Schwanger. Das war das einzige an das ich denken konnte. Sie war schwanger. Von einem anderen Mann. Der Schmerz der meinen gesamten Körper durchzog war unerträglich. Nie hatte etwas mehr geschmerzt als das. Sie trug ein Kind unter den Herzen, dass nicht meines ebenso war. Am liebsten hätte ich mich Verwandelt und den Schmerz hinausgeheult. Meine Gefährtin, die Liebe meines Lebens war geschwängert worden, noch bevor ich die Möglichkeit dazu hatte. Und dieser Bastard hatte gewusst, dass sie ungeschützten Sex hatten und ließ sie einfach alleine mit dieser Situation.
Der Gedanke holte mich aus meinem Wachkoma. Ich würde es irgendwie verkraften, doch sie brauchte mich jetzt.
Als ich realisierte, dass der Mond schon weit am Himmel stand, und sie weit und breit weder zu riechen noch zu hören war bemerkte ich, dass sie gegangen war. Alleine durch den Wald. Schutzlos.
Die Angst durchfuhr mich. Ein kurzer Blick auf die Uhr reichte, um zu realisieren dass es bereits 10 Uhr Abend war. Fucking zehn Uhr nachts. Ich musste stundenlang hier gesessen haben, während sie schutzlos war.
Ich musst zu ihr, sofort. Mein Gott, ich hatte mich wie ein verdammtes Arschloch benommen, und meinen größten Schatz einfach gehen lassen.
Vermutlich dachte sie jetzt, dass ich nichts mehr mit ihr zutun haben wollte. Sofort verwandelte ich mich und nahm meine Kleidung in die Schnauze. Wie von der Tarantel gestochen rannte ich durch den Wald, nahm nichts wahr, nur den Drang so schnell wie möglich zu ihr zu kommen.
Als ich am Parkplatz ankam, war mein Motorrad noch dort wo wir es stehen ließen. Verdammte scheisse, sie war mit mir hierher gekommen. War sie etwa zu Fuß nachhause gegangen? Hoffentlich hatte sie kein Auto gestoppt. Bitte lieber Gott, lass es ihr gut gehen.
Ich verwandelte mich zurück und stieg, ohne Zeit an einen Helm zu verschwenden, auf und raste zu ihrer Adresse. Nach wenigen Minuten war ich dort und erstarrte. Kein Licht. Fuck. Sie schläft vielleicht nur, versuchte ich mir einzureden. Sie schläft nur. Wie ein Mantra flüstere ich es vor mich hin und zog den Ersatzschlüssel für die Wohnung aus meiner Tasche. Danke Sasha, dass du ihn mir damals gegeben hast. Ich öffnete die Tür und stürmte sofort hinein. Doch als ich das Schlafzimmer betrat war das Bett leer und umgemacht. Wie ein Wahnsinniger rannte ich durch die Wohnung, in der Hoffnung sie wäre da.
Doch verdammte Scheisse. Die Wohnung war leer. Also rannte ich wieder hinaus und fuhr direkt zum Stammeshaus. Innerlich betete ich, dass sie dort war. Sie war nicht dort, aber dafür um die 15 Rudel-Mitglieder.
"Leute bitte, ich brauche eure Hilfe. Ihr müsst Belle finden. Wir waren im Wald spazieren und ich habe sie verloren und finde sie nicht mehr. Wir müssen sie suchen, sie ist alleine dort draußen."
Einige schauten mich verwundert an, doch Theo und Sasha sprangen sofort auf. "Bitte, sie ist meine Gefährtin." Ich flehte die anderen förmlich an. Beim Wort Gefährtin sprangen auch die anderen auf und legten sich einen Plan zurecht. Wir brauchen ihren Geruch. Also lief das gesamte Rudel zu ihrer Wohnung und wartete vor der Tür. Das Shirt, dass ich aus dem Wäschekorb zog, hatte sie gestern an. Es wäre perfekt um ihrer Fährte zu folgen.
Dann liefen wir zu den Parkplatz von dem wir heute Morgen weggelaufen waren und dort teilten wir uns auf. Machten uns auf die Suche.
Die Panik, die sich in meinem inneren Breit machte trieb mich an, immer schneller zu laufen. Weiter zu machen.
Ich würde es mir niemals verzeihen können, sollte ihr irgendetwas zugestoßen sein.
Doch alle Mühen, die ich mir machten waren nutzlos. Jeder Baum an den ich stehen geblieben war, war ohne ihren Geruch. Ich konnte keine Fußspuren erkennen. Kein Geräusch deutete auf einen Menschen in der Umgebung hin. Doch ich würde wenn es sein musste jeden Zentimeter des Waldes absuchen, um sie zu finden.
Und je länger ich lief, ohne ihre Fährte zu wittern, desto schlimmere Vorwürfe machte ich mir selber. Wie konnte ich einfach nichts auf ihr Geständnis sagen? Wie konnte ich schweigen, wenn sie eine starke Schulter zum anlehnen brauchte? Wie konnte ich nichteinmal bemerken, dass sie wegging? Wie konnte ich zulassen, dass sie wegging? Warum war ich so ein verdammtes Arschloch?
Doch die viel schlimmere Frage war, was wenn ihr etwas passiert war? Auf diese Frage hatte ich keine Antwort. Lieber würde ich sterben, als dass ihr etwas zustoßen sollte.
Nie wieder würde mit das passieren. Nie wieder wollte ich sie alleine lassen. Was hatte ich nur angerichtet?
Ohne Pausen, oder auch nur wenig langsamer werdend, lief ich weiter. Suchte nach dem Sinn meines Lebens und hoffte und betete.
Schließlich fragte ich Collin über den Alpha-Gedanken funk, ob es schon etwas Neues gibt. Er verneinte es und meine Verzweiflung ließ mich zusammenbrechen. Ich hörte mich selbst winseln. Diese Leere die sich in mir ausbreitete und den Schmerz verdrang.
Doch plötzlich überkam mich das Gefühl der Hoffnung. Ich spürte, dass sie noch am Leben war. Meine Bemühungen sie zu finden mussten einfach verdoppelt werden. Ich musste einfach noch genauer suchen. Noch schneller laufen. Noch mehr Gebiet ablaufen. Immer wieder fragte ich Collin, ob es was neues gab. Die Gleiche Antwort, und doch jedes Mal unglaublich schmerzhaft. Ein kurzer Blick in den Himmel sagte mir, dass es schon kurz vor Sonnen Aufgang war.
Scheisse, sie war schon seit mehr als 12 Stunden spurlos verschwunden. Fuck.Fuck. Wäre ich in meiner Menschen Gestalt gewesen, hätte ich sicher vor Verzweiflung geweint. Vielleicht wäre ich zusammengebrochen. Vermutlich wäre meine Kehle vor Angst zugeschnürt.
Doch meine Wolfsgestalt half mir. Ich konnte meine Gefühle ein wenig eindämmen. Meinen Instinkten freien Lauf lassen. Aufheulen, wenn der Schmerz zu groß war. Und so rannte ich weiter. Nur mit dem einen Ziel sie zu finden.
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Schrei des Wolfes: Das Geständnis
ChickLitDas Leben ist hart. Diese Lektion muss die 17-jährige Belle schnell lernen. Auf eine Party entjungfert von einen Unbekannten und vier Wochen später der Schock: Sie ist schwanger. Als sie dies ihren Eltern beichtete, flog sie kurzerhand raus von zuha...
