Kapitel 9

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Belle:
Als ich aufwachte lag ich in einem fremden Bett. Weiße Wände umgaben mich, auf der Wand gegenüber eine wahnsinnig hässliche bildliche Darstellung einer Landschaft. Wo zur Hölle bin ich gelandet? Also sah ich mich um und entdeckte an meiner rechten Seite einen Stuhl in dem ein Mann saß. Oliver war hier, hat anscheinend sogar an meinem Bett geschlafen. Meine Hand bewegte sich wie von alleine auf seinen Kopf zu in ich strich ihm durchs Haar. Seine Mähne sah aus als hätte er sie seit einer Ewigkeit nicht mehr gebürstet.

Doch nach einer Weile rührte er sich, hob langsam seinen Kopf, und als er sah, dass ich wach war, richtete er sich schlagartig auf . Seine warme Hand griff nach meiner und hielt sie umschlungen als wäre ich sein Anker. Immer wieder öffnete und schloss er seinen Mund, als würde er nach den richtigen Wörtern suchen. Als wüsste er was er sagen wollte, aber nicht in welcher Reihenfolge seine Wörter aus dem Mund kommen müssen. Umso überraschter war ich über seinen emotionalen Ausbruch, als er schließlich seine Gedanken sortiert hatte:" Tu mir das nie wieder an, Belle. Was hast du dir dabei gedacht, alleine zurück zu gehen? Ich bin fast wahnsinnig vor Sorge geworden!" Ok, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, doch seine nächsten Worte waren es, die mich wirklich sprachlos ließen:" Gott sei dank geht es dir gut. Gott sei dank geht es dem Baby gut." Er machte sich Sorgen um uns?

Ziemlich überrumpelt fragte ich ihn also:" Du hast dir sorgen gemacht?" Die Frage schien ihn wiederum ein wenig perplex zu machen."Natürlich geb ich mir Sorgen gemacht Belle. Wie könnte ich mir keine Sorgen machen? Seit du in mein Leben getreten bist, bist du mein Sonnenschein. Verdammt nochmal du bist meine Gefährtin! Es gibt nichts auf der Welt das wichtiger für mich wäre als du, Belle."

Uff. Was für ein Geständnis. Eigentlich dachte ich nicht, dass er mich überhaupt noch sehen wollte, nachdem ich ihn eröffnet hatte, dass ich schwanger bin. Sein Blick sagte mehr 'Geh weg bevor du mir noch mehr weh tun kannst' als 'Bitte bleib und verbring dein restliches Leben mit mir'. Er schien meine Verwirrung zu bemerken und wieder schien er mit den Worten zu ringen, bevor er tief durchatmete und begann zu reden:

"Belle, du musst mir versprechen mit niemanden darüber zu sprechen, meine Geschichte zu Ende zu hören und mir zu glauben. Ich weiß es hört sich mehr nach Ausgeprägter Fantasie als nach Realität an, aber glaub mir bitte, alles was ich dir nun erzähle ist wahr." Ok, jetzt hast du mich skeptisch und neugierig zugleich gemacht.

Mein Nicken schien ihn zu ermutigen weiterzureden: "Belle, du weißt doch, dass der Stamm eine lange Tradition hat. Meine Vorfahren lebten schon hier, lange bevor die Engländer,Spanier und Franzosen kamen und das Land besetzten. Und während viele andere Indianer-Stämme einfach ausstarben, haben wir überlebt. Weil wir resistenter sind als die anderen. Weil wir ein Gen im Blut haben, dass es einigen Stammes Mitgliedern erlaubt uns in Wölfe zu verwandeln. Nicht in Werwölfe wie in schlechten Filmen sondern in zu groß geratene Hunde. Dadurch hat der Stamm überlebt und noch heute haben einige von uns dieses Gen im Blut. Bei manchen bricht das Fieber aus, bei anderen nicht. Bei mir ist es ausgebrochen und ich bin dadurch Gestalten Wandler. Mit allen Vorteilen, die es hat ein Wolf zu sein: Warme Körpertemperatur, gute Geruchs und Sehsinne. Vergleichsweise hohe Kraft. Doch durch das Gen wird auch noch etwas anderes ausgelöst. Du musst wissen, jeder hat sein Gegenstück irgendwo auf der Welt, doch wenn wir unsere zweite Hälfte finden und die Person zum ersten Mal sehen, wissen wir es sofort. Wir nennen das Gefährten. Wenn man seinen Gefährten zum ersten Mal sieht, löst sich plötzlich alles auf. Alle Weltanschauungen und alle Probleme die man hat. Denn ab sofort ist nur noch eines wichtig, Belle, und das ist der Gefährte. Das er in Sicherheit ist. Das er glücklich ist. Das er alles hat das er braucht."

