„Das Beste kommt zum Schluss!"

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Kurz nachdem Taddls Therapeut kam, verließen auch schon seine Eltern und sein bester Freund die Psychiatrie.

„Guten Tag, Thaddeus. Ich bin Manuel, dein Therapeut, aber du kannst mich gerne Manu nennen", er stellte sich lächelnd seinem „Patienten" vor. Das erste Treffen ist schon wichtig, um den Anfang einer Bindung aufzubauen. Zumindest war Manuel fest davon überzeugt.

„Hallo Manuel, ich bin Taddl", auch Taddl lächelt kurz, was sogar ihn selbst etwas verwunderte, denn eigentlich war er Fremden gegenüber nie so offen, doch irgendetwas war anders, normalerweise hatte er Angst und war voreingenommen. Aber irgendwie vertraute er seinem Therapeuten Manuel, immerhin war er ja ein Therapeut - oder zumindest ein angehender Therapeut. Und irgendetwas an ihm war anders, irgendetwas an ihm begeisterte Taddl.

„Heute steht auf unserem Programm eine kleine Führung, hast du Lust dazu?", eine freundliche Miene war sein Begleiter. Der Blonde nickte leicht, irgendetwas faszinierte ihn an dem Braunhaarigen. Waren es seine langen, braunen Haare die ihm bis ins Gesicht standen oder seine offene, freundliche Art? Im Moment war es egal, Taddl war nur froh, dass er jemand Nettes bekommen hatte, anstatt irgendeines Griesgrams.

„Na dann, wo fangen wir denn an? Links, oder doch lieber rechts?" Er war wirklich freundlich, Taddl durfte sich sogar die Richtung, in der sie mit ihrer Tour anfangen würden, aussuchen.

„Hmm, rechts?", es klang eher nach einer Frage, als nach einer Antwort.

„Na dann, los." Manuel strahlte nur so, seine Augen glitzernden „Komm, je schneller du bist, desto schneller sind wir fertig, dann kannst du deine Ruhe haben!", lachte Manuel und langsam fragte sich Taddl, ob Manuel überhaupt traurig sein konnte, obwohl er ihn noch nicht wirklich kannte. In diesen zehn Minuten hatte Manuel nicht einmal seine Miene verändert, war immer freundlich und glücklich geblieben. Nun fingen sie auch schon mit der Besichtigung an, währenddessen fing Manuel an zu reden.

„Weißt du, wir sind keine typische Psychiatrie", während des Redens machte er Gesten mit seinen Händen. „Ich würde sagen wir sind besser, es ist nicht nur die Ausstattung besser, auch die Therapeuten und anderen Angestellte sind viel netter. Zumindest ist das meine Meinung." Sie gingen durch verschiedene Gänge, bis Manuel am Ende eines Ganges stoppte.

„Das waren alles Zimmer, ein paar von ihnen sind frei, die meisten sind jedoch besetzt. Dein Zimmer ist andere Seite, den zweiten Gang, oder?" Kurz nickte der Blonde, was dem Therapeuten als Antwort reichte.

„Wollen wir weiter?" Taddl nickte nun wieder, er redete nicht viel und nicht gerne. Er war eher einer der stillen Typen. Er war ruhig, nicht so wie sein bester Freund. Ardy war laut, lebensfroh, aber Ardy hatte auch keine „Krankheit".

Sie gingen nun wieder ein paar Zimmer weiter bis Manuel wieder stehen blieb. „Falls du gerne Sport machst, musst du nur in diesen Raum gehen. Weißt du, Sport kann ganz beruhigend sein." Kurz verschob Manuel seine Miene, aber nur für eine klitzekleine Sekunde, bis er den Satz wieder mit einem Lächeln beendete.

Taddl blickte kurz auf die Tür, sie war weiß, doch anstatt irgendeiner Nummer hatte sie ein Schild mit der Aufschrift „Sportraum" drauf.

„Dann ist hier noch ein Yoga-Raum und dort drüben ist ein Tanz-Raum." Sie gingen noch weitere Gänge - die nicht einmal Frau waren. Taddl ließ sich noch mehr zeigen, so lange, bis sie wieder an der Anfangsstelle angekommen waren.

„So, und jetzt ab nach rechts", ein Lächeln war wieder Manuels ständiger Begleiter, er hatte immer gelacht, mit Ausnahme dieser einen Sekunde von vorhin.

Er hatte Taddl sehr viel gezeigt, doch das „Highlight", wie er es nannte, kam noch. Es gibt so viele Dinge, die man hier machen kann. Töpfern, Malen, Zeichnen, Tanzen, Singen, Instrumente spielen und noch sehr viel mehr. Sie hatten sich schon so viel angeschaut, Taddl wusste jetzt schon, dass er sich das alles nicht merken würde. Weitere Sekunden, Minuten und sogar Stunden verstrichen, bis Manuel Taddl endlich das Highlight zeigte, denn wie sagte man immer? - „Das Beste kommt zum Schluss!"

Und es war nicht nur der Lieblingsraum von Manuel, es war auch das Beste der Führung für Taddl. „Et Voila! Der letzte Raum", er lächelte dem Blonden zu. Dieser las das Schild, welches auf dieser Tür war. „Gaming-Raum" „Willst du reingehen?" Er blickte den Jüngeren an. Doch auch dieses Mal bekam er nur ein Nicken von seinem Gegenüber. Er drückte die Türklinke runter, und trat ein. Hinter ihm war Taddl, dieser fühlte sich glücklich. Es erinnerte ihn irgendwie an sein Zuhause.

Zuhause - Er vermisste seine Eltern jetzt schon. Und Ardy, seinen besten Freund. Sie haben immer zusammen gezockt. Alles Mögliche, aber besonders Minecraft. „Was spielst du denn so für Spiele?", fragte ihn Manuel, weswegen er aus seinen Gedanken aufwachte. „Minecraft und so." Es war eine ziemlich kurze Antwort, so wie alle die er Manuel bis jetzt gab. Bei seinen Eltern redete er wenigstens, tratschte auch mit Ardy. Sonst redete er eigentlich gar nicht. Ein Wunder, dass er mit Manuel überhaupt plaudern konnte.

„Und du? Spielst du auch?" Es überraschte Manuel, dass nun etwas von Taddl kam, und das war gut. Er wusste, dass er eine Beziehung aufbauen muss, was er nun tat. „Ja, manchmal. Eben wenn man zwischen Zeit hat", grinste Manuel.

„Darf ich fragen was?", fragte Taddl ih  leise.

„Minecraft, so wie du", er lächelte Taddl an. Taddl lächelte seinen Therapeuten an. Beides war ein ehrliches Lächeln.

„Hey, cool." Und eines war klar, Manuel hatte damit wirklich den Anfang einer Beziehung aufgebaut. Zumindest mal das Grundgerüst davon.

Madhouse 「GLPaddl」Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt