"Herzlichen Glückwunsch Belle, sie sind Schwanger", gratulierte mir der Arzt damals, und bestätigte mir damit meine schlimmsten Befürchtungen. Ich meine versteht mich nicht falsch, ich liebte dieses Kind vom ersten Moment an, doch trotz allem war ich am Rande der Verzweiflung. Das wäre jeder an meiner Stelle gewesen.
Ich kannte den Vater meines Babys nicht. Im Grunde konnte ich mich nichteinmal mehr an die Zeugung erinnern. Ich war vor diesem Alles-Verändernden Tag noch Jungfrau gewesen.
5 Wochen zuvor:
"Komm schon Belle, es wird schon niemand merken, dass du weg bist, ich brauche dich heute Abend" flehte mich Alice, dazumals noch meine Freundin, an. Sie redete solange auf mich ein, bis ich mir einen Ruck gab und zusagte. Meine erste richtige Party, und dann noch dazu eine College-Party. Wir lebten in der Nähe des Kampus der Uni von Denver, also bräuchten wir auch nicht besonders lange. Der Veranstalter war ein Ben, Student und Absolvent unserer High-School. Football-Spieler und der große Schwarm von Alice.
Also zog ich mir ein enges schwarzes Kleid an, schminkte mich und kletterte dann aus dem Fenster. Meine Eltern bemerkten es nicht, und so sprang ins Auto und nach kurzer Zeit waren wir auch schon dort.
Anfangs wollte ich keinen Alkohol trinken, aber wieder war es Alice, die mich überredete, zu einem Bier, wie sie sagte. Doch aus einem wurden schnell mehrere, und so hatte ich einen Vollrausch. Sie überredete mich noch an zwei letzte Tequilas und das war der letzte Moment an den ich mich erinnern konnte.
Am nächsten Tag wachte ich mit Kopfschmerzen in einem fremden Bett auf, und als ich Aufstand bekam ich den vermutlich größten Schock meines Lebens: ich war nackt und auf dem zerwühltem Lacken war ein Blutfleck. Das einzige Tröstliche was ich feststellen konnte war, dass auf dem Nachtkästchen ein geöffnetes Kondompäckchen war. Gott sein Dank war auch der Zimmerbewohner nicht hier, also zog ich mich schnell an und bewahrte mich vor der Peinlichkeit des Morgen danach und dem obligatorischen Walk of Shame.
Mit dem Taxi nachhause wo ich feststellte, dass meine Eltern glücklicherweise schon in die Arbeit gefahren waren. Sofort unter die Dusche gesprungen, wusch ich mir das dreckige Gefühl vom Körper. Worauf ich leider nicht kam war, dass ich in die Apotheke gehen sollte, um mir die Pille danach zu holen.
Im Nachhinein betrachtet war es ziemlich Naiv und Dumm, aufgrund eines offenen Kondom-Päckchens davon auszugehen, dass nichts passieren könnte.
Doch ich würde schon viel zu früh zurück in die Realität gebracht, nämlich schon 3 Wochen nachher, als eigentlich meine Regel kommen sollte. Sollte. Denn sie kam nicht, und schon zwei Wochen später sitze ich nun vor diesem Arzt und durfte mir zu einem Baby gratulieren lassen.
Wie in Trance hörte ich den Arzt reden. Nur vereinzelnde Wörter drangen zu mir durch: "Gesundheit ... Kind... Untersuchung ... Ultraschall". Irgendwann hörte ich das Wort Abtreibung was mich hellhörig machte. Denn obwohl dieses Baby nicht geplant war, war es mein Kind und ich würde es mit Sicherheit nicht töten, niemals. "Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen gehe ich davon aus das es kein Wunschkind ist. In Anbetracht dieser Tatsache, und ihres relativ jungen Alters, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt. Das Kind zur Adoption freizugeben, oder es im schlummerten Fall abtreiben zu lassen." Er sprach, als hätte er diesen Satz schon tausende Male gesagt. Vermutlich hat er es auch. Trotzdem stellte ich schnell die Angelegenheit richtig:" Keine Abtreibung. Ich werde das Baby nicht töten lassen".