Er hielt kurz innen. Atmete noch einmal kurz durch. "Du bist der Mensch, bei dem ich es gefühlt habe, Belle. Du bist meine Gefährtin. Es ist völlig egal was ich möchte. Das wird es immer sein. Du bist der einzige der zählt."

Dann sah er mich an, und ich wusste, dass er die Wahrheit sagte. In seinen Augen stand die pure Wahrheit, keine Spur von Lügen oder kranker Geschichten. Er sagte mir nichts als die Wahrheit. Ok, Belle ganz ruhig bleiben. Einfach nicht durchdrehen. Bleib locker. Auch wenn ich momentan am liebsten schreiend weglaufen möchte, weil ich gerade etwas erfahren habe, bei dem ich mir nicht sicher bin ob ich es überhaupt wissen wollte, weil es so verrückt klang.

Doch ich wusste, dass es nicht die richtige Lösung wäre, denn wenn das, was Oliver gerade gesagt hatte stimmte, würde er wohl todtraurig über meine Abweisung sein, es mir aber nicht einmal übel nehmen. Scheisse. Seine Gefühle zu mir waren so offensichtlich ehrlich und ergeben, dass ich es ihn nicht antun könnte, ihn zurück zu weisen.

Also krabbelte ich von Bett auf und ließ mich auf seinem Schoß nieder. Kuschelte mich an seine warme Brust, zog seinen Duft in mich hinein. Nahm seine Hände in meine. Und dann blieb ich einfach so. Genießet den Moment. Die Ruhe die ich in seinen Armen fand. Irgendwann löste er dann seine Hand von meiner und legte sie auf meinen Bauch ab, begann ihn zu streicheln und liebkosen, als wäre er ein Schatz. "Der kleinen geht es gut, doch du musst dich jetzt ausruhen. Entspannen, Auskurieren. Fürs erste ist also einmal Bettruhe angesagt. Aber keine Angst wir schaffen das alles schon. Unserer Familie wird es gut gehen." Ok, das war mir aber doch Zuviel:" Die kleine? Bettruhe? Familie?"

Er sah mich an, mit der größten Selbstverständlichkeit und erwiderte:" Nunja, ich stelle mir das Baby als Mädchen vor. Und Bettruhe wirst du auf jeden Fall haben, bis du wieder kern-gesund bist. Solange wirst du keinen Fuß aus dem Bett bewegen und mich um dich kümmern lassen. Unsere Familie: du, die kleine und ich." Er erklärte es mir fast so als wäre ich schwer von Begriff. "Ich dachte du könntest das Baby nicht akzeptieren?" sprach ich meine Gedanken laut aus.

Er zuckte mit den Schultern und stellte eine Gegenfrage :" Wie könnte ich einen Teil von dir nicht lieben? Außerdem, ohne dem kleinen Wesen da drin" er tippte auf meinen Bauch," hätten wir uns vermutlich nie kennengelernt." Als ich das hörte, konnte ich die Last von meinen Schultern fallen spüren. Ich fühlte mich so befreit, dass ich kurzerhand sein Gesicht an meines zog und ihn küsste.

Schrei des Wolfes: Das GeständnisGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt