*achtes*

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Lily

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Zwischen den Mahlzeiten und dem Unterricht blieb gerade genug Zeit, um die Hausaufgaben zu erledigen. Fast alle Schüler des siebten Jahrganges sah man nur noch mit gestressten Gesichtern die Gänge entlanghetzen und es gab niemanden, der die Weihnachtsferien nicht sehnlich herbeiwünschte. Ein paar Wochen mussten wir jedoch noch durchhalten und um uns in diesen Wochen noch mehr Stress aufzuhalsen, beschloss McGonagall ihr neues Projekt vorzustellen. Versteht mich nicht falsch, ich hieß jede Abwechslung vom normalen Unterricht herzlich willkommen, aber eine Gruppenarbeit würde noch mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Schule ohnehin schon nahm. Dementsprechend war die Klasse auch begeistert und verzog murrend die Mundwinkel. McGonagall ignorierte dies gekonnt. Sie erklärte uns, dass uns zu zweit ein Thema zugeordnet werden würde und wir dieses dann bis zum Ende der Weihnachtsferien beenden sollten. Zeit, sich weiter zu beschweren, ließ sie uns nicht. Stattdessen teilte sie mit einem Schwenker ihres Zauberstaben ordentlich gefaltete Stückchen aus Pergament aus, auf denen der Name unseres Partners stehen würde. Ich schielte zu Marlene. Auch sie faltete missmutig ihr Stück Pergament auf. Ich beobachtete, wie sie den Namen las und erstarrte. Dann fühlte sie sich stöhnend an die Schläfen. Auf meinen fragenden Blick hin schob sie mir den Namen rüber. In feiner Schrift stand dort der Name Sirius Black. Ich konnte Marls' Missmut nur zu gut verstehen. Sie war den Rumtreibern im Gegensatz zu mir zwar nie feindlich gegenüber getreten und feierte ihre Streiche mit den anderen Schülern, doch ein halbes Jahr mit dem größten Unruhestifter dieser Schule ein Projekt zu vollbringen, war sicher kein bisschen lustig, zumindest wenn man eine gute Note erreichen wollte.
Mit nun schlechter Vorahnung öffnete ich jetzt auch mein Stück Pergament.
Remus Lupin. Ich atmete erleichtert aus. Von all dem Übel, das ich mir ausgemalt hatte, war Remus das geringste. Bis jetzt hatte ich zwar noch nie wirklich viel mit ihm zu tun gehabt, außer auf unseren gemeinsamen Streifzügen als Vertrauensschüler und da kam er mir immer sehr nett und nicht so unvernünftig, wie die anderen Rumtreiber, vor. Als ich aufstand und zu ihm gehen wollte, bemerkte ich im Augenwinkel wie sich das braunhaarige Mädchen, das bereits auf dem Quidditch Feld bei James gestanden hatte, auf dem Stuhl neben ihm niederließ und er sie anlächelte. Ich kannte sie nicht, also musste sie neu sein und laut ihrer Uniform war sie in Ravenclaw.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf und setzte mich wieder in Bewegung. Ich hatte nicht bemerkt, wie ich inne gehalten hatte.
"Hey Lily"
"Hi Remus!" Remus hatte bereits die Rolle Pergament, auf der unser Thema erklärt war, ausgerollt und begann sie zu lesen. Ich lächelte. So war Remus, wie ich ihn kannte und ich war einmal mehr froh, ihn als meinen Partner zu haben.
"Und? Welches Thema haben wir?", fragte ich ihn als er fertig gelesen hatte. "Animagi...", antwortete er. Seine Stimme war etwas angespannt, was mich wunderte. "Ist doch super", meinte ich fröhlich in der Hoffnung auch ihn aufzuheitern. Animagi hatten mich schon immer interessiert und ich hatte gerade erst ein Buch über Animagi gelesen. Das Thema würde mir Spaß machen. Remus rang sich jetzt auch ein lächeln ab. "Lass uns heute Abend doch schonmal anfangen. Je eher, desto besser", schlug ich vor. Stumm schüttelte er den Kopf. "Wie wäre es mit Sonntag? Ich habe das Gefühl, ich werde etwas Krank..." "Oh okay, dann Sonntag in der Bibliothek?", fragte ich. Jetzt fiel es mir auch auf, dass Remus etwas kränklich aussah. "Okay, bis später Lily", sagte er noch und folgte dann den anderen Rumtreibern, die bereits den Raum verließen. "Gute Besserung", rief ich ihm hinterher und ging dann gemeinsam mit Marlene zum Mittagessen.

