mit dem anderen Arm an die schmerzende Stelle.

Alles hatte sich wie in Slow Motion angefühlt doch jetzt ging alles wieder so schnell. Finn und Noemi kamen auf mich zu und sahen mich besorgt an. Finn rannte los um den Lehrer zu holen. "Mika, was ist passiert?" fragte er. Ich sah zu Anna. Diese stand wortlos da.

Ich spürte Finns Hand auf meiner Schulter doch ich wich zurück. Tränen liefen mir übers Gesicht. Kurz darauf hin rannte ich aus der Halle, zurück in die Umkleide. Ich sah mich im Spiegel an und wischte mir die Tränen weg.

Was war ich eigentlich für ein ekliges Wesen? Ich betrachtete mich im Spiegel. Ich sah nicht gesund oder normal aus. Wieso fiel mir das erst jetzt so sehr auf? Vielleicht weil ich täglich so große Pullover oder Jacken anhabe. Meine Beine waren eklig dürr und auch wenn man um mein Handgelenk mit den Fingern rumkam; es war trotzdem noch viel Platz übrig. Ich ekelte mich vor mir selbst. "Alles in Ordnung?" ich fuhr erschrocken zusammen und sah zur Tür. Finn. "Das ist die Mädchenumkleide", sage ich stumpf. Er zuckt mit den Schultern. "Herr Weiß hat gesagt ich soll nach dir gucken", erklärte er.
Daraufhin schwiegen wir einige Minuten und sahen uns an.

"Finn?" unterbrach ich die Stille.
"Ja?"
"Findest du ich bin.. zu dünn?" fragte ich.
"Warum?"
"Ich.. ich finde das eklig", gab ich zu und sah mich wieder im Spiegel an.
"Du bist eindeutig untergewichtig. Aber das hält dich nicht davon ab, dass du sonst wunderschön bist." Ich drehte mich ruckartig zu ihm und starrte ihn an.

War das gerade ein Kompliment?

"Ja, das war es", er lacht leicht.
"Hab ich das laut gesagt?" fragte ich erschrocken. "Ja", er grinst. Ich lehnte mich von hinten an das Waschbecken. "Ich kann mit Komplimenten nicht so gut umgehen", sagte ich darauf hin. "Schon okay, hübsche", ärgerte er mich. Ich schlug ihn leicht auf den Oberarm und lächelte. Er kam auf mich zu und legte seine Hände an meine Taille.

Er kam mir zu nah, wenn jemand mich fragte. Er drückte mir leicht einen Kuss auf die Wange und ging dann wieder ein Schritt zurück. "Gehen wir rein?" fragte er lächelnd. "Ähm.. ja", ich lächelte schüchtern und folgte ihm.

adopted || dnerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt