Am nächsten Morgen wurde Taddl wieder durch ein klopfen an der Tür wach, wie am Tag zuvor. Und gleich wie am Tag zuvor öffnete er die Tür. Davor stand wieder die nette Dame, die ihm sein Frühstück brachte. Er hat gelesen, dass Frühstück die einzige Mahlzeit am Tag ist, die ins Zimmer gebracht wird. Das andere Essen können sich die Patienten gratis in der Kantine holen, aber manche wollen eben nichts essen, und die Klinik will kein unnötiges Essen wegschmeißen, das wäre zu schade. Heute bekam er Rührei mit Speck und dazu Brot. Es war, wie am Tag zuvor, lecker.
Als er fertig war läutete sein Handy. Ardy ruft ihn an. „Hallo Brudi", begrüßt Thaddeus seinen Freund. „Hallo Taddl, Brudi. Wie geht's dir?" „Ziemlich gut, dir?" „Ja, alles klar." Stille. Peinliche Stille, die durchbrochen werden sollte, musste. Was schließlich auch Ardian auch tat. „Und wie ist es so?" „Schön." „Und dein Therapeut?" „Ach, der ist nett." Es klopfte an der Tür, Taddl sagte nur „Herein." „Brauchst du irgendwas?", fragte Ardy dann. „Nein, alles gut." „Okay, na dann..." „Jepp, tschüss Brudi." „Tschau."
Taddl legte auf. Manuel stand da, hatte den letzten Teil des Gesprächs gehört. „War das dein Freund Ardian?" Was war das für eine Frage? Es hatte Manuel doch eigentlich gar nicht zu interessieren, mit wem Taddl telefonierte, oder etwa doch? Nun ja, er hatte sowieso nichts zu verheimlichen. „Ja", es war eine simple Antwort. Jedoch empfand es Manuel nicht so. Er empfand etwas, das er noch nie bei einem Patienten gefühlt hatte. Er empfand einen leichten, kleinen Stich in seinem Herzen. Eifersucht? Nein, warum auch?
„Wollen wir los?" Seine Frage wurde durch ein Nicken seitens Thaddeus bestätigt. „Heute gehen wir einmal in das Therapiezimmer." „Okay." Hintereinander betraten sie den Raum. Manuel vor seinem Patienten. „Also Thaddeus, heute werde ich dir ein paar Fragen stellen. Du beantwortest mir diese bitte, außer du möchtest dies unter gar keinen Umständen machen. Das respektiere ich natürlich." Wieder ein Nicken bestätigte seine Aussage. „Also, du gehst in eine öffentliche Schule, richtig?" „Ja." „Wie ist es mit deiner Berührungsangst? Berührt dich dort irgendjemand?" „Wenn, dann nur Ardy." „Ardy also... Er ist dein Freund?" „Ja." „Und wie steht's mit einer Freundin?" Taddl schwieg, seine Muskeln zogen sich zusammen. Was sollte er nun sagen? „Nein." „Okay, und wünscht du dir eine?"
Mist. Sollte er es seinem Therapeuten nun beichten? Eigentlich wussten es bis dahin nur sein bester Brudi Ardy und seine Eltern, aber was soll's. Er würde Manuel nach dieser Therapie sowieso nie wieder sehen. Und es war doch nicht schlimm, oder? „Nein, eher einen Freund. Weißt du, ich... ähm... bin schwul." Wieder eine Stille. Taddl wollte nichts sagen, und Manuel wusste nicht, was er sagen sollte. „Ardy... ist er dein Freund?", bei dieser Frage schnürte sich Manuels Magen zusammen, ein leichter Krampf entstand. „Ja, aber das habe ich dir doch gestern schon gesagt", antwortete Taddl ihm, verstand nicht richtig, warum Manuel ihn dies noch einmal fragte, obwohl er es ihm doch schon gestern gesagt hatte. Manuel spürte wieder einen Stich an der Stelle wo sein Herz lag. „Und wie lange seid ihr beiden schon zusammen?" „Was? Doch nicht so. Nur beste Freunde, er ist so etwas wie ein Bruder für mich." Taddl sah zu, wie Manuel sich etwas auf seinem Klemmbrett notierte, und leicht ein „Okay" murmelte.
Auch die Enge um Manuels Herz war wieder verschwunden. „Steht dir sonst noch wer nahe?" „Meine Mutter und mein Vater, sonst eigentlich niemand." „Wie beschreibst du es, wenn Ardy, deine Mutter oder dein Vater dich angreifen?" „Nun ja, es fühlt sich eigentlich ziemlich merkwürdig an, alles kribbelt, aber auf eine negative Art und Weise. Ich halte es zwar für eine, höchstens zwei Minuten aus. Aber dann überströmt mich so ein Gefühl. Ich muss einfach nur noch weg von ihnen." „Und was passiert, wenn dich jemand Fremdes berührt?" „Das ist eigentlich selten der Fall, aber wenn es passiert, dann raste ich eigentlich aus. Schlage die Hand weg, oder weiche schnell von seiner Seite. Danach bleibt so ein komisches Gefühl in meinem Magen, sowie auf meiner Haut. Es bleibt einfach, eine längere Zeit." „Und was passiert, wenn ich dich angreife?", er berührt Thaddeus' Schulter, so wie er es auch bei dem Spaziergang getan hatte. „Es ist nicht unangenehm, aber es lässt sich aushalten." „Aushalten?" „Nun ja, es ist ein ungewohntes Gefühl. Es kribbelt stark, mein Magen wühlt sich auf." „Ist das bei gewissen Personen normal?" „Bei manchen Verwandten, wenn ich mich anstrenge." „Anstrengen?" „Ja, ich denke mir, dass ich das schon schaffe. Für meine Eltern. Ich will sie lächeln sehen, sehen wie sie sich freuen." „Und was ist, wenn ich dich berühre? Strengst du dich dann auch an?" „Nein, bei dir strenge ich mich nicht an. Es ist einfach so. Ohne Anstrengung. Ich weiß auch nicht warum." „Okay, danke Taddl", Manuel nickt.
Wieder kehrt Stille ein, bis Manuel sie wieder durchbricht. „Also, wie wäre es, wenn wir noch etwas machen?" „Klar." „Wir könnten uns den Gaming-Raum genauer ansehen. Natürlich nur, wenn du willst." Manuel hatte ihn. Auch wenn er eigentlich nur in sein Zimmer zurück wollte, mit diesem Angebot hatte Manuel ihn. Das würde auch immer so sein. Taddl war eben ein leidenschaftlicher Spieler. „Also... was möchtest du denn spielen?", fragte sein Therapeut ihn. Jedoch bekam er nur ein Schulterzucken als Antwort. „Hmm... Fifa?" „Klar", Thaddeus musste grinsen. So war es dann. Sie legten Fifa ein, spielten und redeten. Als wären sie beide völlig normale Teenager, und nicht ein anlernender Therapeut und dessen Patient mit Berührungsängsten.
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Madhouse 「GLPaddl」
FanficThaddeus hat Berührungsängste, und lässt sich in eine Psychiatrie einweisen. Dort soll er lernen, mit den Berührungen klar zu kommen. Sein Psychiater - Manuel - versucht wirklich alles und kommt dem Jungen dabei näher... GLPaddl | AlternativeUnivers...