Das Ranchhaus hätte ich auf jeden Fall gemietet, wenn ich hier meine Ferien hätte verbringen wollen. Aber aus der Perspektive, dass ich hier wohnen sollte, dauerhaft, nervte mich Alles an. Vom Knarschen der Veranda bis zu der rustikalen Sitzgruppe in einer Ecke rechts der Haustür. Von ländlichem Charme wollte ich nichts wissen. Ich drehte am Türknauf, trat ein und kümmerte mich nicht um die Dreckspur, die ich auf den Dielen hinterließ. Es kümmerte sich schließlich auch keiner um die Dolche in meinem Herzen. Mein Handy bingte und eine WhatsApp-Nachricht von meiner besten Freundin Scarlett erschien. Sie war mit unserer Clique am Broadway irgend so ein Ballett schauen. Damit rammte sie die Messer noch tiefer in meine Organe. Was würde ich dafür tun endlich wieder ein Teil von dieser Welt sein zu können. Ich schickte ihr einen simplen Daumen nach oben und setzte meinen Weg durch das Haus weiter fort. Mein Koffer verfing sich in einem grottenhässlichen Läufer und beinahe hätte ich den Boden geküsst, doch glücklicherweise prallte ich gegen eine feste Wand. Erst nach ein paar Sekunden bemerkte ich, dass es eine warme Wand war. Eine männliche Wand. Oh nein, nein, nein. Ich fuhr zurück und starrte den wahrscheinlich heißesten Typen an, den Gott je kreiert hatte. Er war groß, bestimmt um die 1,85m, muskulös, hatte verwuschelte schwarze Haare und eisblaue Augen, die wie geschliffene Diamanten aussahen. Seine langen Beine steckten in dunklen Jeans, er trug ein schwarzes T-Shirt und war barfuß.
"Na, was haben wir denn hier?", fragte er und seine Stimme triefte vor Sarkasmus. Ich drückte die Schultern zurück und verschränkte die Arme unter der Brust.
"Ich bin ein Mädchen", gab ich zurück. Er zog eine Augenbraue hoch.
"Das sehe ich. Was ich mich frage ist, was du in meinem Haus machst."
"Tja, sieht so aus, als wohne ich hier", antwortete ich. Obwohl er ziemlich gut aussah, ließ sein Charakter zu wünschen übrig. Naja, auf jeden Fall dem nach zu urteilen, was ich bis jetzt von ihm mitbekommen hatte.
"Tust du nicht", sagte er und stemmte die Hände in die Hüften. Ich mimte seine Haltung nach.
"Dann nicht."
"Verlass das Haus", forderte er und ich sah rot. Was. Für. Ein. Arschloch.
"Okay, Kuhjunge. Ich weiß zwar nicht, wer dir in den Kaffee gepinkelt hat, aber ich war es sicher nicht. Also geh mir aus der Sonne." Er baute sich noch größer vor mir auf und trat einen Schritt auf mich zu. Dann senkte er den Kopf, sodass wir nahezu auf Augenhöhe waren. Seine dunklen Haare fielen ihm in die Stirn und ich widerstand den Drang sie ihm zurück zu streichen.
"Und ich weiß nicht aus welchem Loch du gekrochen bist, aber ich würde dir empfehlen, dich wieder dorthin zu verpissen."
"Drohst du mir etwa, Mr. Ichbinsogeil?" Er machte noch einen Schritt auf mich zu und wenn ich nicht so verdammt temperamentvoll gewesen wäre, dann hätte ich spätestens jetzt die Flucht ergriffen.
"Cameron? Bist du da?", rief eine Frauenstimme aus der Küche. Er setzte sofort den Rückzug an, als eine großgewachsene Frau auf den Flur kam und sich die Hände an ihrer Schürze abwischte. "Cameron Boudreaux, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass-" Sie verstummte als sie mich sah. Ich würde meinen linken Fuß darauf verwetten, dass es sich bei der blonden Frau um seine Mutter handelte. Die feinen Gesichtszüge und die Augen ähnelten ihm so sehr.
"Guten Tag, Ma'am. Ich bin Jules Summers", sagte ich und umklammerte meinen Koffer. War vielleicht doch keine so geniale Idee gewesen den Boden zu beschmutzen. Ihr Gesicht hellte sich auf und sie klatschte in die Hände.
"Oh, dann bist du bestimmt Rachels Kleine. Wow. Sie hat ja schon so viel von dir erzählt." Dann wandte sie sich an Cameron. "Du weißt doch noch, oder? Rens Stieftochter."
"Ja, wir haben schon so viel von dir gehört", sagte er und mimte ihren Tonfall nach. Ich ignorierte ihn.
"Na, da wundert es mich aber, dass Sie noch keinen Exorzisten gebucht haben." Cams Mum lachte und auch er schien zu schmunzeln.
"Ach Gott, nein. Sie hat nur gut von dir gesprochen. Aber wo bleiben meine Manieren: Ich bin Gabrielle, aber nenn mich ruhig Gabby. Ich bin Rens Schwester" Ich gab ihr die Hand.
"Freut mich wirklich sehr, Gabby." Ich zeigte mich von meiner besten Seite. Schließlich brauchte ich hier nicht noch mehr Feinde und vielleicht würde ich meiner Mum damit auch noch eins auswischen. Dann konnte sie mich nämlich nicht mehr als das ungezogene Papa - Kind darstellen, wie sie es so oft tat.
Die Haustür quietschte und ich brauchte mich gar nicht umzudrehen, um zu wissen, dass Frankenstein und seine Braut so eben die Bühne betreten hatten.
"Ah, Cameron. Du bist ja hier", rief Ren und ich ließ den Kopf sinken. Cam griff sich meinen Koffer.
"Und das ist mein Stichwort, um zu gehen", brummte er und fing sich dafür einen bösen Blick seiner Mutter ein.
"Ich bin dann auch weg", stellte ich klar und hechtete hinter ihm die Treppe hoch. Cam öffnete eine Tür und hielt sie mir auf. Bis auf ein Bett stand noch nichts hier drinnen. Wahrscheinlich weil die Möbel noch unterwegs waren. Er stellte den Koffer neben die Tür und wollte gerade gehen, da sagte ich:" Du kannst ihn nicht ausstehen." Er wandte sich mir zu und steckte die Hände in die Hosentaschen.
"Blitzmerker."
"Hast du keine Angst, dass ich ihm stecke, wie du über ihn denkst?", stichelte ich und grinste. Er beugte sich zu mir runter. So wie eben, nur nicht auf eine bedrohliche Art. Es war eher so, als wolle er mit mir ein Geheimnis teilen.
"Nein. Und willst du wissen wieso?" Ich nickte.
"Weil du, Barbie,ihn auch nicht ausstehen kannst."
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Fighting Cameron
Fiksi RemajaDie 17 - jährige Jules Summers ist das typische Großstadtmädchen. Als ihre Mutter sie auf die Ranch ihres Verlobten in Montana schleppt, ist sie not amused. Auch nicht, als der spitzüngige und gutaussehende Sohn ihrer Stieftante ihren Weg kreuzt. Ca...