In der Nacht träumte ich nur wirres Zeug, welches mich nicht zur Ruhe kommen ließ. Ich drehte mich von einer auf die andere Seite und bemerkte bald, dass es kein Sinn mehr hatte. Leise schlüpfte ich aus meinem Bett und den Räumen der Schulsprecher und ging die Treppen hinunter in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Er war vollkommen leer, was aber kein Wunder war, denn es war drei Uhr morgens. Ich nahm mir ein Kissen und setzte mich an eines der großen Fenster. Es war eine klare Nacht und der Vollmond erhellte die Ländereien des Schlosses. Er spiegelte sich im See und es schien, als würde er zu mir herübersehen. Das erste Mal seit Tagen dachte ich wieder an Petunia. Ich vermisste meine Schwester. Sehr. Der Mond erinnerte mich daran, wie wir früher gemeinsam in unserem Garten geschlafen und sie mir gruselige Geschichten von Werwölfen, Vampiren und Hexen erzählte hatte. Jedes Mal hatte ich mich gefürchtet und jedes Mal hatte Petunia mir versichert, es seien nur Geschichten, die niemals war werden könnten. Wie unrecht sie hatte. Und trotzdem war das die Zeit, wo wir uns am nähsten waren und welche ich schmerzlich vermisste.
"Lils?"
Ich zuckte zusammen und griff reflexartig nach meinem Zauberstab.

"Alles gut, ich bin es nur", flüsterte die Stimme. Jetzt erkannte ich sie und langsam konnte ich auch die Umrisse der Gestalt erkennen. Sie setzte sich gegenüber von mir hin und blickte ebenfalls nach Draußen.
"Konntest du auch nicht schlafen?", fragte Marlene ohne mich direkt anzusehen. Ich nickte. "Wie ruhig alles aussieht. Als hätte sich seit unserem letztem Jahr nichts verändert", fuhr sie fort und sah mich an. Ich wusste, dass sie in meinen Augen lesen konnte, was ich dachte. Marlene war meine beste Freundin, seit sie Hestia Jones im ersten Jahr deutlich die Meinung gegeigt hatte, da sie mich als Muggelstreberin beleidigt hatte. Im nachhinein ist diese Auseinandersetzung völlig unnötig gewesen und inzwischen hatte ich auch kein Problem mehr mit ihr, aber damals hatte mir Marls den Tag gerettet. Klar, hatten wir uns auch manchmal gestritten, aber und jedes Mal wieder vertragen.

Es hing jeder seinen Gedanken nach und trotzdem wussten wir, dass uns beide das Gleiche beschäftigte. Uns machte zwar die Schule großen Druck, doch schlimmer war die Umgewissheit darüber, was hinter den Mauern des Schlosses, die uns vom Rest der Welt trennten, lag und wie wir uns dagegen wehren konnten.

Heyy❤!
Etwas später als Ursprünglich geplant habe ich auch endlich mal wieder geupdatet. Aber die nächsten beiden Wochen geht es für mich jetzt ins Praktikum, also muss ich mich erstmal nicht mehr so auf die Schule konzentrieren😊. Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr! Auch, wenn es jetzt vielleicht schon ein bisschen spät ist und hoffe, ihr habt schön gefeiert😏

Wenn ihr Lust habt könnt ihr mal in meinem neuen 'Buch' "5 ungeschriebene Briefe" vorbeigucken. Darin findet ihr fünf Briefe als Oneshots, die nie in der magischen Welt geschrieben wurden, oder von denen wir nur nichts wissen. Ich würde mich freuen❤.

Bis denne 👋
Eure Lu

Hinter Den MauernWo Geschichten leben. Entdecke jetzt