Trotz meiner Verzweiflung war ich stolz darauf, wie befasst und bestimmt meine Stimme war. Der Arzt nickte und ging zum nächsten Thema über. Er erklärte mir alles, was es zu beachten gab und machte schließlich noch ein Ultra-Schall Bild. Als ich mein Baby zum erste Mal sah, war es als würde ich die Sonne zum ersten Mal sehen. Mein Herz wurde überfüllt mit Liebe zu meinen Kind, und ich wusste, dass es alles wert sein würde.
Ich ging mit meinem Mutter-Kind Pass, den Zahlreichen Broschüren die der Arzt mir gab nachhause. Dort angekommen, versteckte ich all dies unter meinem Bett, da ich nicht wusste wie ich es meinen Eltern sagen sollte. Meine Eltern sind konservativ und streng gläubig, zweifellos würden sie mein Baby nicht akzeptieren und mich dazu zwingen mein Kind wegzugeben, weil es unehelich ist. Allein der Gedanke daran war schrecklich.
Also beschloss ich, mir einen Plan-B zurecht zulegen. Meinen Führerschein hatte ich bereits, und plötzlich war ich froh, von meinen Eltern dazu gezwungen worden zu sein, dafür zu lernen, damit ich schnellstmöglich selber fahren durfte. Doch ich hatte kein Auto, weshalb dies als erstes auf meiner Liste stand. Schon nach ein paar Tagen hatte ich im Internet etwas passendes gefunden. Passend war in meinem Fall vier Räder, ein funktionierender Motor und ein gültiges Pickerl. Natürlich auch noch in mein Budget passend. Ein VW Caddy mit 200000 Kilometern um nur 1500 Dollar. Praktisch einerseits weil es lief und andererseits weil er einen großen Laderaum hatte. Also war dieser nach einer kurzen Probefahrt gekauft.
Als nächstes sorgte ich für einen 30 Stunden Job als Verkäuferin im Supermarkt, damit ich mein Budget aufbessern konnte. Und auch hier stellte sich heraus, dass es eine gute Entscheidung meiner Eltern war, mich ein Jahr früher in die Schule zu schicken, da ich nun schon einen Abschluss in der Tasche hatte, trotz meiner jungen 17 Jahre. Ich war immer genervt davon, ein Jahr jünger zu sein, doch nun war es ein großes Glück, und vor allem eine Sorge weniger.
Ich hatte zwar ziemlich viel Geld auf der Seite, da ich immer mein Geld gespart hatte fürs College, doch ich wusste auch, dass ich dieses Geld für mein Kind und mich brauchen würde. 15000 Euro waren viel, aber nicht die Welt. Der Job brachte mir 8 Euro pro Stunde, und jeder Cent war wertvoll. Also arbeitete ich viel, sorgte dafür dass mein Baby richtig ernährt wurde und musste auch noch an meinem Plan feilen.
Als nächstes löste ich meinen College-Fond auf, und bekam das Geld bar auf die Hand ausgezahlt. Glücklicherweise reichte es mehr als aus, eine Kaution und mehrere Monate Miete zu zahlen.
Die Wohnung war schließlich der letzte große Punkt auf meiner Liste, und er stellte sich auch als der schwierigste heraus. Denn eigentlich wäre ich gerne in Denver geblieben, doch eine Wohnung in einem sicheren Viertel war schwer zu finden und verhältnismäßig teuer. Ich konnte mir zwar im Moment eine Wohnung für 500 Euro pro Monat leisten, doch wie lange? Ich musste nun für 2 Personen sorgen, also musste ich sicher sein, mir auch noch in 5 Jahren die Wohnung leisten zu können. Zwar wäre in anderen Vierteln die Wohnungen billiger, doch ich wollte mein Baby nicht in einem gefährlichen Viertel großziehen, also war diese Möglichkeit auch schnell ausgeschlossen.
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Schrei des Wolfes: Das Geständnis
ChickLitDas Leben ist hart. Diese Lektion muss die 17-jährige Belle schnell lernen. Auf eine Party entjungfert von einen Unbekannten und vier Wochen später der Schock: Sie ist schwanger. Als sie dies ihren Eltern beichtete, flog sie kurzerhand raus von zuha...
