Er
Sie hatte ihre Augen wieder geschlossen und ihr Kopf lag auf meinem Arm. Ich streichelte ihr über ihre weichen Haare. Immer und immer wieder.
Sie wusste, dass ich und auch die Ärzte herausgefunden hatten, dass sie sich selbst vergiftet hatte.
Es war logisch. Sie hatte ihre Mutter über alles geliebt, und dann. Dann war sie innerhalb weniger Stunden auf einmal nicht mehr da. Autounfall. Im Krankenhaus war sie gestorben.
Ihr Vater war kurz vorbeigekommen, hatte sich in die kleinen Wohnung von den beiden eingenistet nur um wenige Tage später wieder zu verschwinden.
Sie vermutete, dass er wieder zurückgezogen war.Ihren Vater hatte sie nicht gemocht und kaum gekannt. Er war abgehauen als sie gerade mal drei Jahre alt war.
„So jemanden kann man eigentlich nicht Vater nennen.“, hatte sie mir mal gesagt. „Ein Vater ist jemand der sich um dich kümmert und der da ist. Aber eigentlich brauch ich ihn ja auch gar nicht. Ich hab ja dich und komm auch gut allein klar.“
Ja er war ein Scheißvater. Und ich hasste ihn dafür, dass er nicht auf sein kleines Mädchen aufgepasst hatte.
Ja sie kam auch gut alleine klar, aber vielleicht hätte sie direkt nach dem Tod jemanden gebraucht. Nicht erst zwei Monate später als ich dann kam.
Er hätte für sie da sein müssen, hätte all diese Dinge tun müssen die ein Vater eben tut.
„Weißt du, eines Morgens stand er vor unserer Tür. Oma hatte ihn darüber informiert dass seine Exfrau tot sei, sie selbst kam dann aber nicht zur Beerdigung. Ich war vollkommen fertig, am liebsten hätte ich die Tür wieder zugeschlagen, doch er ist reingekommen, hat sein Zeug im Wohnzimmer ausgepackt, sich auf die Couch gelegt und geschlafen. Erst am nächsten Morgen hat er dann mal mit mir geredet, „Groß bist du geworden. Und ähnlich siehst du ihr auch“, danach ist er zur Tür gegangen, hat sich nochmal umgedreht, und gesagt: „Kommst du, die Beerdigung fängt gleich an.“
Und dann ist er in seinem hübschen Porsche zur Kirche gefahren während ich im strömenden Regen zu Fuß gegangen bin.
Naja… zwei Tage später war er, als ich morgens aufgewacht bin mit samt seinen Sachen wieder verschwunden.“
Seit dem hatte sie allein gewohnt. Das Jugendamt hatte nicht vorbeigeschaut, selbst die Nachbarn interessierten sich nicht mehr für sie.
Doch sie war stark. Verdammt stark. Sie hat einfach weitergemacht, ist einfach weiterhin zur Schule gegangen. Aber manchmal da ist sie zusammengebrochen, da war es als wäre sie ein vollkommen anderer Mensch.
Den einen Tag da plapperte sie lustig vor sich hin, erzählte mir alle möglichen Sachen, benahm sich wie ein fünfjähriges Kind und hatte einfach Spaß am Leben und dann kam ich am nächsten, da lag sie im Bett. Sie stand nicht auf und redete kein Wort. Sie schwieg und weinte manchmal leise. Meistens legte ich mich an solchen Tagen zu ihr ins Bett und dann lagen wir den ganzen Tag nur so da. Sie in meinen Armen so lange bis sie vor Erschöpfung einschlief.
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Please stay with me
DragosteZwei Personen. Ein Junge ein Mädchen. Sie, die einfach nicht mehr kann und ihr Leben beenden will. Er, der alles für sie, die er liebt, tun würde und ihr helfen will zu bleiben. Bei ihm. Für immer. Meine Kapitel sind immer recht kurz, gewöhnt euch d...